Wenn Mangelversorgung zur Gesundheitsfalle wird

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Trotz gesunder und ausgewogener Ernährung droht Vitamin- und Nährstoffmangel. Insbesondere unter bestimmten Lebensumständen und unter bestimmten Risikogruppen droht Mangelversorgung mit Mineralstoffen. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) veröffentlichten Empfehlungen richten sich nach den Mittelwerten der Bevölkerung, die sich jedoch nicht an der optimalen Gesundheit orientieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt dagegen recht schnell vor Risiken, die sich durch eine Überversorgung mit Mineralstoffen ergeben könnten.

Allerorten, insbesondere von öffentlichen Institutionen wird gerne propagiert: Wer sich ausgewogen ernährt, dem drohen keine Mangelerscheinungen. Der lebt gesund. Insbesondere das BfR ist hier ein Vorreiter. Die DGE kommt gleich hinterher. Das BfR ist das Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Landwirtschaftsministerium untergeordnet. DGE steht für Deutsche Gesellschaft für Ernährung, ist als Verein organisiert und gibt sich gerne als unabhängig. Insbesondere bei der DGE kann, wer will, die zehn Regeln für vollwertiges Essen und Trinken abgreifen. Wer dies nicht tut, lebt eventuell länger und gesünder.

In einer immer älter werdenden Gesellschaft wird das Thema Gesundheit zunehmend wichtiger. Schließlich wollen die meisten Menschen ein hohes Alter erreichen und ihr langes Leben möglichst auch genießen können. Wer gesund lebt, könnte dieses Ziel auch erreichen. Dass zu einer gesunden Lebensweise auch unsere Ernährung ihren Beitrag leistet, zählt zu den Binsenweisheiten. In Zeiten des Internets wird auch zu diesem Thema eine Flut an Informationen erzeugt, in denen man sich leicht verlieren kann.

Insofern haben sowohl das BfR als auch die DGE eine herausgehobene Stellung, da sie als „öffentlich“ oder als „unabhängig“ daherkommen. Wenn Sie sich fragen, warum deren Regeln und Empfehlungen nicht greifen, sind Sie schon auf der richtigen Spur. Essen und Trinken muss immer nur als Teil der Lebensweise begriffen werden. Erst die Summe aller Lebensumstände ergibt das Gesamtbild. Insbesondere was die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen anbelangt, gehen viele „Lebens und Ernährungstipps“ nur von einem Mindestmaß aus. Quasi soll es immer für alle gelten.

Nicht berücksichtigt wird, dass zum einen die Lebensumstände vieler Menschen sehr verschieden sind und zum anderen, dass auch in ausgewogener Ernährung oft nicht drin ist, was draußen dran steht. Letzteres hat damit zu tun, dass bei immer intensiverer Bewirtschaftung die Böden allmählich an Kraft, an Nährstoffen, eben auch Mineralstoffe verlieren. Was also noch vor 30 Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen. Was aber der wesentliche Faktor in diesem Verhältnis ist: Die Lebensumstände verändern sich. In den letzten Jahren in einem rasanten Tempo. Stress. Dauerstress ist zu einem Phänomen geworden, wovon bereits 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland betroffen sind.

Die Faktoren dafür sind vielfältig, die Auswirkungen umso gravierender. Viele Symptome lassen sich schlecht deuten und auf den Stress zurückführen, wie Schlafmangel, Kopfschmerzen, Mattheit, Unkonzentriertheit, Appetitlosigkeit wechselnd mit Heißhungerattacken. Aber auch Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzkreislauferkrankungen können ebenso Folge von Dauerstress sein wie psychische Störungen, wie Stimmungsschwankungen, angefangen von Niedergeschlagenheit, Aggressivität bis hin zu Depressionen. Die Liste ließe sich fortführen.

Wer nun glaubt, mit den schönen Regeln der DGE könnte man mit gesunder Ernährung alles wieder ins Lot bringen, ist auf dem Holzweg. Denn Stress, einst von der Natur ersonnen zur Bewältigung von Gefahrenmomenten – flight or fight –, stellt eine enorme Belastung für unseren Körper dar. Alles wird in Sekundenschnelle auf Überleben programmiert. Fliehen oder kämpfen? Unsere heutigen Stresssituationen sind nicht mehr mit Lebensgefahr verbunden, suggerieren jedoch unserem Organismus, dass gerade wieder Gefahr für Leib und Leben besteht. Er reagiert dementsprechend. Wird dieser Stressmoment zum Dauerthema, steigt der Cortisolspiegel bedenklich an und wird nicht wieder abgebaut. Die Folgen können oben genannte Symptome auslösen.

Leben unter Dauerstress
Eines gilt dann ganz sicher: Sie befinden sich nicht mehr im Normalmodus mit einem dementsprechend normalen Verbrauch an Ressourcen. Insbesondere wichtige Nährstoffe, wie Mineralien werden plötzlich viel mehr ge- und verbraucht. Ein Mineralstoffmangel wirkt sich nun in doppelter Hinsicht fatal aus. Zum einen rührt der erhöhte Verbrauch von der Bewältigung der Stresssituation, zum anderen benötigen Ihre normalen Körperfunktionen einen bestimmten Pegel an Nährstoffen. Dieser Pegel ist nicht mehr gegeben und die zusätzlichen Ressourcen für die Stressbewältigung sind auch nicht mehr vorhanden. Folge: Der Stress wird zunehmend schlechter bewältigt und auch Ihre normalen Körperfunktionen leiden. Menschen unter Dauerstress klagen über die oben beschriebenen Symptome, körperliche Beschwerden können sich dazu gesellen. Ein wichtiges Mineral zur Stressbewältigung ist Magnesium.

Magnesiummangel
Magnesium ist der am stärksten unterschätzte Mineralstoff, denn er vermag weit mehr als vor Krämpfen zu schützen. Viele haben viel zu wenig von dem Mineralstoff und erhöhen damit ihr Risiko für Volkskrankheiten. Immerhin ist dieses unscheinbare Metall an mehr als 300 Stoffwechselvorgängen beteiligt. Als Gegenspieler des Cortisols hilft es den gefährlich hohen Spiegel bei Stress schnell abzubauen. Das passiert jedoch nur durch einen hohen Verbrauch an Magnesium. Da unser Körper Magnesium nicht selbst herstellen kann – daher heißt es essentielles Mineral – müssen wir rechtzeitig für Nachschub sorgen. Kontinuierlich Tag für Tag. Gerade in Stressphasen ist der Magnesiumbedarf besonders hoch. Wenn die DGE 300 bis 400 mg reines Magnesium empfiehlt, kann man in solchen Situationen leicht vom doppelten dieser Menge ausgehen.

Magnesium Brain - gut fürs Gehirn und gegen Demenz

Schon unter normalen Umständen gilt für Deutschland, dass die Hälfte aller jungen Mädchen unter Magnesiummangel leidet. Bei Männern spricht man von einem Viertel, bei Frauen von einem Drittel. Da diese Ergebnisse aus der letzten großen Verzehrstudie stammen, kann man davon ausgehen, dass man heute von noch mehr Betroffenen ausgehen muss. Denn diese Studie liegt mittlerweile mehr als zwölf Jahre zurück. Auch Schwangere wie Stillende haben oft einen zu niedrigen Spiegel. Dass insbesondere Ältere als Risikogruppe für Magnesiummangel gelten, ist besonders fatal. Denn bei denen ist eine ausreichende Magnesiumversorgung unmittelbar mit dem guten Funktionieren des Gehirns und des Zentralen Nervensystems verbunden.
Wie hier gezeigt wurde, kann eine gute Versorgung mit Magnesium unserem Gehirn Gutes tun. Zum einen wird Demenz, insbesondere Alzheimer vorgebeugt, der Verlauf der Krankheit gehemmt oder zumindest verlangsamt, zum anderen zeigten Studien, dass mit Magnesium unser Gehirn sich verjüngen lässt. Neue Nervenzellen wachsen und die Anzahl der Synapsen steigt.

Nicht nur Nicolai Worm, Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention, warnt davor, dass die von der DGE empfohlene Tagesration von 300 bis 400 mg Magnesium zu niedrig angesetzt ist. Viele Ernährungsberater und -wissenschaftler tönen mit. Nach Worms Kenntnissen muss man davon ausgehen, dass Männer und Frauen mindestens 40 Prozent dieser empfohlenen, zu niedrigen Tagesration an Magnesium zu sich nehmen. Er kritisiert, dass sich diese von der DGE empfohlene Menge nach den Mittelwerten in der Bevölkerung richtet, sich jedoch nicht an der optimalen Gesundheit orientiert. Denn zahlreiche Studien zeigen, dass mehr Magnesium weniger Risiken für die Gesundheit bedeutet, so Prof. Worm

Magnesiummangel – auch ein leichter – ist bei vielen Volkskrankheiten anzutreffen. Dazu gehören Bluthochdruck und Herzkrankheiten. Auch beim plötzlichen Herztod spielt ein zu niedriger Magnesiumspiegel eine Rolle: Eine große US-Studie zeigte, dass sich das Risiko durch eine gute Magnesiumversorgung um 40% senken ließe. Schlaganfall, Diabetes, Demenz, insbesondere Alzheimer wie oben beschrieben, sind ebenfalls zu nennen. Oder auch Migräne.

Da Magnesium hauptsächlich in den Muskeln und Knochen gelagert wird, droht bei Mangel auch Osteoporose. Professor Worm warnt ganz deutlich: „Man kann zwar magnesiumreich essen, wie jedoch die Verzehrstudie zeigt, reicht dies oft nicht aus.“ Sein schlimmes Fazit: „Da sich diese jedoch an den zu niedrig angesetzten Richtwerten [durch die DGE]orientiert, ist Magnesiummangel vermutlich noch wesentlich weiter verbreitet als bislang angenommen.“

Zusammenfassung
Dass Sportler einen enorm hohen Bedarf an Magnesium haben, alleine weil sie viel schwitzen, gilt fast schon als Volksweisheit. Dass sowohl die Risikogruppen viel größer sind bzw. die Magnesiumversorgung der Bevölkerung viel schlechter ist, zeigt nicht zuletzt die große Verzehrstudie aus den Jahren 2005 bis 2007. Wer vorbeugen möchte, geht kein Risiko ein. Bei einem Zuviel meldet sich der Körper mit Durchfall. Ein Zuwenig merkt man mitunter an Muskelkrämpfen, manchmal auch gar nicht mehr, wenn das Herz unser wichtigster Muskel betroffen ist und seinen Dienst versagt. Fatal ist, dass der Magnesiumspiegel sich kaum messen lässt, da viel im Knochen oder in den Muskeln gelagert und nur bei Bedarf im Blut vorhanden ist. Doch zumindest die genannten Risikogruppen würden von magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln profitieren. Fest steht nämlich, „dass mehr Magnesium eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation bedeutet“, bekräftigt Prof. Worm.

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