Wie sehr Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch die Übermutti der EU gewesen ist, zeigte sich bei ihrer Ankündigung, nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Es folgen Kommentare von Macron, Salvini, Öttinger und hymnischen Mainstreammedien.

    Heute schon bejubelt die FAZ die Bundeskanzlerin mit einem vorgezogenen Nachruf: Mutti Merkel “sei anders als alle Anderen”. In ihr habe man “eine Politikerin, die staunen macht. Vollkommen skandalfrei, vollständig auf Politik konzentriert und, mit einem Wort der gegenwärtigen Jugendsprache, fast ,hobbielos’, ohne jede Ambition auf etwas anderes als Machtgebrauch nach demokratischen Prinzipien.” Ein Teenager, der kritiklos für seinen Popstar schwärmt, ist nichts gegen diese FAZ-Hymne. Aber sie zeigt in dankenswerter Klarheit, wie stark diese Politikerin die “Qualitätsmedien” im Griff hatte, auch wenn manche bereits den Wendehals machen und sich Merkels potentiellem Nachfolger Friedrich Merz andienen.

    Aber auch EU-Politiker fühlen sich wie verlassene Kinder, nachdem die “Königin von Europa” (Spiegel-Online) ihren langsamen Rückzug ankündigte. Wenn sie schon gehen muss, dann aber noch nicht jetzt, fordert EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU): „In Brüssel wollen wir, dass die Kanzlerin ihre drei Jahre noch einbringt“. Schließlich, so Öttinger gegenüber dem SWR, genieße Merkel ganz viel vertrauen in der EU, „von Sofia bis Lissabon, von Dublin bis Athen“.

    Außerdem warnt Öttinger Merkels potentiellen Nachfolger für das Amt des Parteivorsitzenden: Auf keinen Fall dürfe er oder sie Muttis großes Werk verraten: „Wer glaubt, er könne am ersten Tag gegen die Kanzlerin arbeiten, der hätte mit Sicherheit seinen Job als neuer Parteivorsitzender verfehlt.“

    Frankreichs Präsident Macron nannte Merkels Ankündigung “äußerst würdevoll” sowie “äußerst respektabel”. Es ertönen schon besorgte Stimmen, ob Macron ohne die Kanzlerin noch die geplante Euro-Reform durchkriegt.

     

     

     

     

     

     

     

    Jubel auf Seiten Ungarns und Italiens: Viktor Orbán und der italienische Innenminister Matteo Salvini  freuen sich auf den baldigen Abgang eines lästigen Gegners. Laut Salvini habe die Hessenwahl gezeigt, “dass die in Brüssel regierenden Parteien einen epochalen Hammerschlag abbekommen haben”. Denn die “sogenannte Rechte und die Grünen sind um zehn Punkte gestiegen, daher schöne Grüße an die Merkel und die Freunde der Bundesbank.”

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