Vor 20 Jahren: Tron ermordet?

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Am 17. Oktober im Jahre 1998 starb der bekannte Hacker Boris Floricic alias Tron. Das ist jetzt genau 20 Jahre her und schon damals warf der Fall viele Fragen auf. Zum Beispiel, warum seine Leiche mit einem Gürtel erhängt in einem Berliner Park aufgefunden wurde, der nicht sein eigener war. Hinzu kommt, dass seine Leiche erst Tage später gefunden wurde; nämlich am 22. Oktober. Auch wenn die Ermittler den Fall als Selbstmord einstuften, werfen der fremde Gürtel und auch sein Mageninhalt berechtigte Fragen auf.

COMPACT widmet sich in seinem neuen Spezial Nummer 19 „Politische Morde – Die Blutspur der letzten 100 Jahre“ dem Fall Floricic. Lesen Sie hier nun einen Auszug aus dem Heft:

Whistleblower sterben einsam

_ von Jan Gaspard

Im Oktober 1998 wurde ein deutscher Hacker erhängt in einem Berliner Park aufgefunden. War er für Geheimdienste und Großkonzerne zur Gefahr geworden?

„Knackte er einen Code zu viel?“, fragte selbst die Bild-Zeitung, als der Chaos Computer Club (CCC) damals vermeldete, dass sein unter dem Pseudonym Tron bekanntes Mitglied gewaltsam zu Tode gekommen sei. „Die Polizei spricht von mutmaßlichem Selbstmord. Wir können uns das eigentlich nicht vorstellen“, hieß es in einer Mitteilung des CCC.

Tron, eigentlich Boris Floricic, war trotz seiner Jugend – er starb mit gerade 26 Jahren – das größte Talent der deutschen Hacker-Szene. Er hatte eine falsche Telefonkarte für öffentliche Fernsprechapparate produziert, die sich selbstständig wieder aufladen konnte. Noch kurz vor seinem Tod decodierte er den Pay-TV-Schlüssel von Premiere, nur um zu zeigen, wie mangelhaft das alles gesichert war.

Trons bekannteste Erfindung war jedoch das Cryptophon, ein ISDN-Telefon mit integrierter Sprachverschlüsselung, das er im Wintersemester 1997/1998 im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Technischen Fachhochschule Berlin entwickelt hatte. Es sollte später zum Cryptron weiterentwickelt werden, das auch Datenverbindungen hätte entschlüsseln können. Beide Systeme zusammen hätten Spionageprogramme wie Prism von Anfang an ins Leere laufen lassen können. „Ihm traute man zu, Codes von Geheimdiensten zu dechiffrieren. Hatte er jetzt ihre Computer angezapft?“, fragte Bild.

Dieser und andere mysteriöse Todes- und Mordfälle werden kriminalistisch aufgearbeitet in der neuen COMPACT-Spezial „Politische Morde – Die Blutspur der letzten 100 Jahre“.

Im Editorial schreibt Chefredakteur Jürgen Elsässer: „Mit der Wahrheit verhält es sich wie mit der Liebe: Beide sind schwer zu definieren und schwer zu finden. Aber wenn man aufhört, sie zu suchen, geht man im Strudel der Beliebigkeiten unter. Diese COMPACT-Ausgabe will Mut zum eigenen Denken machen. Unsere Autoren verstehen sich als Kriminalisten, nicht als Ideologen. Wir erweisen den Fakten die Ehre, nicht den Toten. Wenn wir uns für die letzten Stunden im Leben einer Rosa Luxemburg oder eines Leo Schlageter interessieren, dann nicht, weil wir Sympathien für eine Kommunistin oder einen Nationalsozialisten hätten, und auch Barschel und Möllemann waren uns nicht sonderlich sympathisch. Was uns antreibt, ist der detektivische Spürsinn – und eine gesunde Skepsis gegenüber der offiziellen Geschichtsschreibung, die uns so oft belogen hat.“

Folgende Kriminalfälle werden in COMPACT-Spezial „Politische Morde“ behandelt:

Krieg und Unfrieden

Franz Ferdinand/Sarajevo 1914
Luxemburg / Liebknecht 1919
Rathenau 1922
Schlageter 1923
Nacht der langen Messer 1934
Theodor Lessing 1934

Mord im Kalten Krieg

Hammarskjöld / Lumumba 1961
Marilyn Monroe 1962
John F. Kennedy, Robert Kennedy 1963/1968

Bleierne Jahre

Hanns Martin Schleyer 1977
Siegfried Buback 1977
Stammheim 1977
Aldo Moro 1978

Im Fadenkreuz der Geheimdienste

Olof Palme 1986
Rudolf Heß 1987
Uwe Barschel 1987
Herrhausen/Rohwedder 1989/1991
Boris Floricic/Tron 1998
NSU 1999-2011

Entsorgung der Unbequemen

Jürgen W. Möllemann 2003
Jörg Haider 2008
Kirsten Heisig 2010
Alexander Musytschko 2014

Politische Morde Compact Spezial 19

Politische Morde Compact Spezial 19. Hier bei uns im Abo oder auf der Webseite vorbestellbar.

Bestellen Sie „Politische Morde – Die Blutspur der letzten 100 Jahre“ gleich jetzt. Oder noch besser: Abonnieren Sie die Reihe COMPACT-Spezial für nur 35,20 Euro pro Jahr, Sie sparen also die Versandkosten im Vergleich zu Einzelbestellungen. Als nächste Titel erwarten Sie im Jahr 2019 (Änderungen vorbehalten): Blut-Banker. Oligarchen, die die Welt regieren // Wie der Dschihad nach Europa kam. 20 Jahre NATO-Angriff auf Jugoslawien // Lügen im Weltraum. 50 Jahre Mondlandung // Björn Höcke: Was ich will.

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7 Kommentare

  1. Avatar

    Na ja ich habe festgestellt dass ,viele dieser sog. unbequemen Whistleblowers aber verstorben wurden (wie z.b. auch Michael Hastings) nachdem sie mit veröffentlichungen von "Etwas" gedroht hatten oder mit Freunden telefonierten und diese dann von ihrem Plan unterrichtet hatten .
    Man sollte nicht vergessen ( vor allem in stressigen Situationen) dass heutzutage fast alles abgehört werden kann und viele Geheimdienste dieser Welt leider auch mit dunklen Gestalten infiltriert worden die für die ,ich nenn sie mal, "Bösen" arbeiten .
    Leider nehmen manche Whistleblowers "das Böse" zu bekämpfen auf die leichte Schulter und plappern ihre Pläne achtlos oder aus Wut aus bevor sie diese verwirklichen und werden somit zu einem leichten Ziel eben dieser Bösen .
    Ich kann Whistleblowers die wirklich brisantes in der Hand haben nur einen amateurlichen aber freundlich gemeinten Rat geben .
    1.Vertrau niemanden ausser deinem Instinkt , deinen Gefühlen und deinem Können
    2.tauche unter
    3.blow the whistle
    4.sicheres Land aufsuchen ( wie Snowden ,der ist noch am Leben )

    Ich wünsche allen Unbequemen ein gesundes Leben und viel Glück bei ihren Vorhaben …….

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    Etwas seltsame Auswahl ,neben echten Morden nur vermutete vielleicht-Morde und völlig gerechtfertigte Hinrichtungen.

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    Wer eine Leidenschaft für Kriminalfälle hat,sollte Kriminalromane schreiben oder lesen,aber nicht an reale Ereignisse einen Roman anhängen,der sauberen Trennung und der geistigen Gesundheit wegen.

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    Boris war ein guter Freund von uns, die letzten Tage hat er nicht viel geredet und hat sich ständig umgeguckt. Er litt unter Verfolgungswahn und hat Angst gehabt das Haus zu verlassen und ging nur raus wenn es dringend war. Er wollte uns nicht sagen was mit ihm los war, er meinte das wir dann alle in Gefahr wären und das er denke das er auf irgend einer Abschussliste stehe. Wir haben das damals der Polizei gesagt und die haben uns ausgelacht und wollten von mord nix wissen und meinten das wir nur die Ermittlungen so erschweren.

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    An die jüngeren Leser/-innen: Bei den o.a. "öffentlichen Fernsprechapparaten" handelte es sich um die Vorgängergeräte eurer Smartphones. Allerdings waren sie viel größer und noch mit dem Erdboden über Kabel verbunden. Damit sie nicht nass wurden und kaputt gingen, standen sie in eigens für sie errichteten "Zellen", einer Art Raumkapseln, die jeder durch eine Tür betreten konnte. Wer Münzen oder Prepaid-Karten in sie hineinsteckte, konnte telefonieren. SMS oder Internet gab es damals noch nicht. Diese Kapseln wurden oft von Menschen blockiert, die gar nicht telefonieren wollten, aber kein Auto oder Regenschirm dabei hatten. Ansonsten verschandelten sie die Landschaft, wie heutige Windräder. Viele Menschen glaubten damals, man könne telefonieren, ohne dass Fremde mithören können. Das war natürlich Aberglaube wie Firewalls, Virenscanner und Werbeblocker. Dank Pionieren wie Tron, Facebook und Twitter interessiert das heute niemanden mehr. Schlimm der Todesfall in Boizenburg vorgestern, nicht wahr?
    [ SVZ.de: Boizenburg : Tödlicher Sturz von Parkbank ]

    Ob der gerade am Telefonieren war?
    Das war eben der Vorteil der "Telefonzellen".

    • Avatar
      heidi heidegger am

      magischer realismus: t-zellen waren zu meiner zeit keimig aber vielseitig. wenn ich mal Flockys leine vergass beim gassigehen und ich mal kurz in die peepshow musste, musste er in der zelle halt warten bis zu meiner rückkehr oder bis ihn jemand befreite und er von selber dann nach hause dackelte und übern zaun (haha!) unterm lattenzaun hindurch robbte und dann unter der überdachten auffahrt brav wartete, bis frauchen nach hause kam, hähä.

  6. Avatar
    DerSchnitter_Maxx am

    Unbequeme werden immer irgendwie beseitigt, entweder verbal und medial … oder wenn das nicht funktioniert eben brutal !

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