Der selbsternannte Interimspräsident Guaidó scheint angeschlagen, aber nicht besiegt zu sein, während über die Präsenz russischer Atomwaffen in Venezuela spekuliert wird.

    In Venezuela gehen zur Stunde weiterhin Gegner und Befürworter des Staatspräsidenten Nicolás Maduro auf die Straße. Es wird von Demonstrationen berichtet, die nicht nur in der Hauptstadt Caracas, sondern in allen Landesteilen stattfinden sollen. Laut Michael Holmes, Reporter des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN, haben sich in Caracas ein „beträchtlicher Teil“ der Bevölkerung und insbesondere „Arbeiter“ zur Unterstützung Maduros versammelt.

    Juan Guaidó, der sich am 23. Januar dieses Jahres selbst zum Übergangsstaatschef ausgerufen hatte und der von Ländern wie den USA, Deutschland, Brasilien, Kolumbien, Peru, Ecuador oder Kanada unterstützt wird, hatte am vergangenen Dienstag einen erneuten Griff nach der Macht gestartet.

    Am 23. Januar dieses Jahres rief sich der vorherige Parlamentspräsident Juan Guaidó in der Hauptstadt Caracas zum Übergangsstaatschef aus. Die gestern von ihm ausgerufene „Operation Freiheit“ hat bislang aber nicht die Durchschlagskraft entwickelt, die er sich wohl erhofft hatte. Zudem machte der vormalige Parlamentspräsident falsche Angaben über eine angebliche Unterstützung militärischer Kräfte für ihn. Der Militärputsch existierte aber nur in der Phantasie Guaidós, der sich vor der Luftwaffenbasis La Carlota filmen und fotografieren ließ, um zu suggerieren, dass diese von seinen Anhängern kontrolliert wird, was aber nie der Fall war.

    Pompeo: „Intervention ist möglich“

    Heute präsentierte sich der selbsternannte Interimspräsident in Caracas seinen Anhängern. In seiner Rede räumte er ein, dass die militärische Unterstützung für ihn am 30. April zu schwach war, um einen Umsturz herbeizuführen. „Von nun an werden wir jeden Tag protestieren, bis wir unser Ziel erreichen“, kündigte er an. CNN-Reporter Steffano Pozzebon, der die Kundgebung Guaidós in Caracas heute vor Ort verfolgte, sprach allerdings auch davon, dass sich erstmals seit dem Beginn der Proteste Soldaten in Uniform mit dem Guaidó-Lager solidarisiert hätten.

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    US-Außenminister Mike Pompeo wollte heute gegenüber dem Fernsehsender Fox Business eine Militärintervention in Venezuela nicht ausschließen. „Der Präsident agiert in dieser Situation glasklar und unglaublich konsequent – militärische Aktionen liegen im Bereich des Möglichen, wenn das erforderlich ist“, sagte er. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat wiederum eine militärische Intervention seines Landes in Venezuela so gut wie ausgeschlossen, die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei „nahe Null“, äußerte Bolsonaro heute.

    Mario Diaz-Balart, ein republikanischer Abgeordneter, der den US-Bundesstaat Florida im Repräsentantenhaus vertritt, betonte heute gegenüber dem Sender Fox News, er gehe davon aus, dass Putin längst Nuklearwaffen nach Venezuela gebracht habe. Tatsächlich gab es immer wieder Spekulationen über eine geheime russische Militärbasis in Venezuela; erst im vergangenen Dezember waren zwei atomwaffenfähige russische Überschallbomber des Typs Tu-160 auf dem Flugplatz Maiquetia in Venezuela gelandet.

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    Auch am zweiten Tag der „Operation Freiheit“ deutet nichts auf einen erfolgreichen Staatsstreich Guaidós hin, der allerdings weiter aktionsfähig zu sein scheint und es deshalb wohl auch verfrüht ist, schon ein Scheitern seines Umsturzversuches zu vermelden.

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