US-Superreiche: Soziale Reformen oder Revolution

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Untrüglicher Indikator für die Krise eines Systems ist, wenn das Establishment das Lager wechselt. Das ließ sich bereits im Vorfeld der Französischen Revolution erleben: Viele wichtige Autoren und spätere Mitstreiter hatten aristokratischen Hintergrund. Ähnliches scheint gerade in den USA zu passieren: Die Geld-Aristokratie kündigt dem System, das sie einst groß werden ließ, die Freundschaft.

Das Magazin Focus Money führt als aktuelles Beispiel für diese Tendenz den Hedgefonds-Star Ray Dalio und Großbank-Chef Jamie Dimon an. Neoliberale FDPler, globalistische Bionade-Hipster sowie TTIP-Fans müssen jetzt ganz stark sein…

Zur Übersicht: 40 Prozent der US-Bürger verdient nicht einmal (umgerechnet) 13,50 Euro Stundenlohn. Selbst der Mindestlohn von lachhaften 6,50 Euro wird von fünf Prozent der arbeitenden Bevölkerung noch unterboten. Bei der letzten US-Wahl lehnte die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, den Vorschlag ab, eine Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro ins Wahlprogramm zu integrieren. Diese Ablehnung kostete sie prominente Unterstützer.

Konträr zu diesem Elend steht die Fraktion der Superreichen, die auch noch weitreichend steuerbefreit agiert. Diese Schere wurde selbst dem superreichen Ray Dalio unerträglich: „Der Kapitalismus hat mich reich gemacht, aber selbst ich glaube, dass er nicht mehr funktioniert“, schrieb er. Dimon legte nach: „Ganz einfach formuliert: Die sozialen Bedürfnisse von viel zu vielen unserer Mitbürger werden nicht mehr erfüllt.“

Während Dalio eine baldige Revolution in den USA prognostiziert, fordert Dimon weitreichendes Umkrempeln des verfaulten Systems: Die derzeitige Schule sei am Ende; selbst die 60 Prozent, die an Innenstadtschulen ihren Abschluss macht, sei auf moderne Jobs meist nicht vorbereitet. Das Gesundheitssystem sei zu teuer, ärmere Familien könnten medizinische Behandlung kaum mehr finanzieren.

Außerdem: zu viel Bürokratie, zu teures Justizsystem, falsche Einwanderungspolitik, Drogenkrise, zu wenig feste Arbeitsplätze sowie hochverschuldete Studenten. Zwar glaubt der Bankchef nicht an eine System-Alternative zum Kapitalismus, wohl aber an dessen Reformierbarkeit: „Der Kapitalismus ist das erfolgreichste System, das die Welt je gesehen hat. Er hat Milliarden Menschen aus der Armut geholfen. Das heißt aber nicht, dass er keine Fehler hat und nicht verbessert werden müsste. Es ist wichtig, ein starkes soziales Netz zu besitzen.“ Dazu gehörten auch mehr Steuern für bessere Ausbildung und Infrastruktur sowie bessere Löhne.

Dimon fordert für Amerika einen „sozialdemokratischen“ Marschallplan. Damit dürfte er die traditionelle Sozialdemokratie gemeint haben. Nicht die gegenwärtige, deren Sterben gerade in Europa zu erleben ist.
Außerdem verlangt er von den Regierungsparteien, sich nicht länger zu bekriegen, sondern eine Querfront zu bilden. Ironischerweise findet er in manchen Punkten ausgerechnet in Deutschland ein Vorbild für seine „Sozialdemokratie“: „Deutschland hat das beste System und eine der geringsten Jugendarbeitslosigkeiten der Welt.“ Trotzdem könnten wir noch einige soziale Reformen gut gebrauchen. Die Abschaffung der Hartz-Gesetze wäre ein erster Schritt.

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13 Kommentare

  1. Avatar

    Das dies geschriebenes Programm ist, darf nicht gesagt werden?
    Ist das Zensursula 2.0?

    Dann halt Bunt:

    In Magdeburger Straßenbahn
    Polizeibekannter Syrer schlägt Schülerin (18) und Student (28) nieder

    Trotz mehrerer Delikte lag gegen den Täter kein Haftbefehl vor. Er wurde zunächst in die Psychiatrie eingeliefert und entließ sich dann einen Tag später einfach selbst.

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      Denkverbote #1: Geld- und Kreditsystem | richard k. breuer

      "So werden wir auch im Judenstaat Ihr beängstigendes Vermögen, das unsere wirtschaftliche und politische Freiheit ersticken würde, von vornherein nicht dulden" Theodor Herzl

      ggf. ist dieser Versuch gestattet?

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    Schon in den 1960er Jahren sagte mein Vater immer daß die USA reif sind für eine kommunistische Revolution wie die Oktoberrevolution in Rußland. Das wird es aber dort schon deshalb nicht geben, weil die USA nach wie vor von Calvinisten, Puritanern und ähnlichen protestantischen Gruppen beherrscht wird und der Protestantismus die ideologische Grundlage des (Manchester-) Kapitalismus ist. Ausschlaggebend ist die Aussage, daß sich der Segen Gottes im wirtschaftlichen Erfolg zeigt; je Reicher, desto gesegneter! Egal wie!
    Dagen gilt im Katholizismus: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als daß ein Reicher in den Himmel kommt. Katholiken waren also immer gehalten sich um die soziale Frage zu kümmern, zu geben, während Protestanten zunächst mal davon ausgehen, daß es individuelle Ursachen hat, wenn jemand arm ist. (Jeder ist seines Glückes Schmied, Gott den Tag klauen)
    Das höchste Gut in den USA ist die Freiheit und das ist die induviduelle Freiheit – auch zu verhungern! Die USA sind dadurch groß geworden, daß jeder machen konnte was er wollte, möglichst ohne Vorschriften und Regeln. Wenn er das in der Zivilisation nicht mehr konnte, zog der nach Westen, ein paar Indianer töten und deren Land nehmen. Das ist nun nicht mehr möglich. Deswegen wollen sie da aber nicht mehr Ordnung und schon garnicht mehr Staat!

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      2. Anders verhält es sich mit den Afroamerikanern. Die sind nicht freiwillig gegangen oder rübergeschickt worden, sondern wurden geholt. Ursprünglich von den Spaniern, weil die die Kariben als zu schwächlich für schwere Arbeit ansahen, später von den damaligen Kapitalisten zum Arbeiten. Im Norden hatte man noch billigere Einwanderer, die man nach dem Grundsatz Einstellen und Feuern behandelte. Es gab genug davon, sodaß man bei Streiks einfach die ganze Belegschaft ersetzte; man konnte sich auch "leisten" auf Streikende zu schießen, Löhne zu kürzen.
      Solidarität kennt der Amerikaner im Grunde nicht, deswegen wird die Revolution da nicht stattfinden. Wenn sich Superreiche heute Sorgen machen, dürfte eher die Sorge dahinter stecken, daß immer mehr Individuen als Kunden für sie verloren gehen, der US-Binnenmarkt ganz wegbricht. Das kommt aber daher, daß immer mehr Produktion (=Arbeitsplätze) ins (billigere) Ausland verlagert wurden; mit dem Hintergedanken, auch dort Geschäfte machen zu können. Das klappt aber nicht wirklich. Das hat Trump erkannt und steuert nun gegen.

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    „Deutschland hat das beste System und eine der geringsten Jugendarbeitslosigkeiten der Welt“

    Allerdings hat Deutschland auch nicht so furchtbar viele Jugendliche wie die USA. Querfront der Regierungsparteien könnte bedeuten: The Donald macht sofort Platz für Elizabeth Warren und wird nach seiner Transformation von Lisa generalamnes(t)iert, wie Chelsea Manning neulich von Obama. Die Penner kriegen neue Flaggen zum Abdecken, ex-Trump-Wähler werden als faire patriotische Verlierer gelobt, alles Weitere regelt das Finanzkapital. Die USA hat viel mehr politische Kultur als die BRD!

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      Jeder hasst die Antifa am

      Deutschland hatte das beste System bis eine FDJ Sekretärin aus der DDR kam und alles in Grund und Boden Wirtschaftete

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        @ JHDA

        Aber wer hat denn die Ex-FDJ Sekretärin für
        (kommunistische) Agitation und Propaganda
        auf den Thron gesetzt?
        Das waren doch die schlauen CDU-Wessis, die auch
        heute noch in der Mehrheit sind. Deren Gehirnerweichung
        begann doch just in jener Zeit, als sie selbstherrlich glaubten
        das beste System der Welt zu haben und gönnerhaft die
        sogenannten Gastarbeiter in Land zu holen.

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        Wer die gewählt hat, das frage ich mich schon, als sie noch Kohl`s Mädchen war.
        Seltsamerweise habe ich schon vor ihrer ersten Wahl eine Abwandlung ihres "Wir schaffen das" in einem Forum geschrieben, dort hatte ich geschrieben "Sie kann es nicht". Ich wünschte, ich hätte mich geirrt.

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        Angela Merkel Honeckers Rache
        https://www.youtube.com/watch?v=ZBYCu59jJk4

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        Ach die Strippenzieher sitzen ganz wo anders.

        SED/PDS/Linke: Kein Austritt aus der NATO – YouTube

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      heidi heidegger am

      "..generalamnesiert"? d e r war gut. Du (aber) hast einen Warren and dieser "Lisa" gefressen, Gabi, muss ich dididir so knallhart sagen, hihi. Mimimich hingegen amnesierte gerade ein USA-kritische Video von NuoVisoTv:

      [ „Apollo, Kubrick & Beyond“ – Robert Stein ] /watch?v=DO2GWJrcruU

      Handelt sich datt um folgendes: "Hat man sich […] dazu entschieden, eine der größten Menschheitsprojekte nur zu inszenieren? Wer käme dafür besser in Frage als der unumstrittene Meister dieses Genres zum damaligen Zeitpunkt, Stanley Kubrick. Vieles deutet darauf hin, nicht zuletzt Kubrick verpackte in seinen nachfolgenden Filmen eine Menge Botschaften, welche auf eine Inszenierung durch ihn hindeuten…"

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        Fast zwei Stunden ohne Werbepause?
        Das schaff ich nicht, Heidi!

        Aber erinnerst du dich noch an den Saal von Mission Control? Alles Kettenraucher! Dagegen in der Rakete: kein einziger Aschenbecher. Da wusste ich sofort: Kubrick!
        [ Deep space Homer ]

        Ja, natürlich war das Kubrick. Wer denn sonst?
        [ An epic supercut of all the Stanley Kubrick references in The Simpsons ]

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