Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges wird im Persischen Golf ein Schiff unter amerikanischem Besitz angegriffen. Ein mit Sprengstoff beladenes Schnellboot rammt den Frachter und setzt ihn in Flammen. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zum Thema erscheint in Kürze! Hier mehr erfahren. 

    Gestern Abend gerät die Safesea Vishnu und die Zefyros während eines Öltransfers vor der irakischen Küste bei Basra ins Visier eines explosiven Kleinbootes. Iranische und indische Medien sprechen von einer Unterwasserdrohne.

    Die Detonation entfacht einen Großbrand, dichter Rauch steigt über dem Koloss auf. Die Besatzung verlässt das brennende Schiff und springt ins Wasser, Rettungseinheiten bringen 27 Seeleute in Sicherheit. Ein Crewmitglied, vermutlich ein Inder, stirbt bei dem Angriff. Auf welchem der beiden Boote der verstorbene Mann arbeitete ist bislang unklar.

    Die Attacke ereignet sich in einer Phase wachsender Spannungen um die Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gedroht, sollte die Passage nicht offen bleiben, würden amerikanische Streitkräfte Angriffe „von nie gesehenem Ausmaß“ starten. Man werde „zwanzigmal so hart zurückschlagen“, polterte er. Iraks Hafenbehörde bestätigt den Vorfall und spricht von einem ,,gezielten Angriff auf zwei Schiffe“ in irakischen Gewässern.

    Angriff während Umladung

    Beide Tanker lagen vor der Küste vor Anker. Die Safesea Vishnu fährt unter der Flagge der Marshallinseln und wird von der amerikanischen Reederei Safesea Transport Inc. betrieben. Der Iran trifft damit erstmals direktes Eigentum einer US-Reederei. Das zweite Schiff fährt unter der Flagge Maltas und gehört ein griechisches Seefrachtunternehmen.

    Nach Angaben der staatlichen irakischen Ölvermarktungsorganisation SOMO ereignete sich der Angriff während eines sogenannten Ship-to-Ship-Transfers, einer Umladung von Rohöl zwischen zwei Schiffen auf offener See. Solche Transfers sind in der Region üblich, weil große Frachter nicht immer direkt an den Terminals festmachen können. „Die Schiffe wurden während des Ladebetriebs angegriffen“, bestätigte der Pressesprecher von SOMO.

    Deglobalisierung auf See

    Schon zuvor waren in den vergangenen Tagen mehrere Frachter und Tanker im Persischen Golf beschädigt worden. In Berichten werden unter anderem die Schiffe Star Gwyneth (Öltanker), One Majesty (Containerschiff) und Mayuree Naree (Massengutfrachter) genannt, die bei Angriffen im Umfeld der Straße von Hormus Schaden nahmen. Einige dieser Einheiten standen in wirtschaftlicher oder logistischer Verbindung zu westlichen Firmen und damit indirekt auch zu amerikanischen Interessen. Zum ersten Mal seit Beginn der Kämpfe gerät ein Schiff unter unmittelbarem Besitz einer US-Reederei selbst ins Visier.

    Die USS Gerald Ford. auf Jungfernfahrt im April. (Foto: By U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Ridge Leoni [Public domain], via Wikimedia Commons)
    Gleichzeitig betreiben auch die Vereinigten Staaten seit Jahren eine aggressive Politik gegen Tanker mit Verbindung zum Iran. Immer wieder beschlagnahmten amerikanische Behörden Schiffe oder ihre Ladung, etwa 2023 im Fall des Tankers Suez Rajan, dessen iranisches Öl auf Druck Washingtons auf See umgeladen und konfisziert wurde. Weitere Fälle betreffen unter anderem die Tanker Grace 1 (später Adrian Darya 1), Achilles sowie mehrere Frachter, deren Ladungen wegen angeblicher Sanktionsverstöße beschlagnahmt wurden.

    Auch Schiffe mit Bezug zu Russland, Venezuela oder Kuba wurden in den vergangenen Monaten gekapert. Der Angriff auf die Safesea Vishnu zeigt damit, wie sehr sich der Konflikt inzwischen auf die zivile Schifffahrt ausdehnt. Was lange Zeit ein verdeckter Wirtschaftskrieg auf See war, erreicht nun offen die wichtigsten Öltransporte der Welt.

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