US-Journalistin: «Für mich ist das Lügenpresse»

30

_Jürgen Elsässer im Gespräch mit Nadja Atwal

Nadja Atwal war die einzige Trump-Unterstützerin, die im deutschen Fernsehen zu Wort kommen durfte. Da sie seit Langem in den USA lebt, kennt sie die politischen Verhältnisse aus erster Hand – und ist entsetzt über die Faktenresistenz und die linke Verbohrtheit der hiesigen Journaille. Es folgen Auszüge aus dem Interview, das Sie vollständig im neuen COMPACT 12/2016 lesen können. Sie erhalten die neue Ausgabe im Zeitschriftenhandel. Wer sich den Weg zum Kiosk sparen möchte, kann sie über Online-Bestellung ordern oder via Abo diese und weitere Ausgaben bequem ins Haus gesendet kriegen.

COMPACT: „Sie haben sich am Tag nach der US-Wahl bei Maischberger wacker gegen eine Übermacht geschlagen. Wie war Ihr Eindruck von der Diskussion?

Nadja Atwal: Naja, der Ablauf war zu erwarten. Positiv überrascht war ich aber von Oskar Lafontaine, mit dem ich mich vor und nach der Sendung sehr gut unterhalten habe. Auch mit Alice Schwarzer hatte ich hinterher ein gutes Gespräch. Ich kann es nachvollziehen, warum die meisten so sehr gegen Trump sind, die kennen eben nur die deutsche Medienberichterstattung über ihn. Das war ja der Punkt, wo mir im Februar oder März der Kragen geplatzt ist, als der Spiegel Trump zum «gefährlichsten Mann der Welt» hochstilisierte – da musste ich dazwischengehen. In Deutschland gibt es in den Medien eine Art von Propaganda, die ich als gelernte Journalistin einfach nicht akzeptieren kann. Egal ob bei Maischberger oder Markus Lanz: Immer stand das Verhältnis eins zu vier oder sogar eins zu fünf, ich allein gegen die große Mehrheit der Trump-Gegner. So unausgewogen sind die Medien in den USA nicht.

COMPACT: Würden Sie sagen, dass es in Deutschland mehr Gleichschaltung in der Berichterstattung gibt als in Amerika?

Nadja Atwal: Ja! Vor allem weiß ich nicht, was die Medien in Deutschland davon hatten, dass sie so einseitig pro-Clinton waren. Sind die deutschen Journalisten einfach zu faul, um selbständig zu recherchieren, und haben deswegen alles bei der New York Times, der Washington Post oder CNN – bei uns sagt man: Clinton News Network – abgeschrieben? Jedenfalls bin ich erschüttert über die mangelnde journalistische Qualität in Deutschland. Für mich ist das Propagandapresse oder Lügenpresse, aber wenn man das sagt, wird man gleich in die rechte Ecke gedrückt.

(…)

COMPACT: Sie sagten vorher, Sie hätten sich gut mit Alice Schwarzer verstanden. Konnten Sie sie überzeugen, dass Trump kein Sexist ist?

Nadja Atwal: Ich habe ihr gesagt, dass sie ihr großes gutes Herz an die Falsche verschwendet, wenn sie für Hillary eintritt. Aber sie ließ sich leider nur über die deutschen Medien informieren und hat keine Ahnung, was sich in den letzten 15, 16 Monaten wirklich in den USA abgespielt hat. Es kommt doch nicht darauf an, ob eine Frau einen Posten bekommt oder ein Mann. Man braucht doch die richtige Person für den Job, das ist entscheidend. Alles andere ist auch Sexismus, nur andersrum.

COMPACT: Da Sie viele Menschen in beiden Staaten kennen: Ist die politische Korrektheit in Deutschland oder in Amerika stärker?

Nadja Atwal: Die Linken sind ja nur für die Meinungsfreiheit, solange es um ihre Meinung geht. Deswegen ist der Einfluss der politischen Korrektheit in Deutschland viel stärker, denn Positionen, die in den USA als linksradikal gelten, sind in der Bundesrepublik schon längst Mainstream. Es herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft eine völlig verschrobene Sichtweise, und dafür sind die Medien verantwortlich. Das habe ich gerade bei der Berichterstattung über die amerikanischen Präsidentschaftswahlen gesehen, und schon dafür bin ich Trump dankbar. Das war sowohl bei den öffentlich-rechtlichen Medien als auch bei den großen privaten kein Journalismus, sondern reine Meinungsmache. Und die Propaganda ist deswegen noch stärker als in den USA, weil sie verdeckt erfolgt. In Amerika haben sich Medien wie die New York Times oder Washington Post ganz offen dazu bekannt, dass sie für Hillary sind. Aber in Deutschland geben sich Zeitungen, Funk und Fernsehen immer noch als überparteilich aus, obwohl sie ganz klar und sehr manipulativ Partei ergriffen haben.

COMPACT: Wenn Sie für Trump sind – sind Sie dann auch für die AfD?

Nadja Atwal: Dazu weiß ich über die AfD zu wenig. Was ich aber weiß: Dass es in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, eine massive Unzufriedenheit über die Verlogenheit des politischen Systems und über die Bevorzugung von Ausländern gegenüber der eigenen Bevölkerung gibt. Ob die AfD das in angemessener Weise thematisiert, kann ich nicht beurteilen. Aber eines kann ich ganz klar sagen: Wenn ich mir anschaue, wie sich CDU und SPD gegenüber Trump positioniert haben, dann muss ich sagen, diese Parteien sind für mich absolut unwählbar. Das war die reinste Volksverhetzung.

Über den Autor

COMPACT-Shop

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel