Pleiten, Pech und Pannen bei der Trümmer-Truppe von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, im Volksmund auch Flinten-Uschi genannt. Raketen auf Moore im eigenen Land – zumal bei brüllender Hitze und ausgedörrtem Boden: Verantwortungsloser und dümmer geht nümmer. Wie jetzt bekannt wurde, könnten in Meppen zudem Quecksilber und radioaktive Strahlung freigesetzt worden sein.

    WTD der Bundeswehr Meppen | Foto: Screenshot Video NDR Extra3

    Der Brand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD) der Bundeswehr von Anfang September – ausgelöst durch Raketen mit einem hoch explosiven Gefechtskopf des Unternehmens Airbus Helicopters im Auftrag der Bundeswehr und durchgeführt mit einem funktionsunfähigen Löschfahrzeug – ist noch immer nicht vollständig unter Kontrolle. Noch immer glimmen Glutnester unter der Erde. Etwa zwölf Quadratkilometer des einstmals best erhaltenen Hochmoores Deutschlands – Heimstätte für Reptilien- und Amphibienarten sowie für gefährdete Vogelarten und Insekten – sind betroffen. Bis tatsächlich alle versteckten Brandherde im Emsland gelöscht sind, können viele Monate vergehen, befürchtet Moorforscher und Landschaftsökologe Jan Peters aus Greifswald gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).

    Den Grund dafür erläutert Brand-Experte Hans-Joachim Gressmann: Es sei kaum möglich, den Boden wirklich nass zu bekommen. „Torf hat wasserabstoßende Eigenschaften, das Löschwasser dringt nicht tief genug ein, um alle Glutnester zuverlässig zu erwischen.“ Es kann Jahrzehnte dauern, bis sich wieder Pflanzenwachstum einstellt.

    Moorbrand in Meppen | Foto: Screenshot Video NDR Extra3

    Doch das ist das geringere Übel im Vergleich zu dem, was an Schadstoffen freigesetzt wurde: Stickoxide (Nox), die per Diesel-Fahrverbote aus den Städten gebannt werden sollen. Sie reizen Atemwege und Augen, begünstigen Lungenkrankheiten, Diabetes, Bluthochdruck und Schlaganfälle.

    Kohlenstoffdioxid (CO2) ist in einer Größenordnung von mindestens 500.000 Tonnen angefallen, wie Felix Grützmacher vom Naturschutzbund (Nabu) erklärt. Hinzu kommen Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die Krebs auslösen, das Erbgut verändern und die Fruchtbarkeit verringern können. Und der durch Industrieabgase, Motoren oder intensive Landwirtschaft produzierte Feinstaub, der für Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis und gleichfalls Krebs verantwortlich sein kann, ist mit dabei.

    Lagerstätte für Quecksilber- und Uran-Munition

    Doch nicht genug der Horrormeldungen. Der eigentliche Skandal: Das Waffentestgelände diente der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) zufolge als Lagerstätte für quecksilberhaltige Sprengkörper der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR sowie für uranhaltige Nato-Munition, auf das Kaliber 20 Millimeter umgebaut. Den Verantwortlichen war bekannt, dass diese Patronen Uran enthalten – konkret: Uran 238, einen Alpha-Strahler, eingestuft als „harmlos“, solange er von einer Hülle umgeben ist.

    Geschütz WTD | Foto: Screenshot NDR Extra3

    DU-Munition (depleted uranium), deren Projektile abgereichertes Uran enthalten, verbrennen bei Aufschlag explosionsartig, wobei uranhaltiger Nanostaub in die Haut eindringt. Und da der Irak dank des ihm mittels Uranmunition aufgezwungenen Kampfes für Demokratie als das am stärksten kontaminierte Land der Welt gilt, explodieren dort auch die Krebsraten, die Kindersterblichkeit.

    Verteidigungsministerium leugnet 

    In den Jahren 1978 und 1979 war diese Munition laut NOZ tatsächlich zur Erprobung vorgesehen. Unterlagen darüber gibt es nicht mehr; deren Aufbewahrungsfrist lief nach zehn Jahren ab… Das Bundesverteidigungsministerium hatte seinerzeit einen entsprechenden anonymen Hinweis gegenüber dem NDR dementiert: Es habe „zu keiner Zeit“ die Absicht bestanden, DU-Munition in der Bundeswehr zu verwenden, die Bundeswehr verfüge nicht darüber. Recherchen der shz zufolge aber wurden sehr wohl „Vergleiche von uranhaltiger Munition mit ähnlich wirkenden, aber teureren Geschossen mit Wolfram durchgeführt. Wolfram-Munition wurde in Meppen im Rahmen der Reihe auch abgeschossen“.

    Ein Dorf in Panik | Foto: Screenshot Video NDR Extra3

    Vertuschen, verharmlosen, verleugnen, verheimlichen – gemäß diesem altbewährten Credo der in erster Linie für dieses Desaster verantwortlichen Regierung haben „Spezialisten“ der Bundeswehr auch erst jetzt damit begonnen, eine mögliche Belastung von Boden, Luft und Wasser durch Quecksilber und radioaktive Strahlung vorzunehmen und zu überprüfen, „ob Einsatzkräfte einer Strahlenbelastung ausgesetzt gewesen sein könnten“, sagte ein Sprecher der Bundeswehr der NOZ. Für die umliegenden Gemeinden und dessen Bürger scheinen diese Maßnahmen nicht vorgesehen.

    Bürger wurden nicht informiert

    Die saßen teilweise bereits auf gepackten Koffern, doch statt Informationen gab´s das große Schweigen. Sie dürfen nur für die Kosten aufkommen, die der Ausstoß von enormen Mengen an CO2 verursacht hat, für die dadurch weiterhin befeuerte Klimaerwärmung, für die Feuerwehreinsätze sowie für die sonstigen Umweltschäden. Dieweil plustern sich Politik und Verbände empört darüber auf, dass sowohl Bevölkerung wie Einsatzkräfte über etwaige Gesundheitsgefahren von der Bundeswehr falsch oder gar nicht informiert worden seien. Eine Entwarnung sei bereits vor entsprechenden Messungen erfolgt.

    Thomás Thalvuß , Bundeswehr Meppen | Foto: Screenshot NDR Extra3

    Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Ermittlungsverfahren eingeleitet: gegen „Unbekannt“. Wegen Brandstiftung und möglicher Umweltvergehen in geschätzter Höhe von bis zu 120 Millionen Euro. „Unbekannt“ bietet sich prima an: So erspart man der ohnehin auf dem letzten Loch pfeifenden Bundesregierung personelle und strafrechtliche Konsequenzen. Erstmal einen Ausschuss bilden, teure externe Berater hinzuziehen, dann ist wieder alles paletti im Berliner Wolkenkuckucksheim.

    Zumal das Moor sowieso gebrannt hätte, so Thomás Malvuß von der Bundeswehr Meppen mit perfekter Verteidigungsstrategie gegenüber der Sendung Extra3 vom NDR: „Der Sommer hätte nur zwei, drei Tage bei seinen Temperaturen bleiben müssen, und wir hätten auch ohne irgend welche Munitionseinwirkung den schönsten Moorbrand haben können.“ Fazit: In Meppen hat nicht nur das Moor gebrannt…

     

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