Twitter-Pöbel lässt Karikaturen-Ausstellung in Europa-Uni Flensburg platzen

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Beinah hätte sich die Europa Universität Flensburger (EUF) mal was getraut. Aber auch nur beinah. Denn die Ausstellung des Karikaturisten Götz Wiedenroth mit dem Titel „Lügenpresse-Fakenews“ in ihren Räumlichkeiten war für den 16. Mai angekündigt, wurde aber spontan wieder abgesetzt. Jetzt raten Sie mal, warum…

Die Absage der Ausstellung – und der mit ihr verbundenen, einstündigen Veranstaltung – begründete die Flensburger Hochschule so: „Die für den 16. Mai angekündigte einwöchige Ausstellung des Karikaturisten Götz Wiedenroth im Modul 1 der Europa-Universität Flensburg wird nicht stattfinden. An der Europa-Universität, die sich in ihrem Leitbild auf ,Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Vielfalt‘ verpflichtet hat, gibt es keinen Raum für antisemitische, fremden-, frauen- und islamfeindliche Inhalte. Die Karikaturen von Götz Wiedenroth machen sich für Positionen stark, die an der EUF keine Heimat haben; die Universität ist nicht bereit, diese Positionen durch eine Ausstellung zu unterstützen.“(1) – Also das ganze Denunziationsprogramm der Antifa als „Begründung“.

Aber wieso wurde diese „schlimme“ Ausstellung zunächst akzeptiert? Auch dafür hat Uni-Sprecherin Kathrin Fischer eine Spitzenerklärung parat: Der Leiter vom Modul 1 vom Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung habe „nur harmlose Karikaturen gesehen und nicht recherchiert, wo und was Götz Wiedenroth ansonsten publiziert“ habe. Und das Allerschlimmste: Der ästhetische Leiter hatte vorab das Präsidium nicht informiert.

Aber zum Glück sei das noch rechtzeitig gewarnt worden. Es wäre ohnehin keine Veranstaltung der Universität gewesen, man habe lediglich den Raum zur Verfügung gestellt für Initatoren, deren „Charakter und Zusammensetzung (sich)deutlich verändert“ hat, „ohne das wir dies registriert hätten.“ Auch der schleswig-holsteinische Landesverband des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), dem die Initiatoren entstammten, wies jede Verantwortung zurück: Ein Stammtisch ehemaliger Mitarbeiter habe das Projekt beschlossen. – Das altbekannte „Ich-wars-nicht“-Gejaule ertönte von allen Seiten.

Also gut: Keiner hats gewusst. Aber welche Musterdemokrat hatte erkannt, dass die Uni im Mai „entartete Kunst“ ausstellen wollte, und daraufhin die Alarmanlage betätigt? Wer hat sich diesem fürchterlichen Projekt mit allem Heldenmut entgegengestellt?

Karikatur von Götz Wiedenroth

Da war zum Beispiel der Tweet eines/einer Journalisten/in namens „martheimer“. Der/die lässt auf Twitter gerne mal links-konformistische Hirnfürze knattern – mit Sätzen wie: „Lieber Eltern in Stammheim als Söhne in Mannheim“
Zu der geplanten Ausstellung verfasste martheimer den messerscharfen Einwand: „Der Zeichner dieser ,Karikaturen‘ darf seinen Scheiß ganz offiziell an der Europa-Universität Flensburg ausstellen. Why? @EUFlensburg“ – So weit, so nichtssagend. Aber es kam noch besser:

Eine Wiedenroth-Karikatur zeigt den Journalisten Deniz Yücel im türkischen Gefängnis, umgeben von den Geistern Stalins und Churchills, die seine Sprüche zum deutschen Volkstod loben:

Dieser Karikatur interpretierte martheimer so: „Lokal-,Funktionär‘ eines Journalistenverbands ist damit also ein Rassist & Antisemit, der #freedeniz Knast wünscht und ,Lügenpresse‘ geifert“ . – Frage: Soll das vielleicht der „Antisemitismus“ sein, auf den das Präsidium der Uni Flensburg aufmerksam gemacht wurde?… Wo ist der denn auf Bild? Oder muss man selbst Antisemit sein, um in dieser Karikatur „Antisemitismus“ hineinzulesen…?

Analytisch noch schärfer geriet das Tweet einer Christina Dalig: „Das ist echt übel! und zum Kotzen!“ Ein M.Schommer hoffte: „Bitte lasst das alles ein Fake sein.“ – Uff. Wenn das Präsidium der Europa Universität Flensbsurg wegen solcher Kommentare einknickt ist, dann ist die Demokratie zur Pöbeldiktatur verkommen. Dann war das Motiv für den Rückzieher kein Meinungswechsel aufgrund neuer Informationen, sondern pure Angst vor dem „gesunden Volksempfinden“ rotlackierter Faschos.

Der Karikaturist Götz Wiedenroth verteidigte sich: „Die für die Ausstellung vorgesehenen Karikaturen wie auch meine Karikaturen überhaupt sind keineswegs – wie vorstehend insinuiert – antisemitisch, fremden-, frauen- oder islamfeindlich, sondern machen sich über die diesbezüglichen heiligen Kühe der herrschenden politischen Macht lustig – nicht mehr. Das ist das vornehmste Recht und die elementare Aufgabe des Kulturguts, politische Karikatur‘.“

Außerdem hat der Karikaturist besagte Pressesprecherin der Universität, Kathrin Fischer, öffentlich aufgefordert, folgende Zuschreibungen zu belegen: „“Götz Wiedenroth ist bekannt als Karikaturist. Mir war nicht bekannt, daß er diesen, ich würde schon sagen, eindeutig rechten bis rechtsextremen Hintergrund hat. Das wußte ich nicht. (…)“

Ooops. Ein solcher Beleg dürfte schwer zu finden sein.

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(1) zit. n. http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/flensburger-uni-sagt-ausstellung-nach-shitstorm-wieder-ab-id16715226.html?nojs=true

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