Trump über Orlando: “Werden bald kein Land mehr haben”

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Nach dem fatalen Attentat in einem US-Nachtclub traut sich wieder einmal niemand, den Islam verantwortlich zu machen – außer Donald Trump. „Was in Orlando passierte, war nur der Anfang“, twitterte Trump. „Unsere Anführer sind schwach und ineffektiv. Ich habe es gewusst und das Einreiseverbot gefordert. Müssen hart sein“

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_von Tino Perlick

Mindestens 50 Menschen wurden bei dem Massaker in Orlando, Florida, am Sonntagmorgen getötet. 53 Personen sind verletzt. Der mutmaßliche Schütze, Omar Mateen, hatte sich zum Islamischen Staat bekannt, bevor er mit einem Sturmgewehr und einer Handfeuerwaffe bewaffnet einen Nachtclub für Homosexuelle erstürmte. Das FBI hat bestätigt, den 28-jährigen Täter zuvor dreimal verhört zu haben. Die Agenten hätten in dem gebürtigen New Yorker, dessen Eltern aus Afghanistan stammen, jedoch keine Bedrohung erkannt.

Donald Trump, der seit dem Blutrausch eines muslimischen Pärchens aus dem kalifornischen San Bernadino im vergangenen Dezember für ein „vorübergehendes“ Einreiseverbot für Moslems wirbt, „bis wir kapiert haben, was los ist“, nahm sofort Stellung. „In der vergangenen Nacht wurde unsere Nation von einem radikalen islamischen Terroristen angegriffen“, eröffnete Trump. „Es war der schlimmste Terroranschlag seit dem 11. September 2001 und der zweite dieser Art innerhalb von sechs Monaten.“ Trump sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus, bevor er sich die Islamversteher in Washington vorknöpfte.

„In seiner Stellungnahme hat es Präsident Obama schändlich vermieden, die Worte „radikaler Islam“ auch nur in den Mund zu nehmen“, feuerte der republikanische Präsidentschaftsanwärter. „Aus diesem Grund allein sollte er zurücktreten. Wenn auch Hillary Clinton nach diesem Anschlag dazu noch immer nicht in der Lage ist, sollte sie aus dem Präsidentschaftsrennen austreten.“ „Gegenüber Hass und Gewalt werden wir uns gegenseitig lieben“, hatte Obama psalmodiert. „Wir werden nicht der Furcht nachgeben und uns gegeneinander wenden. Stattdessen werden wir vereint als Amerikaner stehen, um unser Volk und unsere Nation zu verteidigen und gegen jene vorzugehen, die uns bedrohen.“

Trump, der in der Vergangenheit sagte, Muslime „zerstören Europa. In den USA lasse ich das nicht zu“, setzte fort: „Wenn wir nicht richtig schnell klug werden und hart handeln, werden wir kein Land mehr haben. Ich habe gesagt, dass das passieren wird – und es wird nur noch schlimmer werden. Ich versuche,Leben zu retten und den nächsten Terroranschlag zu verhindern. Wir können es uns nicht länger erlauben, politisch korrekt zu sein.“

Der 69-jährige wies darauf hin, dass der Vater des mutmaßlichen Attentäters öffentlich die Taliban unterstützt hat (1) und schilderte, dass die USA jährlich „mehr als 100.000 Migranten aus dem Mittleren Osten aufnehmen, die ihr ganzes Leben lang hier bleiben. Hillary Clinton möchte die Aufnahmen dramatisch erhöhen und viele hunderttausende während ihrer ersten Amtszeit herbringen – wir werden sie nicht sorgfältig überprüfen können, werden nicht für sie zahlen oder die zweite Generation davon abhalten können, sich zu radikalisieren.“

„Wir müssen alle Amerikaner, gleich welchen Hintergrund und Glauben sie besitzen, vor dem radikalen islamischen Terrorismus, der keinen Platz in einer offenen und toleranten Gesellschaft hat, schützen“, forderte Trump. „Der radikale Islam verbreitet Hass auf Frauen, Schwule, Juden, Christen und alle Amerikaner. Ich werde für alle Amerikaner Präsident sein und ich werde alle Amerikaner schützen und verteidigen.“

Trump hatte nach seinem großen Erfolg bei der Vorwahl von Kalifornien am vergangenen Dienstag angekündigt, am heutigen Montag eine Rede zu geben, die Bill und Hillary Clinton ins Visier nehmen würde. Am Sonntag gab er bekannt, das Themenfeld um den Bereich Nationale Sicherheit zu erweitern.

Seine Kontrahentin bezeichnete den Massenmord derweil als einen Akt des Terrors und des Hasses und erklärte, die USA müssten ihre „Anstrengungen verdoppeln, um das Land vor inneren wie äußeren Bedrohungen zu schützen.“ Während Trump eine mächtige Allianz zur US-Waffenlobby aufbaut, forderte Clinton standardmäßig stärkere Waffenkontrollen. „Das ist die tödlichste Massenschießerei in der Geschichte der Vereinigten Staaten“, erklärte Clinton. „Das erinnert uns einmal mehr daran, dass Waffen keinen Platz auf unseren Straßen haben.“

Die ehemalige Außenministerin, die keine Gelegenheit auslässt, sich als politische Außenseiterin darzustellen, weil sie eine Frau ist, nutzte die Gelegenheit zugleich, um ihrer aus Minderheiten zusammengewürfelten Basis zuzuzwinkern: „Der Schütze griff einen Club für Homo- und Transsexuelle [LGBT] während des Pride Month [Monats des Stolzes] an. Der LGBT-Gemeinschaft sage ich: Seid Euch sicher, dass Millionen Verbündete in diesem Land an Eurer Seite stehen. Ich bin eine von ihnen.“

„It’s the economy, stupid“ (Es liegt an der Wirtschaft, Dummkopf) war ein Wahlspruch, der Bill Clinton 1992 ins Weiße Haus beförderte. Der Spruch „It’s Islam, stupid“, könnte für Donald Trump 2016 das Gleiche bewirken.

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(1) https://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2016/06/12/orlando-shooting-suspects-father-hosted-a-political-tv-show-and-even-tried-to-run-for-the-afghan-presidency/?tid=pm_pop_b

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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