Triggerwarnung im politisch korrekten Disneyland

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Da politisch Korrekte mit der bösen Realität auf Kriegsfuß stehen, wollen sie nicht nur durch Neusprech, sondern auch durch Triggerwarnungen ihr Disneyland abschotten. Jedes Buch, das die Sensibilität eines Lesers verletzen könne, so forderten US-Studenten, sollte mit einer Trigger-Warnung bestempelt werden. Langsam schleicht dieser Trend auch nach Deutschland.

Political Corectness setzt Naivität voraus. Die wird einerseits durch „Säuberung“ der Sprache erreicht. Da auf die böse Umwelt jedoch kein Verlass ist und vor allem Kulturgüter älteren Datums den Schrecken der Realität ungefiltert in die Disney-Welt mittelständischer Hipster-Brut lenkt, bettelten Studierende in den USA um Trigger-Warnungen: Uni-Bibliotheken sollen Druckwerke, die keine heile Welt oder den Schrecken des Realen nicht in luftigen Abstraktionen präsentieren, mit einer Warnung versehen. Vorsicht: Das Buch könnte Dich „triggern“.

So musste sich eine Literatur-Dozentin schon vor zwei Jahre von US-Studentinnen anhören: „Ich würde sie mit Unzumutbarem konfrontieren: mit depressiven Inhalten, mit Weltübeln, frauenverachtenden Texten – ja, ich würde mit kruden Fantasien die Seelen der braven, wohlstandsgedüngten Twens zerstören.“ Dabei habe es sich nicht um krasse Macho-Sprüche gehandelt, sondern um meine poetischen Texte sowie um original deutsches Märchengut, rucke-di-guck, Blut ist im Schuck.“

Eine Studentin habe ihr sogar erklärt, Märchen seien nur in Form von Walt Disney-Verfilmungen akzeptabel. Ebenfalls auf den schwarzen Uni-Listen stehen: Ovid, Shakespeare, Virginia Woolf oder Kant. Dabei darf man nicht vergessen: Es sind exakt diese Studenten, die später zu politischen oder publizistischen Hütern des politisch korrekten Sprachgebrauchs aufsteigen und damit das Volk knebeln und terrorisieren. Dazu noch ein paar Workshops zum Thema „Positiv Denken“ und fertig ist das Wunderland. Die westliche Welt als sprachliche Disneyworld: Ach, wär das schön.

Ursprünglich kommt die Triggerwarnung aus den Selbsthilfeforen im Internet, wo sich Traumatisierte untereinander austauschen. Gekennzeichnet werden Beiträgen, die wegen allzu krasser Detailschilderung bei manchem Leser ein Flashback hervorrufen könnten. Daraufhin haben sich die Wohlstands-Weicheier wahrscheinlich gesagt: „Aber sind wir denn nicht alle ein wenig traumatisiert?“ Und dieses Warnprinzip auf alle generellen Kulturgüter angewendet.

Solche Infantilisierung ist so erbärmlich, dass sie natürlich zum Erfolg wurde: Sie hat die Grenzen der USA verlassen und inzwischen auch in Deutschland erste Anwendungen gefunden. Vor fünf Tagen erschien auf editionf.com ein Interview mit einer Soldatin, die von einem „Kameraden“ vergewaltigt wurde. Als sie ihn anzeigen wollte, entgegnete man ihr: „Sie wissen schon, was Sie Ihrem Kameraden mit einer Anzeige antun?“

Bevor man das Interview anklickt, muss man zunächst folgende „Trigger-Warnung“ lesen: „Das folgende Interview enthält die Schilderung einer Vergewaltigung und die dadurch erlittene Traumatisierung des Opfers.“ Ähnlich argumentiert die Triggerwarnung in Jamin Freis Buch „Einfach leben! Biographie eines anonymen Opfers“ (2017), ebenfalls ein autobiographischer Bericht über erlittenen Missbrauch.

Natürlich hat das Trigger-Warnen den Themenkreis der sexuellen Gewalt bereits überschritten und ist beispielsweise im Bereich des Hate-Speech angelangt. Eine Website, die Trollmails gegen linke Foren sammelt, fragt seine Leser vorab, ob sie sich tatsächlich mit solchen Inhalten auseinandersetzen wollen. Scherzkekse! Wer an dieser Debatte teilnehmen möchte, wird es müssen! Wer sich hingegen für so gutmenschlich hält, dass eine Lektüre ihn aus dem Paradies stoßen könnte, sollte ohnehin sein Interessensgebiet wechseln.

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Ebenso sollten Studentinnen, denen Literatur zu „mikro-aggressiv“ ist, lieber einen Strick- und Häkelkurs besuchen (obwohl, Vorsicht: Schon um 1910 deutete ein früher Psychoanalytiker Stricken und Häkeln als Koitus-Ersatz!). Aber machen wir uns nichts vor: Ebenso wie der Political Correctness-Sprech wird auch die Triggerwarnung sich in den nächsten Jahren ausweiten. Bewohner totalitärer Systeme merken stets zu spät, dass in jedem Disneyland auch ein „Disney-Killer“ (Philip Ridley) lauert.

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7 Kommentare

  1. "Ebenso sollten Studentinnen, denen Literatur zu ‚mikro-aggressiv‘ ist, lieber einen Strick- und Häkelkurs besuchen"

    Na, das war jetzt aber auch nicht politisch korrekt. Vielleicht vor dem Artikel eine Triggerwarnung anbringen: "Liebe Trolle der wahren und einzigen Gesinnung, der hohen Moral und der postmodernen Idiotie. Falls Ihr Euch hierhin bewußt oder unbewußt verirrt haben solltet, folgender Text beinhaltet ganz bösen Sexismus und kann zu Aufgebrachtheit führen."

    😉

  2. Schon vor 50Jahren hieß es, daß jeder Mist bis nur Mist aus den USA kommt! Das war frühzeitig und richtig erkannt! Nur hat man sich an dieser Erkenntnis nicht gehalten, bzw. die USA hat uns weiterhin erfolgreich amerikanisiert, wußte man doch ganz genau: Die USA exportiert erst ihrenLebensstil und dann ihre Waren; denn anders will den Dreck keiner!
    Mglw. hat es ein ähnliches Szenario schon einmal gegeben, Wenn es nämlich vor etwa 12000 Jahren schon eine Hochzivilisation gab, mglw. auf der Antarktis. Dann kam die Kontinentalverschiebung und richtig gründliche Naturkathastrophen in Folge haben die "Zuckerpüppchen" nicht nur nicht überlebt, sondern von ihrer Zivilisation ist außer diffusen Sagen ist auch nichts übriggeblieben.
    Soeine Endphase der Dekadenz verspricht einem, daß dieses Land dem nahen Untergang geweiht ist und könnte einem versprechen, daß man das Verschwinden der USA noch erlebt! Das ist doch auch eine schöne Hoffnung! Und ist sogar ohne Weltuntergang möglich.
    Die USA muß weg!

  3. Ein relativ alter Hut in der sogenannten Gänsefüßchen "BRD" ist die florierende juristisch geldbringende „Beleidigungsindustrie“,

    Von der unerträglichen Leichtigkeit der Beleidigung in Theorie und Praxis
    archive.is/zsXQM

    Die Generation Snowflake hat dies "perfektioniert"

  4. HERBERT WEISS am

    Nicht nur Bücher und Filme , sondern auch Nachrichtenmedien können Menschen "triggern". Eben alles, was die brutale Realität des menschlichen Daseins darstellt. Dies aus dem Wege gehen zu wollen ist ungefähr so hilfreich, wie sich bei Gewitter mit dem Kopf unter der Bettdecke zu verstecken.

    Irgendwann wird es auch diese Dummerchen erreichen …

  5. Aristoteles am

    Das ist sicherlich eine Tendenz.
    Differenziertes und korrigierendes Denken und Urteilen
    ist insbesondere unter Geisteswissenschaftlern verpönt,
    da sie bereits in der Schule für ihr gesamtes Leben konditioniert und getriggert wurden.

    Dort in der Schule zeigte man ihnen etwa in der 9. Klasse,
    als ihr triebhaftes Geschlechtsleben zu erwachen begann –
    ohne Vorwarnung und Möglichkeit der Enthaltung -,
    Schwarz-Weiß-Bilder mit quietschenden Geigentönen, Bahngleisen und Toten
    (nicht im Krieg gefallener Soldaten).

    Wer so (aus)gebildet ist,
    bei dem wird schlicht und ergreifend was getriggert,
    bei dem läuft was ab im Hirn,
    und der macht Karriere in der BRD
    und versendet Warnsignale,
    wenn er das Böse schlechthin wittert.

  6. Nachdenker am

    1929.
    Ein solches Jahr brauchen wir.
    Damit dieses verwöhnte Gesindel andere Sorgen hat.

  7. Triggerwarnung! Heute ist mein Flug nach PMI ausgefallen! Den ganzen Tag am Flughafen rumgehangen! Keine Information! Eine Panikattacke nach der anderen!
    [ YOUTUBE.com: HAMBURG FLUGHAFEN Helmut Schmidt. Stromausfall! Flugbetrieb eingestellt! Chaos! ]

    Versuche jetzt, mich mit positiven Videos von dem Schrecken zu erholen und morgen aus Hamburg rauszukommen:
    [ YOUTUBE.com: Hipster Disney Princess – THE MUSICAL ]

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