Interview: Tino Chrupalla (AfD) als Nachfolger von Alexander Gauland?

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Erst kürzlich hatte Alexander Gauland (78) angedeutet, aus Altersgründen auf eine weitere Kandidatur als Parteichef verzichten zu wollen. Für diesen Fall erklärte sich der sächsische AfD-Fraktionsvize Tino Chrupalla (44) jetzt zur Nachfolge bereit: „Wenn ich dazu aufgefordert werde, dann werde ich mich dieser Verantwortung nicht entziehen“, sagte Chrupalla der FAZ.

Als Begründung für seine potentielle Kandidatur nannte der gelernte Malermeister seine ostdeutsche Herkunft. Denn in Anbetracht der ostdeutschen Wahlerfolge der AfD „sollten im Bundesvorstand mehr Mitglieder vertreten sein, die im Osten sozialisiert sind“. Die könnten die Menatlität der dortigen Bevölkerung besser einschätzen. „Und es ist an der Zeit, dass diese in der gesamtdeutschen Politik berücksichtigt wird.“ Seine Themensetzung und Programmpunkte erläuterte Chrupalla in einem Interview, das in der COMPACT 07/2019 erschienen ist und das Sie hier nachbestellen oder auf Digital+ vollständig lesen können. Es folgen einige Auszüge:

«Unser Ziel sind 30 Prozent»: Tino Chrupalla (AfD) im Interview

_ Tino Chrupalla im Gespräch mit Martin Müller-Mertens

COMPACT: Die AfD hatte bei den EU-Wahlen in Sachsen die Nase vorn, hat im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 aber Stimmen verloren. Sind Sie Sieger oder Verlierer?

Tino Chrupalla: Die geringere Wahlbeteiligung kann uns durchaus diese zwei Prozent gekostet haben. Aber es wäre in jedem Fall verkehrt, sich jetzt auf dem Ergebnis auszuruhen. Wir müssen uns bei verschiedenen Punkten neu ausrichten.

COMPACT: Bei welchen Themen?

Tino Chrupalla: Ich denke, wir müssen uns stärker auf soziale Fragen konzentrieren. Rente ist ein ganz wichtiges Thema, aber auch die Arbeitslosenversicherung beziehungsweise Hartz IV. Die Unterstützung der Familie gehört ebenfalls dazu. Auch beim Thema Umwelt müssen wir nachjustieren und den Leuten klarmachen, dass Umweltschutz eigentlich ein konservatives Thema ist. Und dass die Politik der Grünen mit Ökologie nichts zu tun hat. Sie schadet der Umwelt sogar. Wir müssen viel mehr über die ökologischen Schäden durch Windkraft sprechen. Bei den Grünen macht sich offenbar auch niemand darüber Gedanken, wie viel Strom ein total digitalisiertes Land benötigt. Wie passt das zusammen mit dem Hype um den menschengemachten Klimawandel?

Patriotischer Protest mit Deutschland- und Wirmer-Flagge.
Foto: picture alliance / AP Photo

COMPACT: Bislang sind soziale Themen in der AfD nicht besetzt oder umstritten. Sind Sie froh, dass sich Sahra Wagenknecht in der Linken nicht durchsetzen konnte?

Tino Chrupalla: Ich halte Sahra Wagenknecht für eine charismatische und sehr intelligente Frau, die den Linken gutgetan hat. Von daher ist es richtig, dass ihr Scheitern uns eher in die Karten spielt. Gerade im Osten gibt es große Schnittmengen mit dem linken Potenzial. Das haben die Wählerwanderungen der letzten Jahre gezeigt.

COMPACT: Bei der EU-Wahl gab es kaum Wählerwanderungen aus oder zu anderen Parteien, sondern vor allem von und zu den Nichtwählern.

Tino Chrupalla: Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, wo wir definitiv eine Volkspartei im Osten sind. Das muss man einfach so sagen, wenn man um die zwanzig Prozent erreicht. Aber wenn vierzig Prozent der Bevölkerung nicht zur Wahl gehen, dann ist das die potenziell größte Wählerschaft, und auf die müssen wir schauen. Warum haben die komplett mit der politischen Situation abgeschlossen, fühlen sich bei den politischen Parteien nirgends aufgehoben – und wie viele kann man zurückholen? Das haben wir bei der Bundestagswahl geschafft, und das muss uns bei der Landtagswahl wieder gelingen.

COMPACT: Im Moment gewinnen vor allem zwei Parteien: die AfD und die Grünen. Sind Letztere die Partei der neuen kosmopolitischen Bourgeoisie, die die alte bürgerliche Funktionselite abgelöst hat, und die AfD das Auffangbecken für jene, die sich das Leben im Bionade-Staat nicht mehr leisten können?

Tino Chrupalla: Wenn man 25 bis 30 Prozent der Wähler erreicht, deckt man im Prinzip alles ab. Uns wählen Arbeiter, uns wählen Professoren, uns wählen Pfarrer, uns wählt die Mittelschicht, vor allem Handwerker und Selbständige. Also die Leistungsträger! Und die verkörpern wir auch, und für die wollen wir Politik machen. Ich weiß als Handwerksmeister und Mittelständler, wie schwierig es ist, über die Runden zu kommen, wie hoch die Steuer- und Abgabenlast ist. In den letzten zehn Jahre hat sich das dramatisch gesteigert, ohne dass es Entlastung gab. Da reichen auch die drei Euro Kindergelderhöhung nicht. Aber es stimmt schon, dass wir in den kosmopolitisch geprägten Großstädten weniger Zuspruch haben als in ländlichen Regionen. Gegen Bionade habe ich übrigens nichts einzuwenden. Ist eine erfolgreiche deutsche Firma und mir immer noch lieber als Coca-Cola.

(…)

COMPACT: Ist es für die AfD im Moment überhaupt sinnvoll, zu regieren und sich am Ende im Dickicht der Alltagspolitik zu verlaufen?

Tino Chrupalla: Ob 2019 zu früh ist, ist schwer zu sagen. Aber wenn der Bürgerwille deutlich ist, dann ist das ein Auftrag, und den werden wir annehmen. Vielen Menschen dauert es schon zu lange, weil das Land uns braucht. Richtig ist: Einen Minister auszutauschen, bringt gar nichts. Wir sind mittlerweile in der Verwaltung und den Ministerien so in Bürokratie und Schubladendenken festgefahren, dass kaum Veränderungen durchgeführt werden können.

COMPACT: Müsste nicht vor einem Regierungseintritt das politische Klima verändert und der vorpolitische Raum erobert werden? Ansonsten stellt die AfD die Minister und das, was die Linke als Zivilgesellschaft bezeichnet, macht weiter wie bisher.

Tino Chrupalla: Das politische Klima hat sich ja schon allein durch die Politik von Angela Merkel und der CDU so stark verändert, dass eine neue Partei wie die AfD überhaupt Wahlerfolge erzielen konnte. Die Notwendigkeit für eine Alternative war einfach gegeben. Und viele Menschen in der Verwaltung und in der CDU sehen das auch so. Dort haben wir auch viele Sympathien. Wenn wir unsere Inhalte vernünftig kommunizieren, sehe ich nicht, wie die anderen einfach so weitermachen können, während wir die Minister stellen. Ich denke nicht, dass hier noch viel mehr Vorfeldarbeit notwendig ist. Zumindest nicht in Sachsen.

«Pegida war ein wichtiges Ventil für viele Menschen, die sich nicht gehört fühlten. Aber die Bewegung war nicht nur hilfreich. Ich denke hier vor allem an die zweifelhaften Biografien einiger Initiatoren. Außerdem gab es von Pegida Aussagen, die uns nicht gefallen haben – und natürlich gab es das auch umgekehrt. Aber das Verhältnis hat sich mittlerweile normalisiert. Man muss auch nicht mit allem übereinstimmen und zu jedem Zeitpunkt zusammenarbeiten. Ich halte das nicht für klug, weil man sich dadurch auch immer in die Verantwortung ziehen lässt. Wir haben jedoch immer gesagt, dass uns solche Bürgerbewegungen wichtig sind. Pegida gehört aber nun mal auf die Straße – und wir machen die Arbeit im Parlament und stellen dort auf angemessene Weise entsprechende Forderungen.

(…)

_ Tino Chrupalla, Jahrgang 1975, ist Maler- und Lackierermeister. 1991/92 war er Mitglied der Jungen Union. 2015 trat er in die AfD ein und gewann 2017 sein Bundestagsmandat in Görlitz direkt. Heute ist er stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.

Dieser Artikel erschien im COMPACT-Magazin 07/2019. Weitere Artikel dieser Ausgabe können Sie auf Digital+ lesen oder die Ausgabe mit einem Klick auf das Cover (links) nachbestellen oder auch als PDF downloaden unterstützen Sie unsere Arbeit mit einem Abo

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COMPACT

29 Kommentare

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    Ironie — Vielleicht sollte man den Chef des VS als neuen Vorsitzenden benennen, dann muß er nicht mehr Beobachten, sondern kann mitgestalten………

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    Klar einen "Leistungsträger" mit dem urdeutschen Namen Tino Chrudingsda,daß brauchen wir an der Spitze. Auch Gauland faselte gerne von "Leistungsträgern", aber den kann man mit hohem Alter entschuldigen.

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      Jeder hasst die Antifa am

      Sofaklecks ein Nichtssagender Dummfasler wenn man nur Blödsinn absondern kann,sollte man lieber mal die Fresse halten.

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      Es ist nur offen geblieben, ob er den Israelkuschelkurs aufrecht erhalten möchte !
      Und es muß eine klarere Abgrenzung zu den sog. "etablierten Parteien" stattfinden.

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      Solange die AFD nicht klar bekennt, wie sie zu sozialen Themen steht und was sie gegen die ganzen Mobbingaktionen der MSM und der sog. etablierten Parteien unternimmt, solange
      bleibt ein fader Geschmack – doch Systemkonform ?

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    Jeder hasst die Antifa am

    Was Alexander Gauland in seinem Alter noch leistet das fordert höchsten Respect ab er war ein sehr guter Mann für die AfD Chupalla wäre eine sehr guter Nachfolger,

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    Bitte denken wir doch auch an die tollen Frauen in der AfD ! Dana Guth, Nicole Höchst, Corinny Miazga und und und….noch viele mehr !!

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      Jeder hasst die Antifa am

      Richtig die AfD hat zwar nicht so viele Frauen aber die sie hat sind, Intelligent Klug Gebildet und sehr gut eine Augenweide gegen die Linken und Grünen Politschabracken.

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      Deren größter Vorzug ist wohl,daß man sie gar nicht kennt. Sind die denn so,daß man sie für die "Me too"-Brigade qualifizieren könnte.?

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        Gesslers Hut am

        Da haben einige noch nicht genug vom feministischen Lutscher gekostet.
        Als ob jemand mit Resthirn intervenieren würde, nur weil Weidel (zuerst) genannt wird.

        Liebe Bürger und Bürgerinnen, liebe Wähler und Wählerinnen, liebe Idioten und liebe Idiotinnen, das alles wird immer lächerlicherinnen.

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    Vor allem sollte die AfD die Fehler der FPÖ, nein, Hofers(!!!), nicht wiederholen und den vorpolitischen Raum nicht erobern wollen.
    Linke Zivilgesellschaftsanmaßungen, linke Künstlercliquen, linke Richterschaft und Islamisierungskirchen sind das, was wir abschütteln müssen. Indem man ihnen allen das Geld, die Subventionen, UNSER Steuergeld abdreht, dann werden die Schreihälse leiser. Wenn man nichts tut begeht eine linke Mafia den Staatsstreich, siehe Ibizavideolancierung!

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    Hört sich ja alles Gut und schön an was der Herr Chrupalla da von sich gibt, aber es wird wiedermal der Wahlbetrug ausseracht gelassen !
    KEINE Partei hat das Recht zuregieren solange das Wahlgesetz nicht geändert wird, und da sollte die AfD nunmal Kante zeigen, dann wäre auch Schluss mit Merkel und ihre hörigen Volkszersetzer !!!
    Nur Parteien im Bundestag können gegen das UNGÜLTIGE Wahlgesetz vorgehen, aber die AfD ist diese Sachlage auch komplett EGAL wie es aussieht.
    Allerdings finde ich, wenn man schon über den Wahlbetrug hinweg sieht, wäre Herr Dr.Curio ein guter Kanditat für die AfD-Führung.

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      Und was ist mit Prof. Meuthen, Dr, Blex, Andreas Kalbitz oder den Bundestagsabgeordneten Dr. Curio, Stephan Brandner, Dr. Baumann, Peter Boehringer, Dr. Espendiller, Dr. Frömming, Kay Gottschalk, Dr. Hartwig, Dr. Jongen, Dr. Kraft, Prof. Dr. Weyel …? Um nur einige wenige zu nennen.
      Diese geballte Sachkompetenz und Intellektualität findet man in keiner der anderen Fraktionen und zeichnet sie als Alleinstellungsmerkmal aus.

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        Blex, Kalbitz, Curio, Brandner, Baumann, Boehringer, Espendiller sehr gut

        Meuthen wird immer mittiger und Gottschalk geht gar nicht (hat den Anti-Flügel-Brief gezeichnet)

        Die anderen kenne ich noch nicht. Die Besten=Erfollgreichsten sollten im Vorstand vertreten sein. Auf jeden Fall Kalbitz und wenn Höcke >20% holt, dann auch er. Sollte am 27.10. drin sein!

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        Der Spatz in der Hand am

        Systemling Kalbitz hob vor kurzem erst die Hand für Aufrüstung des Verfassungsschutzes, sieh auch Interview mit Jung. Curio äußerte sich schon häufiger sehr merkwürden zu wichtigen Dingen, Weidel und Meuthen = Lucke-DNS, sollten zur FDP wechseln.

        Das wird alles nichts!

        Menschlich/Charismatisch hat momentan nur Brandner keinen Stock im Allerwertesten. Baumann, Boehringer gingen zur Not auch noch.

        Die Führungsmanschaft gehört komplett ausgetauscht. Höcke wäre keine Bereicherung, sofern man jemals ü. 25% klettern möchte. Als Kleinpartei lebt es sich aber auch recht nett, Diäten gehen pünktlich ein.

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        Ja Brandner,der wirkliche Patrioten in öffentlicher Bundestagsrede,als "widerwärtige Partei" bezeichnete. Wenn das Gewürm, welches gegenwertig als "neue (moderne) Rechte herumkriecht, nicht bald durch besseres ersetzt wird, dann ist der Ofen aus,sicher. Parteien können nur so gut sein,wie das Volk ist,aus dem sie vervorgehen. Wenn die "A"fD chon das Beste ist,dann gute Nacht.

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        Lila Luxemburg am

        Haben die ihre Doktor-Titel auch alle auf ähnliche Weise ‚erworben‘ wie viele Doktor-Titelträger bei den Parteien des antideutschen Vernichtungskrieges??

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      Frau Weidel ist eine sehr intelligente Frau, leider ist sie ein U-Boot der Finanzmafia vermute ich mal ganz Stark !!!

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      @ DIETER KOPP

      Guter Beitrag, aber vielleicht sollten wir
      auch darüber spekulieren, wer die klügste
      Hohlbirne unter den Kommentator*Innen
      in diesem Forum sein könnte.

      Aber bitte nicht die Intelligenz der
      Betroffen*Innen beleidigen.

  7. Avatar
    Paul, der Echte am

    Es gibt sicher noch klügere und deshalb geeignetere Kandidaten für dieses Amt.

    Höcke wäre das sicher erste Wahl!

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      Politik ist nicht fair am

      Wäre er definitiv nicht. Viel zu dünnhäutig und rhetorisch unbegabt (im Verhältnis zu Kurz, Kubicki, Schäuble um nur 3 zu nennen). Die fressen den zum Frühstück, genau wie der gewitzte ZDF Reporter.

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