Wenn Trainer sich einen Wunsch-Stürmer backen könnten, dann würde er wohl so spielen wie Timo Werner. Doch während er für die einen schlichtweg der «Fußball-Gott» ist, ist er für die anderen wegen seines Vereins eine Reizfigur. Ein Textauszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17.

    _ von Sven Reuth

    Als Spieler ist er ein Allround-Talent, kann beidfüßig schießen, über die Flügel kommen, aber ebenso in die Mitte stoßen. Der blonde Recke ist einfach wie geschaffen für das raketenhafte Umschaltspiel, mit dem Bundestrainer Jogi Löw die Nationalmannschaft zu vielen Erfolgen geführt hat. Und er hat diese einzigartige Fähigkeit, für die auch ein Cristiano Ronaldo, ein Lionel Messi oder ein Arjen Robben bewundert werden: unglaublich schnell und doch den Ball dabei immer unter Kontrolle. Darüber hinaus ist Timo Werner ein geerdeter Typ, der seine Herkunft nie vergessen hat. Bis heute ist er ein Ur-Schwabe geblieben, auch wenn er mittlerweile in Sachsen spielt.

    Schon mit seinem Vater Günther Schuh, der für die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga Süd spielte, absolviert er als kleiner Bub Laufübungen in den Weinbergen von Steinhaldenfeld, einem Ortsteil von Bad Cannstatt. Ganz klar: Einer wie er kann eigentlich nur beim VfB Stuttgart landen, der bekannt ist für seine Jugendarbeit und der Spieler wie Kevin Kuranyi, Mario Gomez oder Sami Khedira hervorgebracht hat. Ab der F-Jugend durchläuft der 1996 in Baden-Württembergs Landeshauptstadt geborene Senkrechtstarter alle Mannschaften des schwäbischen Traditionsvereins und gilt hier bald als Wundertier. Schon 2013 erhält er die vom DFB vergebene Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester Nachwuchsspieler in der Altersklasse U17. Im selben Jahr wird er in der Europa-League-Partie gegen Botew Plowdiw mit 17 Jahren zum jüngsten Pflichtspiel-Debütanten in der Vereinsgeschichte des VfB. Im Ländle wird er bis heute geliebt, nicht nur wegen seines Talents, sondern auch, weil er eben «oiner von do» ist.

    Am 10. November 2013 vollbringt Timo Werner ein Husarenstück, das erstmals die Aufmerksamkeit Fußball-Deutschlands auf ihn lenkt. Im Auswärtsspiel beim SC Freiburg gelingen ihm zwei Treffer – das hat vor ihm noch nie ein 17-Jähriger in der Bundesliga geschafft. Beide Treffer erzielt er nach spektakulären Alleingängen. Unter den beeindruckten Zuschauern des Spiels befindet sich auch Landsmann Joachim Löw, der ihm eine überragende Leistung attestiert. Am Ende der Saison kann der Schwaben-Pfeil vier Treffer vorweisen – auch das ein Novum für seine Altersklasse.

    Vom Neckar an die Pleiße

    Der Teenie scheint an den Neckar zu gehören wie der Trollinger und die Wilhelma, doch als im Juli 2015 Alexander Zorniger die Mannschaft als Trainer übernimmt, gibt es Probleme. Der glücklose Nachfolger von Huub Stevens beweist wenig Einfühlungsvermögen im Umgang mit seinem jungen Rohdiamanten. Als Werner im Lokalderby gegen die TSG Hoffenheim nach dem von ihm per Kopfball in der letzten Spielminute erzielten 2:2 Handküsse in Richtung Tribüne wirft, was wohl als Gruß an seinen Vater gedacht war, ist Zorniger für den geretteten Punkt nicht dankbar, sondern putzt ihn mit einem bitterbösen Kommentar öffentlich herunter. Erstmals reifen Trennungsgedanken in dem jungen Spieler. Da trifft es sich gut, dass sein Berater Karlheinz Förster – VfB-Legende und 81-facher Nationalspieler – immer noch dicke mit Ralf Rangnick ist. Im Jahr 1976 kickten beide gemeinsam in der Jugend der Schwaben.

    Inzwischen ist Rangnick als Sportdirektor der starke Mann bei RB Leipzig und hat seit 2012 in vier Jahren drei Aufstiege hingelegt. Werner ist vom Beginn der Saison 2016/17 an nach seinem Wechsel in die Messestadt das Gesicht des Erfolgs, den die «Roten Bullen» auch in der höchsten deutschen Spielklasse feiern. Der vom österreichischen Brausemillionär Dietrich Mateschitz gesponserte Klub beginnt die neue Spielzeit mit einer Fabelserie von 13 Bundesligapartien ohne Niederlage, was zuvor noch nie einem Aufsteiger geglückt ist. Dieser Erfolg lässt keinen kalt und ruft neben Begeisterung auch viel Neid hervor. RB wird zum emotionalen Resonanzboden des deutschen Fußballs – und selbst ein Bundesliga-Schwergewicht wie BVB-Chef Hans-Joachim Watzke lästert über «Rasenschach Leipzig» und merkt gallig an, hier werde doch nur «eine Dose performed». (…)

    Dies ist ein Auszug aus COMPACT-Spezial Nr. 17 «Nationalsport Fußball». Den vollständigen Text finden Sie im Heft. Zur Bestellung einfach auf das Bild unten klicken.

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