Terror in Istanbul: Will Erdogan eine Mitschuld Putins konstruieren?

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Verhindern konnten sie ihn nicht – doch bereits kurz nach dem verheerenden Bombenanschlag von Istanbul präsentierten die türkischen Behörden einen Täter. Anschließend verhängte Ankara eine Nachrichtensperre über die Ereignisse. Dennoch wurde bekannt, dass sich in einer Reihe von Festgenommenen drei Russen befinden.

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Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan erfolgten die Festnahmen in der südlichen Hafenstadt Antalya. Bilder eines Pressefotografen, der offenbar trotz Nachrichtensperre vom Zeitpunkt der Verhaftungen erfahren hatte, zeigen einen Polizisten, der einen mit Kapuze bedeckten Mann abführt. Wie es heißt, würden die russischen Staatsbürger der Mitgliedschaft im Islamischen Staat (IS) verdächtigt. Das russische Konsulat in der Türkei bestätigte demnach die Festnahmen.

Dabei ist die Beteiligung russischer Staatsbürger an den Anschlägen durchaus denkbar: Deren Anzahl in den Reihen des IS schätzte die Denkfabrik Soufan Group jüngst auf 2.400, viele davon sind wohl Tschetschenen. Dass die türkischen Behörden die Ermittlungen generell im Geheimen führen wollen, die Festnahme von Russen aber offenkundig durchsickern ließen, schürt jedoch Vermutungen über eine politische Instrumentalisierung des Anschlages. Immerhin befinden sich die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau derzeit im Zustand sibirischen Dauerfrostes. Nach dem offenbar gezielten Abschuss eines russischen Militärflugzeuges im November verhängte der Kreml Sanktionen gegen die Türkei. Präsident Wladimir Putin drohte mit weiteren, nicht näher bezeichneten Konsequenzen.

Zwar dürfte auch die Regierung des islamisch-neoosmanischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht ernsthaft Russland für den Istanbuler Anschlag verantwortlich machen. Jedoch könnte Ankara den Eindruck suggerieren wollen, der Kreml nehme es mit dem Kampf gegen den IS nicht sonderlich genau und sehe der Mitgliedschaft eigener Bürger in der Terrororganisation tatenlos zu. Bereits nach Beginn der russischen Luftschläge in Syrien im vergangenen Herbst hatten westliche Zeitungen Moskau vorgeworfen, seine Attacken eher auf die sogenannten gemäßigten Rebellen, anstatt auf den IS zu konzentrieren.

Unterdessen nutzt die türkische Polizei die Anschläge offenbar für großangelegte Festnahmen in mehreren Teilen des Landes. Dies berichtet Reuters unter Berufung auf die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anatolien. Demnach verhafteten die Behörden insgesamt 65 Personen unter anderem in Ankara, Izmir und Adana, sowie im Grenzgebiet zu Syrien. Ihnen wird vorgeworfen, weitere Anschläge geplant zu haben.

Bei den Anschlägen in der Innenstadt von Istanbul sind nach letzten Angaben elf Menschen ums Leben gekommen, darunter Touristen aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Brandenburg.

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