Obwohl manche Medien sich weithin ausgeklinkt haben, scheinen die Gelbwesten dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron doch noch kräftig zuzusetzen. Um die zu beruhigen, plant er jetzt die Opferung der Ecole Nationale d’Administration (Ena), die seit Ende des Zweiten Weltkriegs den Eliten-Nachwuchs produziert. Absolventen machen meist Karriere in Politik und Wirtschaft. Auch Ex-Banker Macron hat in dieser Anstalt seine Formung genossen und 2004 abgeschlossen.

    Jetzt aber soll diese Eliten-Fabrik geschlossen werden. Dieses Vorhaben sollte in einer TV-Rede verkündet werden, die Macron am vergangenen Montag halten wollte. Leider kam das brennende Notre-Dame dazwischen. Das verlangte einen Themenwechsel und Macron sprang in die Rolle des abendländischen Kultur-Restaurators. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

    Die Schließung der Ena ist als Antwort auf die Gelbwestenproteste intendiert. Denn die Ausbildungsstätte hat Symbolcharakter, gilt als Zeichen des Zentralismus, der Arroganz, des elitären Dünkel und der mangelnden Kenntnis der Menschen vor Ort und ihrer Sorgen. Außerdem ist ihre Aufnahmeprüfung so gehalten, dass sie Bewerber aus unteren Schichten – laut Kritikern – benachteilige.

    Kurzum, die Ena steht teilweise für jene Politik, die ihr Absolvent Macron derzeit betreibt. Aber anstatt zurückzutreten, will er den wütenden Bürgern eine symbolische Institution opfern. In dem (von der FAZ publizierten) Auszug aus dem Redetext heißt es: „Ich möchte mehr Beamte, die draußen im Lande präsent sind. Sie sollen Verantwortung tragen für die Entscheidungen, die sie treffen, und unseren Mitbürgern konkrete Lösungen bringen. Gleichzeitig möchte ich weniger Beamte haben, die von Paris aus neue Vorschriften schaffen“.

    Macron will jetzt als Reformator für dezentrale Politik auftreten. Die Ena hingegen solle nach ihrer Schließung eine Nachfolgerin erhalten, mit entsprechend neuen Aufnahmeprüfungen und reformierten Lehrplänen. Als weitere Beruhigungsmaßahmen hat Macron angekündigt: Während seiner Amtszeit sollen beispiesweise keine Schulen und Krankenhäuser geschlossen und der Eingangssteuersatz der Lohnsteuer gesenkt werden. Allerdings kündigte zugleich die Senkung staatlicher Ausgaben an, ohne betroffene Bereiche zu benennen und erklärte in echt neoliberaler Manier: „Zudem wird es nötig sein, mehr zu arbeiten“. Womit er kaum sich selbst gemeint haben dürfte.

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