Süüüüß, diese Asylanten!

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Lange bevor der Kinderkanal jungen, weiblichen Zuschauern Syrer mit Vollbart schmackhaft machte, kübelte der Sender die Kleinsten schon mit Willkommenskultur voll. Auch in der Kinderversion des «Spiegel» waren Flüchtlinge vor allem niedlich, weiblich und mit braunen Kulleraugen bestückt.

_ von Daniela Sedlmayer

Angesichts der Asylantenflut schlägt jedes Kinderherz höher. Der elfjährige Anton aus Leipzig und seine neuen Freunde aus Libyen «daddeln gemeinsam an der Playstation». Die nordafrikanische Familie hat «eine eigene Wohnung, denn sie ist jetzt fast ein Jahr lang in Deutschland». Und: «Mama Amina kann fantastisch kochen. Danach haben wir Jungs Fußball gespielt, dafür braucht man nicht viele Worte. (…) In den Sommerferien sind wir zum Baden an den See gefahren oder haben gemeinsam gekickt.»

Auf diesem Niveau sind die Artikel in der Oktober-Ausgabe des Kindermagazins Dein Spiegel, der die Jüngsten frühzeitig mit der Ideologie der Hamburger Wochenjournaille anfixen will. «Für Kinder erklärt: Die große Flucht nach Deutschland», verspricht das Heft auf der Seite eins. Von «mehr Wissen», wie es im Untertitel heißt, kann dabei leider keine Rede sein.

Märchen über Deutschland

Die Fotos lügen mehr als tausend Worte: In Dein Spiegel sind Asylanten vor allem klein, süß, weiblich und haben braune Kulleraugen. Vom Cover blickt ein Mädchen mit zerzaustem Haar, dahinter die Mutter mit einem Baby auf dem Arm. Kein Sterbenswörtchen davon, dass es sich bei 80 Prozent der Asylbewerber um junge Männer handelt, die wohl auch nicht immer nett zu Frauen und kleinen Kindern sind. Man will ja vom Kinder-Spiegel nicht verlangen, dass er den Gerüchten über Missbrauch in den Heimen und drumherum auf den Grund geht. Aber wäre es nicht angebracht, die Schutzbedürftigsten unserer Gesellschaft wenigstens davor zu warnen, sich von Fremden ansprechen zu lassen? Zumal Flüchtlingsunterkünfte gerne in der Nähe von Schulen – wenn nicht gleich direkt auf dem Schulhof – errichtet werden? I wo, Anton versichert allen treuherzig: «Zeyad und Ibrahim sind unsere Freunde geworden.»

Wo es um Fakten geht, dominiert emotionale Manipulation durch unvollständige Information. Die jungen Leser erfahren, dass in Deutschland nur Menschen ein Recht auf Asyl haben, die in ihrer Heimat aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden. «Aber das deutsche Asylrecht berücksichtigt Menschen nicht, die vor Armut fliehen. Diese werden meistens abgeschoben, also heimgeschickt.» Da dürften vielen kleinen Antons sicherlich die Tränchen gekullert sein – da sie ja nicht wissen können, dass
Armutsflüchtlinge in Deutschland keineswegs «meistens » abgeschoben werden, noch nicht einmal häufig,
sondern nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen: Zwei Drittel der sogenannten Flüchtlinge werden zwar
weder als Asylbewerber anerkannt, noch erhalten sie eine Duldung aus humanitären Gründen – aber nur
zwischen fünf und zehn Prozent werden dann tatsächlich «heimgeschickt», alle übrigen erhalten weiter die
übliche Staatsknete auf Hartz-IV-Niveau.

Malen mit Zahlen

Weiter im Text: «In einigen europäischen Ländern wie Frankreich oder Belgien werden Menschen, die vor Armut fliehen, nicht sofort zurückgeschickt. In Deutschland wird deswegen über die Fairness des aktuellen Asylgesetzes gestritten.» «Ey, voll unfair!», denken die Knirpse da wohl. Vor allem, da sie auch erfahren: «Deutschland ist ein reiches Land und hat viel Platz. (…) Selbst wenn allen Asylanträgen zugestimmt würde, wäre das gerade mal ein Flüchtling pro 100 Einwohner.» Dass Saudi-Arabien und die Golf-Emirate noch sehr viel mehr Geld und sehr viel mehr Platz haben, dass deren Monarchen durch die Unterstützung des Islamischen Staates für die Fluchtwelle aus Libyen, Syrien und dem Irak hauptverantwortlich sind und sich trotzdem kategorisch weigern, auch nur einen einzigen der armen Teufel von dort aufzunehmen, erfahren die Spiegel-Kinder natürlich nicht.

Im selben Artikel ist zu lesen, dass Asylbewerber im «reichen Deutschland» nur schlappe 143 Euro pro Monat erhalten. Das ist ganz schön knapp bemessen, wird sich mancher Leser denken. Er kann schließlich
nicht ahnen, dass die Autorinnen sich hier den allerniedrigsten Satz herausgepickt haben, nämlich das anfängliche «Taschengeld», und dass erwachsene Asylanten bereits nach drei Monaten rund 360 Euro plus Miete und Sachleistungen erhalten, sowie für jedes Kind noch einen Zusatzbetrag zwischen 130 und 194 Euro. Die Folge ist, dass sich so manche ausländische «Fachkraft» ihr Einkommen ganz einfach dadurch aufbessert, dass sie sich vier oder fünf Kinder von Bekannten schnappt und als ihre eigenen ausgibt. Kann ohnehin niemand nachprüfen, weil eh keine Pässe da und alle komplett überfordert sind. Aber Betrügereien dieser Art kann man den lieben Kleinen ja nicht zumuten.

Man darf annehmen, dass der Sprössling, der seinen Wissensdurst in seiner knapp bemessenen Freizeit
mit der Lektüre des Junior-Spiegels stillt, mit seinem Pseudowissen auf dem Schulhof auftrumpft und jede
gesunde Regung gegen den Asylwahnsinn bei seinen Mitschülern im Keim erstickt. So wird eine Merkel-
Jugend herangezüchtet, die für «Mutti» und deren exotische Selfie-Freunde durch dick und dünn geht.

Felix im Glück

Flucht, Migration und Multikulti sind auch auf dem Kinderkanal (KiKa) ein Dauerbrenner. Hier fallen zum Glück auch mal vernünftige Sätze – zum Beispiel, dass man sich bei Übergriffen auf jeden Fall wehren und den Vorfall melden soll. Allerdings wird das Thema in weniger als einer Minute abgewickelt und auch erst angesprochen, als die Frage per E-Mail von einer Zuschauerin gestellt wird. Ansonsten dominiert auch hier die unglaublich positive Energie des toleranten und offenen Miteinanders. Man erfährt, dass es inzwischen Schulprojekte gibt, bei denen Backen mit Flüchtlingen angesagt ist: Friede, Freude, Eierkuchen. Werden Muslime diesen Zirkus noch mitmachen, wenn die Adventszeit kommt und Weihnachtsplätzchen gebacken werden?

In der Sendereihe «Erde an Zukunft» besucht der knuddelige Jungmoderator Felix den Weltkindertag, der unter dem Motto «Kinder willkommen!» steht. Dass die Familienpolitik der Bundesregierung sehr zu wünschen übrig lässt und den Geburtenrückgang in Deutschland mitverschuldet hat, ist selbstverständlich
nicht das Thema der Sendung. Willkommen sind die Kinder von Asylanten. Felix sitzt zwischen zwei kleinen
Mädchen aus Afghanistan, Hossna und Yalda, die über ihre Flucht berichten. Erstaunlich routiniert leiert Yalda die Stationen herunter: «Afghanistan nach Iran, Iran nach Türkiye, Türkiye nach Bulgar, Bulgar nach
Serbia, Serbia nach Hungary, Hungary nach Deutschland. » Felix zeigt sich beeindruckt über die weite Strecke und erkundigt sich nach der Reiseart. Yalda: «Laufen ». Echt jetzt? Auf den Fluchtplänen mit Endstation «Germany» sind doch immer mehrere Fahrzeuge – Schiffe, Autos und Busse – eingezeichnet. Hossna bestätigt die Aussage. Was soll’s. Kinder brauchen Märchen, das wusste ja schon Bruno Bettelheim.

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Weiter geht’s mit Integration: Deutsch lernen, damit man den Weg zum Arzt findet (aus diesem Grund interessiert sich ein übergewichtiger Junge aus Mazedonien besonders für unsere Sprache), aber vor allem: um zu wissen, was einem zusteht. Mohammed arbeitet beim Verein Jugendliche ohne Grenzen, der sich für das Mitbestimmungsrecht und die sogenannten Forderungen von minderjährigen Flüchtlingen einsetzt. Sollten die nicht erstmal froh sein, dass sie nicht in zerbombten Städten aufwachsen müssen, etwas zu essen haben und freien Zugang zu Bildung erhalten? Egal, offenbar fängt die Migrantenausbildung zum Lobbyisten schon im Kindergarten an, und der KiKa findet das gut.

In der Sendung «Die Welt wird zum Dorf – Heimat ist überall» besucht Felix eine jugendliche Tanzgruppe
in Berlin. Die Jungs – alle aus unterschiedlichen Ländern – begrüßen Felix überschwänglich mit Umarmung, alle sind super happy, dass das Treffen geklappt hat. Immerhin kommen hier sogar halbwegs vernünftige Vorschläge, wie das multikulturelle Miteinander klappen könnte – die Betonung liegt auf gegenseitigem Respekt.

Im nächsten Beitrag wird davon ausgegangen, dass im Jahr 2050 jeder Zweite in Deutschland einen Migrationshintergrund haben wird. Deshalb sei es wichtig, dass jeder das Gefühl habe, dazuzugehören. Felix und Gesprächspartnerin Mona malen sich aus, wie es wäre, wenn Multikulti abgeschafft würde:
Jeden Tag Bratwurst mit Sauerkraut. Schüleraustausch mit London – abgeschafft. Urlaub ab jetzt nur
noch in Bayern. Das findet Mona gar nicht gut. Die Botschaft: Es wird todlangweilig, wenn die Grenzen
dichtgemacht werden!

Als hätte man im Leben immer nur die Wahl zwischen zwei Extremen, wovon das eine genauso realitätsfremd ist wie das andere! Natürlich will jedes Kind sowieso «bunt» und würde nie eine Lebensform
favorisieren, wo es auf Pommes oder Spaghetti verzichten muss… Und am Schluss kommt sie, die Lösung
aller Probleme: Felix schlägt die Abschaffung aller Grenzen vor, samt Etablierung einer Weltregierung mit
Politikern aus allen Ländern. Er selbst wäre gerne Bildungsminister – wenn seine Noten nicht so schlecht
wären. Er verabschiedet sich mit einem euphorischen «Bunt ist toll!» und nimmt einen Schluck von seinem
Regenbogen-Smoothie.

Dieser Text erschien zuerst in COMPACT-Magazin 11/15.

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