In Südafrika vollzieht sich ein schleichender Genozid an der weißen Bevölkerungsgruppe, der weitgehend mit Schulterzucken hingenommen wird. Nun hat US-Präsident Donald Trump die Morde und Enteignungen der burischen Farmer öffentlich angeprangert. Ein Weckruf, der Konsequenzen nach sich ziehen muss.

    Während Merkel, Macron, May und andere schweigen, hat Trump als erster westlicher Regierungschef die fortwährende Entrechtung der burischen Bevölkerung in Südafrika scharf kritisiert. In der Nacht zu Donnerstag prangerte er via Twitter die „massenhafte Tötung“ von Südafrikas weißen Farmern an und teilte mit, dass er seinen Außenminister Mike Pompeo damit beauftragt habe, die geplanten „Land- und Farmenteignungen in Südafrika aufmerksam mitzuverfolgen“.

    Screenshot Twitter

    Anfang des Jahres hatte das Parlament in Kapstadt mehrheitlich für die Möglichkeit einer Enteignung von Land ohne Entschädigung gestimmt. Über 70 Prozent des fruchtbaren Bodens in Südafrika gehört weißen Farmern, nur vier Prozent Schwarzen. Damit ist klar, gegen wen sich das neue Gesetz primär richtet, auch wenn die Buren, die weißen Südafrikaner, nicht explizit als Zielgruppe genannt sind. Inzwischen hat die Die ANC-Regierung begonnen, ihre Umverteilungsphantasien umzusetzen.

    Besonders beachtlich an Trumps Tweet ist, dass er die ansonsten weitgehend verschwiegenen „massenhaften Tötungen“ am Kap ausdrücklich angesprochen hat. Das ist beileibe keine Übertreibung. Die von dem US-Professor Gregory Stanton gegründete Organisation Genocide Watch spricht sogar von einer Völkermordgefährdung in Südafrika. Fast jeden Tag kommt es zu einem Überfall auf Farmen, Weiße werden – in dem Land mit der achthöchsten Mordrate der Welt – dreimal so oft Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens wie andere südafrikanische Bürger, weiße Farmer sogar sechsmal so oft. Schätzungen gehen davon aus, dass seit dem Ende der Apartheid 1994 bis zu 4.000 burische Bauern ermordet wurden. Die Zahl der Farmen hat sich in den letzten 20 Jahren von 62.000 auf 35.000 nahezu halbiert.

    Laut offiziellen Statistiken werden in Südafrika jeden Tag etwa 50 Menschen ermordet – 2016 wurden 18.673 Morde gezählt –, 40 Prozent davon sind Weiße, die nur noch neun Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Im Jahr 2016 starben bei 369 Farmüberfällen 71 Bauern und ihre Familienangehörigen, bis Anfang Februar gab 2017 gab es 31 Überfälle und acht Tote.

    Die Mordrate unter weißen Farmern liegt nach Angaben von burischen Organisationen bei 198 pro 100.000 Einwohner – und damit sechsmal so hoch wie allgemein in Südafrika. Im November letzten Jahres protestierten 1.500 Demonstranten in Pretoria und übergaben der Regierung eine Petition. „Farmmorde sind eine landesweite Krise und müssen als solche behandelt werden“, so Ernst Roets von der südafrikanischen Bürgerrechtsgruppe AfriForum.

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    Das Enteignungsgesetz wurde von den sogenannten Economic Freedom Fighters (EFF) ins südafrikanische Parlament eingebracht. Eine Mehrheit bekam es nur, weil sich die Abgeordneten des African Nation Congress (ANC) vor den Karren der linksextremen Oppositionspartei spannen ließen. ANC-Präsident Cyril Ramaphosa trägt die Enteignungskampagne mit, um vom Korruptionssumpf und den wirtschaftspolitischen Misserfolgen seiner eigenen Partei abzulenken.

    Die von den EFF geschürte Neidkampagne gegen Weiße trägt nicht nur Züge eines Klassenkampfes. Parteichef Julius Malema gefällt sich in der Rolle des Scharfmachers und spielt demagogisch die antikolonialistische Karte aus: „Dieses Land ist noch immer in der Hand der Kolonialherren, in der Hand der Weißen. Wir müssen sie enteignen, ohne sie dafür zu entschädigen.“ In vielen Fällen bleibt es nicht bei verbalen Ausfällen und Gewaltandrohungen.

    Vor allem kleine Farmen, die sich keine teuren Sicherheitsmaßnahmen leisten können, werden Ziel von Überfällen. Deren weiße Bewohner erleben brutalste Gewalttaten bis hin zu kaltblütigen Morden. Die Bürgerrechtsorganisation AfriForum nannte den parlamentarischen Vorstoß der EFF-Extremisten ein „ausschließlich rassistisches Unterfangen, um die Weißen von ihrem Land zu jagen“. Bewusst werde der Eindruck erweckt, dass man weiße Farmer ohne staatliche Strafandrohung angreifen dürfe.

    Das AfriForum erklärte, dass in den ersten hundert Tagen des laufenden Jahres 109 Angriffe auf Farmer und 15 Morde dokumentiert seien. Forumssprecher Ian Cameron sagte: „Obwohl die südafrikanische Regierung bestreitet, dass die ländlichen Gebiete einer Gewaltkrise ins Auge blicken, beweisen die Zahlen, dass exzessive Gewalt diese Regionen plagt.“ Die ländlichen Regionen seien in einem „Verbrecherkrieg gefangen“.

    Wie virulent das Thema ist, zeigt der Umstand, dass selbst der Weltspiegel der ARD vor wenigen Monaten unter dem Titel „Südafrika: Die Landfrage und die Ängste der weißen Farmer“ darüber berichtete. Die Sendung zitierte die Farmerin Nicci Simpson mit der Aussage: „Es gibt hier in Südafrika genug politische Extremisten, die sagen: ‚Tötet die Weißen, macht mit ihnen was ihr wollt, schneidet ihnen den Hals ab, verbrennt sie.‘ Ich glaube, dass diese Überfälle auch eine politische Ursache haben.“

    Simpsons Freundin ist Bernadette Hall, die auf ihrer Farm in der Nähe von Johannesburg Schafe und Rinder züchtet. Ihr Mann wurde direkt vor dem Haus von dunkelhäutigen Angreifern erschossen, als er die Kühe molk. Gegenüber dem „Weltspiegel“ schilderte sie: „Ich sah, wie David auf dem Boden kniete, vor ihm vier der Männer. Und dann schossen sie ihm durch die Brust.“

    Über weitere Fälle von Farmmorden hat die kanadische Aktivistin und Filmemacherin Lauren Southern berichtet. COMPACT hat sie in Ausgabe 4/2018 interviewt. Sehenswert ist auch ihre Dokumentation Farmlands.

    Es bleibt zu hoffen, dass den Worten Trumps auch Taten folgen werden, sollte die südafrikanische Regierung ihre Politik der Entrechtung der weißen Bevölkerungsgruppe unvermindert fortsetzen. Die USA sind mit ihrer Sanktionspolitik ansonsten nicht gerade zimperlich und schießen dabei oft übers Ziel hinaus. Im Falle von Südafrika wären Sanktionen hingegen wirklich angebracht – und sollte der Genozid an den Weißen fortschreiten, durchaus auch schärfere Maßnahmen.

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