Straße von Hormus: Macht der Iran die maritime Öl-Autobahn dicht?

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Es brodelt heftig am Persischen Golf – und die heftige US-Embargopolitik gegen den Iran führt zu Widerständen in einer Reihe von Ländern.

Seit Ende Januar ist nach Angaben des ADAC der Benzinpreis um durchschnittlich 16 Cent pro Liter gestiegen. Preistreiber waren die neu aufgeflammten Kämpfe in Libyen, die Unruhen in Venezuela und die Unsicherheit über die Auswirkungen der verschärften US-Sanktionen gegen den Iran. Die könnten gewaltig sein, wenn man allein die Entwicklung in den vergangenen Tagen betrachtet. Am 22. April teile das Weiße Haus mit, dass die Ausnahmegenehmigungen für den Import iranischen Öls, die acht Ländern, nämlich China, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Südkorea, Taiwan und der Türkei, erteilt wurden, nicht verlängert werden. Washington will die iranischen Ölexporte erklärtermaßen auf Null drücken, maßt sich dabei aber auch an, tief in die Wirtschaftspolitik von Drittstaaten einzugreifen.

So bezieht die stark importabhängige Türkei viele Rohstoffe aus dem Iran, nämlich nach Angaben der türkischen Energie-Regulierungsbehörde EMRA 27 Prozent des Öls und 17 Prozent des im Land verbrauchten Erdgases. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu übte dann auch deutliche Kritik an der Entscheidung aus Washington und äußerte über Twitter: „Die Türkei lehnt einseitige Sanktionen und Zwänge zum Umgang mit Nachbarn ab.“ Auch die EU will sich nicht an das Importverbot halten.

Auch aus Moskau gab es heftige Kritik am US-Vorgehen. Das russische Außenministerium erklärte, die US-Politik werde immer „aggressiver und rücksichtsloser“. Weiter hieß es: „Washington verbirgt nicht einmal seinen Wunsch, die Welt seinem Willen zu unterwerfen.“ Zugleich lobte das russische Außenministerium die „Zurückhaltung“ des Irans mit Blick auf „die arroganten amerikanischen Provokationen“.

Die extraterritoriale Ausweitung der Strafen auch auf Länder, die von Washington als „Sanktionsbrecher“ angesehen werden, ist völkerrechtlich natürlich hochproblematisch, hat bislang aber schon zu einer kräftigen Drosselung der iranischen Ölexporte geführt.

„Eindeutig bullish“ für den Ölpreis

Doch wie nun weiter? Nur mit verbalen Drohungen dürfte Washington die von Außenminister Mike Pompeo in den Raum gestellte „Null“ für die iranischen Ölausfuhren kaum erreichen, sondern müsste in Zukunft wohl zu drastischeren Mitteln greifen. Nun kündigte Alireza Tangsiri, der Marinechef der iranischen Revolutionsgarden, eine Sperrung der Straße von Hormus an, falls iranische Öltanker daran gehindert würden, sich weiterhin frei im Persischen Golf zu bewegen. „Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt Hormus offen, wenn nicht, dann gibt es dafür keine Logik mehr“, äußerte der Kommandeur nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

 

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Die Straße von Hormus ist eine an ihrer schmalsten Stelle nur 55 Kilometer breite Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, der wiederum das Tor zum Indischen Ozean ist. Sie ist von überragender geoökonomischer Bedeutung, denn durch dieses Nadelöhr wird ein Drittel der globalen Öl-Exporte verschifft, manche Quellen sprechen auch von 40 Prozent. Dabei müssen die Schiffe auch iranische Hoheitsgewässer durchqueren.

Das Blockadeszenario setzt den Ölpreis unter Druck, der tendenziell weitersteigen dürfte. Die Aussichten für den Ölpreis seien „eindeutig bullish“, jubelten schon die Energieanalysten von Raymond James & Associates.

Es brodelt heftig am Golf. Washington will hier – wie auch in Venezuela – offensichtlich einen „Regime change“ erzwingen, doch für ein Ende der Islamischen Republik Iran braucht es mehr als Wirtschaftssanktionen. Die derzeitige Eskalation dürfte ohnehin in erster Linie den Hardlinern in Teheran nützen, während dem relativ moderaten Präsidenten Hassan Rohani nun vorgeworfen werden kann, dass seine auf Ausgleich bedachte Politik gescheitert ist.

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11 Kommentare

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    Jürgen Graf am

    Nachdem ich Trumps Wahlsieg im November 2016 mit meiner Frau feuchtfröhlich gefeiert habe, sind wir nun beide voll Zorn über ihn. Ja, das Regieren wird ihm aufgrund des absurden amerikanischen Systems praktisch unmöglich gemacht, aber die Art und Weise, wie er sich von den Zionisten als Tanzbär, und morgen vielleicht als Rammbock in einem Krieg gegen den Iran, missbrauchen lässt, ruft nur Ekel hervor. Wenn Washington einen Krieg gegen den Iran vom Zaun bricht, müssen China und Russland eingreifen, und dann steht die Welt in Flammen.

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    An den Persern hat sich schon ein anderes Imperium die Zähne ausgebissen – nämlich das römische! Die werden sich von den Amis nicht vorschreiben lassen, wem sie ihre Waren verkaufen dürfen und die Chinesen auch nicht, wo sie einkaufen dürfen.
    Ein Land wie die Türkei sollte schnellsten den Verbündeten wechseln, wenn der aktuelle solche Vorschriften macht! Die Machtstellung der USA läßt sich am einfachsten und gründlichsten brechen, wenn ihr alle Verbündeten und Handelspartner weglaufen! Der Rest der Welt braucht die USA nicht und nichts aus den USA.! Das muß man endlich mal so sehen und danach handeln. Dann nützt auch deren Militärmacht nichts mehr – denn wenn sie den Rest der Welt atomar angreifen gehen sie wegen des atomaren Winters selber mit ein, wie einst die Dinosaurier! Konventionell sind sie schon lange abgemeldet und gegen alle Anderen ohnehin nicht. Die Anderen müssen sich nur mal endlich einig sein und Ami-Fans, wie Frau Merkel in die politische Wüste schicken. Und Hollywood braucht sowieso keiner …

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    Täte der Iran das tatsächlich,würde er USrael den letzten Vorwand zum Krieg liefern,auf den die nur warten. Wir können uns schon mal auf turmhohe Spritpreise einstellen,ganz ohne Steuererhöhungen.

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      Mittelfranke am

      Wenn´ s nur turmhohe Spritpreise wären. Ich fürchte da noch ganz erheblich brenzlige
      Ausmaße: zum Beispiel ein Spannungsfall, in den wir alle auch in Europa hineingezogen
      werden.

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    Wegen der Versorgungsunsicherheit beim Öl brauchen wir mehr Windräder und Akkuladestationen. Das muss dem Volk klar gemacht werden!
    [ Für immer mehr Deutsche ist Klimawandel das wichtigste Problem ]

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      Ja,es gibt immer mehr Dumme. Der Klimawandel ist überhaupt kein Problem,denn er trifft ja alle.Probleme sind immer nur da,wo viele die Lasten tragen aus denen wenige einen Reibach machen.

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      Meinen Sie das im Ernst? Mehr Windräder und Akkuladestationen?
      Ich lache mich kaputt. Sie und die geistig minderbemittelte Greta Blöd-
      fisch hat vom Klimawandel und von der Energiesversorgung eines
      Industriestaates wie Deutschland so viel Ahnung wie die Giraffe
      vom Hochseeangeln.

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      Deutsche Beobachtungsstelle am

      @Gabi:
      … Für immer mehr Deutsche ist Klimawandel das wichtigste Problem …
      Ja, weil immer mehr verhausschweinte Bunzelbürger – vor allem die aus den alten Westbundesländern – komplett indoktriniert sind und ihr Gehirn in den Standby-Betrieb haben setzen lassen! Denk ich an Deutschland in der Nacht …

      Schöne Grüße aus Preußen!
      Für eine grundlegende geistige Erneuerung Deutschlands!!!

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      Gute Idee, dafür brauchen wir nur etwas mehr Wind und der kann natürlich aus China importiert werden. Alternativantrieb bei Windflaute: elektrisch betriebene Wind-, und Sturmgebläse, z. B. von der Firma Heinzelmann (es bläst und saugt der Heinzelmann…).

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    Die Dummheit von Trump zeigt sich, daß er Beijing und Taiwan gleichzeitig die "Genehmigung" entzieht. Damit bringt er beide zusammen. Was wollen die Amis machen? Wollen sie Öltanker of offener See aufbringen? Wollen sie in der Südchinesischen See taiwanesische Tanker stoppen? Wollen sie das? Dann ist die Vereinigung Chinas über Nacht da. Dann steht ganz Asien gegen die USA.

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