Im letzten Jahr setzte die AfD schon auf die Agentur von Vincent Harris, um ihren Medienwahlkampf zu optimieren. Der Texaner hatte zuvor Donald Trump zum Social-Media-Star gemacht. Nun hat sich AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel mit einem anderen Ex-Berater des US-Präsidenten getroffen, um sich wertvolle Tipps zu holen. Dabei handelt es sich um keinen Geringeren als den legendären Steve Bannon. 

    Das Treffen der adretten und stets souveränen AfD-Politikerin und Trumps ehemaligem Chefstrategen fand nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einem Züricher Hotel statt. Weidel nutzte die Gunst der Stunde, da sich Bannon gerade auf Einladung des Weltwoche-Chefredakteurs Roger Köppel zu einem Vortrag in der größten Stadt der Schweiz aufhielt. Und die liegt nicht weit entfernt vom Wohnort der Bundestagsabgeordneten am Bodensee. Zuvor war Bannon übrigens in Rom zu Gast, wo er den Wahlkampf des Lega-Matadors Matteo Salvini unterstützt hatte.

    Seit Bannon frei von allen Verpflichtungen in Washington und beim US-Mediendienst Breitbart ist, setzt der amerikanische Vollprofi alles daran, rechten und patriotischen Bewegungen in Europa den richtigen Drive zu verleihen, damit sie das politische Koordinatensystem in ihren Ländern gründlich aufmischen können – so wie Trump in seinem Heimatland. In Italien ist das gerade gelungen, in Deutschland braucht man noch etwas Nachhilfe, um den im Volk vorhandenen Protest zu einem Erdrutsch ausweiten zu können.

    Laut FAZ.net soll sich Bannon Zürich für seinen Vortrag ausgesucht haben, weil die Finanzmetropole als Hochburg für Firmen gilt, die sich im Bereich der Kryptowährungen engagieren. In seiner Rede habe er dem FAZ-Bericht zufolge Zentralbanken, Regierungen und Großkonzerne beschuldigt, die Rechte der Normalbürger zu beschneiden und sie zu gläsernen Menschen am Tropf der Hochfinanz zu machen – und damit zu Sklaven des politischen Establishments. Kryptowährungen seien ein wichtiges Werkzeug, um den Zentralbanken die Macht zu nehmen und sie den einfachen Menschen zurückzugeben, so Bannon.

    Das liegt genau auf der Linie der AfD-Finanzexpertin Alice Weidel, die für ihre scharfe Kritik an der EZB-Geldpolitik und den Plänen führender Eurokraten zur Einschränkung oder gar Abschaffung des Bargeldverkehrs bekannt ist. Auch wenn noch keine näheren Einzelheiten zu den Beratungen zwischen der AfD-Politikerin und dem Medienstrategen aus den USA bekannt sind und es in dem Gespräch laut Parteikreisen vor allem um politische Kommunikation und alternative Medien gegangen sein soll, dürfte sich Euro-Kritikerin Weidel von Bannon garantiert auch zu geldpolitischen Fragen und deren Vermittlung neue Anregungen und Impulse geholt haben.

    Gut zu wissen ist es auf jeden Fall, dass ein erfolgreicher Vollprofi wie Bannon jetzt „next door to Alice“ ist, im übertragenen Sinne natürlich. Von einer solchen Allianz kann die AfD nur profitieren. Auch innerparteilich dürfte das deutsch-amerikanische Expertentreffen zur Stärkung der Position der liberalkonservativen Berliner Frontfrau beitragen. Wer aus der AfD-Riege kann schon eine Audienz beim großen Steve vorweisen!

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