Statistisches Bundesamt: Zahl der Hartz-Empfänger sank minimal – oder auch nicht

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Die Headlines der Mainstreamer verbreiten mal wieder gute Laune. Tenor: „Laut Statistischen Bundesamt ist in Deutschland die Anzahl der Bezieher von Leistungen für Mindestsicherungen gesunken“ (Handelsblatt). Wow. Gestützt ist dieser Jubelruf auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. Im Detail klingt die aber nicht ganz so schön.

So erfahren wir schon im ersten Absatz, um wieviel Prozent da gesunken wurde: 2015 benötigten fast acht Millionen Bürger staatliche Hilfe. Jetzt, Ende 2016, sind es nur noch… 7,9 Millionen. – Ist das nicht ein großer Schritt nach vorn? Wie haben die das nur geschafft? Jedenfalls nicht durch eine Zunahme an gut bezahlten Arbeitsplätzen.

Ganz einfach, erklärt das Statistische Bundesamt: Die Zahl jener, die laut Asylbewerberleistungsgesetz zur Regelleistung berechtigt sind, sank auf sagenhafte 728.000 wegen „der hohen Zahl abgeschlossener beziehungsweise entschiedener Asylverfahren“. Aber wie steht es um die Anzahl von Hartz-Beziehern, wenn man die Berechtigten des Asylbewerberleistungsgesetzes einmal weglässt?

Geradezu konträr. Denn mit knapp sechs Millionen „Hartzern“ ist deren Zahl um schlappe 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen! Mehr als eine Millionen Bedürftige erhalten die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Aufstockung). Die gute Nachricht: Die Zahl jener, die noch Hilfe außerhalb der vom Sozialgesetzbuch vorgegebenen Einrichtungen benötigen, sank um 2,7 Prozent auf 133.000 Personen! Sind jene 2,7 Prozent etwa Menschen, die den Gürtel inzwischen so eng schnallen, dass sie nicht einmal mehr öffentliche Esstafeln aufsuchen?

Zum Schluß noch die Hitparade: In welchen Bundesländern hat die Arbeitspolitik am meisten versagt? Ganz vorne steht Nordrhein-Westfalen mit 2,15 Millionen Hilfsbedürftigen. Dem folgen Niedersachsen (768.718), Berlin (671.169), Bayern (662.409) und Baden-Württemberg (645.134).

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