Man kennt den Begriff „Camp“ seit Urzeiten von den Pfadfindern, die tagsüber durch Wald und Dickicht streifen, um das Überleben in der Wildnis zu üben. Abends sitzt man dann vereint und glücklich am Lagerfeuer und singt Lieder zu Gitarrenspiel. Andrea Nahles, Parteivorsitzende der SPD, hat sich wohl in einem Anfall von Romantik an ihre wilde Jugendzeit in der Vulkaneifel erinnert und kurzerhand sämtliche Loser zum „Debattencamp“ eingeladen.

    Ganz nach dem Motto, die SPD muss überleben, sollten die Teilnehmer im Dschungel der Wahlniederlagen Ideen entwickeln, die geeignet sind, Deutschland zu retten. Die lange Phase der Erneuerung, die mit der Inthronisierung von Martin Schulz im Januar 2017 zum Absturzbeauftragten begann, endete mit einem grandiosen Erfolg: In der Partei blieb kein Auge trocken.

    Bätschi-Nahles will der Bundesregierung „in die Fresse!“ hauen | Foto: Screenshot Youtube

    Nur neun Monate später übernahm Andrea Nahles die Führung der SPD, indem sie sich auf eine lange Partei-Tradition besann. Was bereits bei Willi Brandt, Rudolf Scharping und bei den Heide-Mördern mit Heide Simonis exzellent hingehauen hatte, konnte man mit SPD-Chef Kurt Beck und Gerhard Schröder weiter perfektionieren. Mithilfe jahrzehntelang bewährter Methoden vernichtender Intrigen wurde auch Genosse Schulz aus dem Weg geräumt, um Nahles die Möglichkeit zu bieten, an dessen Erfolgsserie nahtlos anzuknüpfen.

    Doch wer glaubte, dass der erfolgreiche Weg desaströser Niederlagen nicht zu toppen gewesen wären, sah sich getäuscht. Die SPD zeigte bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen, dass sie über weitere Ressourcen verfügte und was sie wirklich draufhat.

    Zwar ist den Sozialdemokraten noch nicht der Endsieg gelungen, doch die Zeichen stehen gut. Wir dürfen optimistisch sein. Wie gesagt: Andrea eröffnete mit ihrem Highlight „Debattencamp“ die Chancen für eine Neuausrichtung, verbunden mit der Aussicht auf eine spektakuläre Profilierung ihrer Partei.

    SPD-Politiker Raed Saleh und sein Ladenhüter | Foto: Screenshot Pinterest

    Die Geheimformeln der neuen SPD-Qualität heißen: Abkehr von Hartz IV und Einführung des Bürgergelds, Verbot des Begriffes „Sozialreform von Gerhard Schröder“ und – das überrascht nicht – das seit etwa 45 Jahren angestrebte Ziel, „Die SPD soll sozialer werden“. Die Wähler dürften überrascht gewesen sein, zumal sie nicht erwarten durften, dass ein solch mutiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit von der Parteispitze so offen diskutiert wird.

    „Wir sind Vorreiter einer umfassenden Strategie“, so Read Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion und Verfasser des bislang als Ladenhüter bekannten Buches „Ich deutsch – die neue Leitkultur“. Dieses Konzept hat in Salehs Augen Strahlkraft über die Hauptstadt hinaus: „Das ist der größte Wurf der letzten Jahre. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung der Vision von der gebührenfreien Stadt.“ Ich fürchte allerdings, nicht nur die Kommunen werden ihm was husten, zumal so ziemlich jeder Bürger in helle Panik gerät, wenn die SPD visionäre Ideen formuliert…

    Nun sollte der geneigte Leser nicht etwa annehmen, die SPD und insbesondere Frau Nahles seien nicht in der Lage, ihre potentiellen Wähler mit Argumenten dermaßen zu beeindrucken, dass sie wahrscheinlich die Partei für die nächsten 30 Jahre vollkommen aus dem Gedächtnis zu streichen. So bezeichnete sie den Landesmindestlohn von 12,63 Euro die Stunde und die Zulage von monatlich 150 Euro ab 2020 als ein herausragendes Ergebnis der „Denkfabrik der Kleingeister“. Nun ja, ich würde es als Ziel bezeichnen, aber das kennen wir ja.

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    Die Begründung, dass jene Innovation bezahlbar sei, könnte man getrost als Super-Gag in jeder Comedyshow zum Besten geben. O-Ton: „Nach Jahren eines harten Sparkurses, der von einem rot-roten Senat unter Führung des damaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) umgesetzt worden war, wurde der Haushalt konsolidiert.“ Genau mein Humor – vor allem, wenn man an den neuen Flughafen denkt.

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