Skandalautor Houellebecq outet sich als Trump-Fan

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Michel Houellebecq spielte lange Zeit die literarische Begleitmusik zum Ende der abendländischen Kultur: Romane wie „Elementarteilchen“ (1998) waren die provokante Absage an eine Gegenwart, die für ihn durch Materialismus und seelenlose Pornographie geprägt waren. Ein gigantischer Scherbenhaufen, der den Einzelnen entweder in die Psychiatrie oder in zynische Distanz trieb. In seinem letzten Roman, „Unterwerfung“(2016), gelangte eine islamische Partei in Frankreich die Regierungsmacht, weil das zerstörte Abendland der vitalen Religion des Orients nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Aktuelle Interviews aber verraten eine Wende bei dem französischen Autor, einen neu entstandenen trotzigen Widerstand. So hoffte er in seiner Dankesrede für den Oswald Spengler-Preis auf eine Wiedererstarkung des Katholizismus. In Frankreich fänden sich bereits erste Signale.

Jetzt hat sich Houellebecq außerdem als Fan des US-Präsidenten Donald Trump geoutet. Der sei „einer der besten amerikanischen Präsidenten, die ich jemals gesehen habe“, schreibt der 62-Jährige in einem Essay für das New Yorker Harper’s Magazine. Im Gegensatz zu dem Maler Jonathan Meese, der Trumps Auftritte als große Performance-Kunst bezeichnet hatte, hält Houllebecq ihn zwar für einen „schrecklichen Clown“, aber in Sachen Außenpolitik lässt der Franzose nichts auf ihn kommen.

Dabei hebt Houellebecq vor allem Trumps protektionistische Handelspolitik und dessen Verachtung für die EU hervor. Auch der harte, aber erfolgreiche Umgang mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un erregt sein Wohlwollen: „Es scheint, dass es Präsident Trump sogar gelungen ist, den nordkoreanischen Irren zu bändigen; ich fand diese Heldentat in einem positiven Sinn edel.“

Houellebecq konstatiert: „Die Vereinigten Staaten sind nicht länger die führende Macht der Welt.“ Das müsse für US-Bürger „nicht notwendigerweise eine schlechte Nachricht sein“, aber für die restliche Welt sei es in jedem Falle eine „gute Nachricht“. Denn dieser Machtverlust hat zur Folge: „Die Amerikaner lassen uns existieren.“ Dabei erhofft der Autor von Trump noch eine weiterreichende Destruktion des alten Machtapparates: Ein Ende der Nato wäre jedenfalls ein „neuer Grund, ein Loblied auf Präsident Trump zu singen“.

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