Schluss mit dem „too big to fail“. Kein Steuergeld mehr zur Rettung von Spekulantenbanken – das ist eines der Anliegen der Vollgeld-Initiative, worüber die Schweizer am Sonntag abstimmen werden. Künftig soll allein die Schweizerische Nationalbank (SNB) Geld schöpfen können, den Privatbanken wird der Hahn für die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ abgedreht.

    Am Sonntag liegt es in der Hand des Souveräns, die langersehnte Zeitenwende einzuleiten. Heute gelten nur Münzen und Banknoten als Vollgeld und als gesetzliches Zahlungsmitel. Allein das sind bloß zehn Prozent der Geldmenge M1. 90 Prozent sind elektronisches Buchgeld, sogenanntes Giralgeld, welches die Privatbanken per Mausklick am Computer erschaffen können.

    Ein Privileg, welches abgeschafft gehört, denn durch diese Geldschöpfungs-Mechanismus aus dem Nichts verschaffen sich die Banken Vorteilnahme zur Finanzierung ihrer eigenen Geschäfte, seien es Kredite, Immobilien, Aktien etc.). Ein Unternehmer muss dafür hart arbeiten, damit er seine Zinsen auf einen allfälligen Kredit bezahlen kann, und der Staat verschuldet sich bei diesen privaten Geldschöpfern ad libitum. 73 Prozent der Schweizer glauben, dass es sich bei ihren Guthaben auf einem Bankkonto um echte Schweizer Franken handle. Habakuk – ein Trugschluss erste Güte.

    Ein Konto repräsentiert bloß eine Forderung des Kunden bzw. ein Versprechen der Bank auf echte Franken, aber es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Genau diesem Umstand will die Vollgeld-Initiative den Garaus machen, indem sie verlangt, dass inskünftig allein die SNB das zu 100 Prozent das Recht habe, Geld zu schöpfen – inklusive das Giralgeld. Das ist neu!

    Privat-Konten werden auf Vollgeld umgestellt und erhalten somit den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Damit werden die Privatbanken zurückgestuft auf ihre ursprünglichen Geschäftsfelder: Dienstleiter im Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung etc. Die Vollgeld-Initiative folgt hier bloß der ursprünglichen Intention der Bundesverfassung, in der bereits 1891 in Art. 36 heute in Art. 99 festgehalten wird: „Das Geld und Währung Sache des Bundes ist.“

    Die SNB steuert allein die Geldmenge und bringt das Geld schuldfrei in Umlauf. Mit der Umstellung auf Vollgeld erhöhen sich die Bankkredite bei der SNB bis zur Höhe der M1 (Schweiz 488 Mia. CHF – Stand 2016). Die Guthaben der Banken bei der SNB betragen 412 Mia. CHF. Weil diese nach der Vollgeld-Umstellung hinfällig sind, können sie zur Tilgung herangezogen werden.

    Per Saldo verbleiben 76 Mia. CHF, welche als Überbrückungs-Kredite benötigt werden, die in zehn bis 20 Jahren zurückgefahren werden müssen. Die SNB übernimmt im Moment der Umstellung alle bisherigen Giralgeldverbindlichkeiten der Banken und verpflichtet sich damit, den Bankkunden anstelle von Banken-Giralgeld Vollgeld auszuzahlen. Diese Auszahlung erfolgt sofort, damit die umlaufende Geldmenge nicht vermindert wird, und sie erfolgt auf Geldkonten außerhalb der Bankbilanz, also auf Konten, auf die die Bank keinen Zugriff mehr hat.

    Für die Bankkunden ist diese Umstellung äusserst relevant: Sie sind jetzt im persönlichen Besitz von gesetzlichen Zahlungsmitteln in der Höhe ihrer bisherigen Sichtkonten, die vor der Umstellung bloße Geldversprechen der Bank, aber kein gesetzliches Zahlungsmittel waren. Die SNB erhält das Monopol zur Geldschöpfung und versorgt Bund, Kantone sowie die Wirtschaft mit ausreichend Kredit. Durch das Seigniorage-Geschäft (Erlös aus der Geldherstellung) erhält die SNB zusätzliche fünf bis zehn Milliarden pro Jahr, die sie an Bund, Kantone sowie als Bürger-Dividende auszahlen kann.

    Vollgeld ist sicheres Geld und die Realwirtschaft erhält Vorrang vor der Finanzspekulation. Anfang der 90ger Jahre belief sich das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) der Welt auf rund 23 Billionen USD. Die Finanzanlagen beliefen sich auf zwei Billionen USD. 2010 erreichte das BIP aller Staaten rund 63 Billionen USD, während in der völlig unproduktiven Finanzwirtschaft sage und schreibe 600 Billionen gebunkert waren.

    Innerhalb von zwei Dekaden hat sich das Verhältnis von produktivem Geld zu unproduktivem Geld von 10:1 zu 1:10 verändert. Heute geht das Gros der Investitionen in die unproduktive Finanzspekulation bloss ein fünftel der Bankenkredite kommt in der schweizerischen Realwirtschaft an. Banken können nach Annahme der Vollgeld-Initiative bloss noch mit dem Geld herumspekulieren, wenn der Konto-Inhaber effektiv damit einverstanden und bereit ist deren Risiko mitzutragen.

    Als eine Art von Vollgeld-Bank funktioniert bereits heute die Postfinance mit einem Jahresgewinn 600 Mio. CHF. Die Vollgeld-Initiative stellt sicher, dass mit dem alleinigen Privileg der Geldschöpfung druch die SNB sicher, dass echtes Geld schuldfrei in Umlauf kommt und rückt damit das Primat der Realwirtschaft wieder in den Vordergrund. Das führt zur allgemeinen wirtschaftlicher Entlastung und schont vielfältige Ressourcen.

    Die Geldschöpfung der Privatbanken wird verboten – es wird ihr auf elegante Weise den Boden unter den Füssen weggezogen. Spekulation wird es zwar noch geben, doch allein mit Einverständnis des Kunden. Seit 2011 bereitete sich der überparteiliche Verein, Vollgeld-Initiative / Monetäre Modernisierung auf diesen Abstimmungs-Sonntag vor, nachdem im Dezember 2015 mit 110.000 beglaubigten Unterschriften die Vollgeld-Initiative bei der Bundeskanzlei deponiert werden konnte.

    Der 23 hochkarätige wissenschaftliche Beirat sowie die gesamte Crew haben hervorragende Aufklärungsarbeit geleistet bezüglich dieses komplexen Themas Umstellung von Schuld- auf Vollgeld und den mannigfachen wirtschaftlichen Konsequenzen. Ein weiter wie bisher das wollen Bund und Parlament. Die Vollgeld-Initiative wurde von der politischen Elite nicht ernst genommen. Thomas Jordan und Serge Gaillard machten sich während der Abstimmungs-Kampagne lächerlich mit falschen Initiative-Angaben.

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    Die Gegner wollten sogar weismachen, dass 2008 nicht die Banken die Verursacher des Crahs waren, sondern bloß anverwandte Kreise… Als ob diese nicht miteinander verbandelt wären? Gemäss dem Motto: “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“ Es ist zu hoffen, dass sich die Mehrheit der Schweizer durch haarsträubende Fehlinformationen zur Vollgeld-Initiative nicht beirren lässt und am Sonntag trotzdem ein schönes JA in die Urne wirft.

    So schnell kommt diese Chance nicht wieder – endlich sicheres Geld auf seinem Konto zu haben und nicht bloss ein unsicheres Zahlungsversprechen von nachweislichen Gangster-Banken. Kommt es zum Paradigma-Wechsel?

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