Saudis scheitern mit ihrem schmutzigem Krieg im Jemen – Separatisten erobern Präsidentenpalast von Aden

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Saudi-Arabien ist der Höhe seiner Militärausgaben nach eine Supermacht – hinter den USA und der Volksrepublik China liegt das Land auf Platz drei vor Indien, Frankreich und Russland. Seit dem März 2015 erweist es sich aber als völlig unfähig, seine militärischen Ziele im Nachbarland Jemen durchzusetzen. Jetzt haben die Vereinigten Arabischen Emirate, mit denen die Saudis im Jemen in einer Kriegskoalition verbunden sind, mit ihrem Teilrückzug den Separatisten den Weg zur Eroberung des Präsidentenpalastes in der Hafen- und Übergangshauptstadt Aden freigemacht.

Wer den blutigen Krieg verstehen möchte, der heute im Jemen tobt, der muss in der Geschichte des Landes einige Jahrzehnte zurückgehen. Im Jahr 1990 wurde seine Spaltung in eine eng an den einstigen sozialistischen Ostblock ausgerichtete „Demokratische Volksrepublik Jemen“ mit der Hauptstadt Aden und die „Jemenitische Arabische Republik“ mit der Hauptstadt Sanaa überwunden.

Stammeskriege statt Einheit

Eine glückliche Geschichte hat das Land, das an der Südspitze der arabischen Halbinsel liegt, seither allerdings nicht erlebt. Was vor allem daran lag, dass es nie gelang, ein gemeinsames Gefühl der nationalen Loyalität zu entwickeln, sondern Stammesrivalitäten ausschlaggebend blieben. Ein echtes Zusammenwachsen der auch ethnisch und konfessionell recht unterschiedlichen Landesteile blieb in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten aus.

Schon ab Juni 2004 nahmen die innerjemenitischen Auseinandersetzungen mit dem sogenannten Aufstand der Huthi bürgerkriegsähnliche Züge an. Die Huthis sind der militärisch-politische Arm der Zaiditen, einer schiitischen Glaubensrichtung, die im Vergleich zu den jemenitischen Sunniten stets als vergleichsweise gemäßigt und liberal galten, und die sich durch den zunehmenden Einfluss der von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Fundamentalisten unterdrückt und marginalisiert fühlten.

Eine geplante Föderalisierung des Landes scheiterte, da den Huthi dabei ein isoliertes Gebiet im Norden des Landes ohne Zugang zum Meer zugewiesen wurde. Im September 2014 gelang es 30.000 Huthi-Kämpfern, die Hauptstadt Sanaa einzunehmen und den Staatspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi abzusetzen.

Der Siegeszug der Huthis

Der Vormarsch der Rebellen war dabei so erfolgreich, dass es diesen gelang, große Teile des Jemens zu kontrollieren. Zu Beginn des Jahres 2015 drohte mit Aden auch der zweiten wichtigen Stadt des Landes die Eroberung durch die Huthis, und der abgesetzte Präsident Hadi setzte sich ins saudische Exil ab.

In Riad war man über die Entwicklung im Nachbarland hochalarmiert und sah sich sogar „vom Iran umzingelt“, da man von einer iranischen Unterstützung des Huthi-Aufstands ausging. Dies führte ab dem 26. März 2015 zu einer von Saudi-Arabien angeführten Militärintervention unter dem Namen Operation Decisive Storm (zu deutsch: „Operation Sturm der Entschlossenheit“), an der sich auch Ägypten, der Bahrain, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Marokko, Sudan und der Senegal beteiligten und die von den USA, Frankreich und Großbritannien logistisch unterstützt wurde.

Am 14. April 2015 nahm der UN-Sicherheitsrat bei einer Enthaltung Russlands die umstrittene Resolution 2216 an, mit der ein Waffenembargo gegen die Huthis verhängt und diese dazu aufgefordert wurden, die besetzten Gebiete zu räumen.

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Kurz nach dieser Resolution reichte der UN-Sondergesandte für den Jemen, Jamal Benomar, seinen Rücktritt ein und machte die unnachgiebige Haltung der Golfstaaten um Saudi-Arabien dafür verantwortlich, dass alle seine Vermittlungsversuche in dem Konflikt gescheitert waren.

Ein Land wird in Schutt und Asche gelegt

Noch weiter ging die französische Sektion der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. Sie erhob den Vorwurf, dass der saudisch geführten Militärkoalition mit der UN-Resolution 2216 ein „Blankoscheck“ präsentiert worden sei: Nämlich „die gesamte Infrastruktur, die den Rebellen einen militärischen Vorteil bieten könnte, zu bombardieren“. Dazu zählten Straßen, Flughäfen, Häfen und Tankstellen, zudem das Verhängen von Restriktionen über den Luft- und Seehandel, die in rapider Weise dazu führten, dass das ganze Land von der übrigen Welt isoliert wurde. Es sei „überdeutlich, dass sich die Resolution das falsche Ziel ausgesucht“ habe.

Außerdem sollen alleine die Vereinigten Arabischen Emirate bis zu drei Milliarden US-Dollar für Söldner ausgegeben haben, die teilweise durch US-amerikanische Unternehmen bereitgestellt wurden.

Trotz dieses riesigen militärischen und finanziellen Einsatzes hat der Krieg im Jemen zu praktisch noch gar keiner Änderung der Lage im Land selbst geführt, auch wenn die Operation Decisive Storm schon lange formal durch die Operation Restoring Hope abgelöst wurde.

Abgesehen davon, dass zumindest der Fall Adens verhindert werden konnte, halten die Huthi-Rebellen immer noch weite Teile des Landes. In anderen Regionen dominieren nach wie vor islamistische Terrororganisationen wie der „Islamische Staat“ (IS) und al-Qaida, wobei ausgerechnet die mit westlicher Unterstützung bekämpften Huthi-Rebellen diejenige Kraft sind, die sich dem organisierten islamistischen Terrorismus am entschlossensten entgegenstellen.

Was hinter der Rochade der Emirate steckt

In der saudi-arabischen Führung kann man den bislang ergebnislosen Verlauf des Krieges gar nicht anders als schwere militärische Demütigung ansehen. Seit einigen Wochen zeichnet sich nun eine Wende in dem Krieg ab, aber nur deshalb, weil die Vereinigten Arabischen Emirate, die über eine der schlagkräftigsten Armeen in der Region verfügen, sich aus dem Jemen zurückziehen.

In Abu Dhabi hat man offensichtlich erkannt, dass die Golfstaaten nicht in der Lage sind, die Verhältnisse im Jemen in ihrem Sinne zu regeln, und daraus die Konsequenzen gezogen. Außerdem gibt es einen weiteren Grund für den Rückzug, der allerdings recht beunruhigend ist: Die Emirate wollen einen Mehrfrontenkrieg vermeiden, falls es zu einem Waffengang gegen den Iran kommen sollte.

Erst der Rückzug der VAE hat die separatistischen Südkräfte in die Lage versetzt, den Präsidentenpalast in Aden unter relativ geringen Verlusten einzunehmen. Saudi-Arabien steht wieder einmal als der Gelackmeierte da, denn bislang war man mit den Separatisten verbündet.

Der Krieg im Jemen hat in den vergangenen vier Jahren gezeigt, wie fatal sich die bedingungslose, aus ökonomischen Motiven gespeiste Treue des Westens zu Saudi-Arabien auswirkt, das sich im Grunde genommen alles erlauben kann wie etwa einen Nachbarstaat in Schutt und Asche legt – aber trotz gigantischer Militärausgaben nicht in der Lage ist, ein relativ kleines Land zu befrieden.

Der nun zumindest weitgehend erfolgte Rückzug der Emirate aus dem Land muss dabei nichts Gutes bedeuten, denn möglicherweise will Abu Dhabi bloß seine Kräfte für einen bevorstehenden Krieg mit dem Iran bündeln.

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10 Kommentare

  1. Avatar
    DerSchnitter_Maxx am

    Auch so ein xxx … mit zuviel Spiel-Geld, aber Null Industrie, Null Innovationskraft und Null Nutzen … etc. 😉

  2. Avatar

    Die Abfüllung von einem Fass Rohöl kostet die Saudis 5 US$!!! Verkauft wird es dann für 50$!
    Und wir Benzinverbraucher finanzieren so deren Kriege und sonstige "Aktivitäten" wie zB. die
    Einführung des Islam in die EU, speziell BRD! Eine größere Verblödung ist nicht mehr möglich!

  3. Avatar

    **EILMELDUNG**

    Russland fordert YouTube dazu auf, auf der Plattform hochgeladene Videos, die auf nicht genehmigten Demos gedreht wurden, zu löschen!

    Selbst COMPACT ist diese Meldung peinlich. Putin, der Zensor, der gegen Meinungsfreiheit zu felde zieht, ist nun gar nicht das Image, das man transportieren will. Also schweigt COMPACT und ignoriert die Demos in Moskau und Hong Kong. Einfach nur erbärmlich.

    • Avatar
      Lila Luxemburg am

      Was willst du denn? DU berichtest doch darüber. Auf COMPACT. WIR dagegen … dürfen auf EUREN medialen Plattformen (TAZ bis FAZ) UNSERE Meinung/Informationen nicht mal in den Kommentaren veröffentlichen. Einfach nur erbärmlich.

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    Unterschätze die Saudis nicht, das sind Schlitzohren. So könnten sie durch einen Rückzug die Bündnisse im Jemen auseinandertreiben und damit schwächen. Bei einem gemeinsamen Feind halten sie zusammen, ist der nicht mehr da, gehen sie aufeinander los.

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    So sind die angeblich wahren Gläubigen.
    Erst bringen Sie sich gegenseitig um , und dann in Deutschland Asyl zu beantragen.
    Sie können dann hier weitermachen , den die BRD braucht jede Art von Fachkräften.
    ROT-ROT-GRÜNEN machen das schon.

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      heidi heidegger am

      Die hessischen GRÜNEn haben gleich ein ganzes Polit-Ehepaar *herangezüchtet* und die haben auch noch 2 Kinder. Nun hamma 4 Offenbach-Jemeniten äh jemenitische Offenbacher, die nun bald (haha!) hoffentl. und endlich ganztägig im Heimatland ihrer Eltern bzw. Großeltern zum Frieden beitragen:

      — Viel ist nicht über sie bekannt: Sie heißt Bushra Barakat und hat genau wie ihr Mann Tarek Al-Wazir (hessischer Wirtschaftsminister) Wurzeln im Jemen. Sie ist ebenfalls für die Grünen in … — *würg*

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        Lila Luxemburg am

        "Sie heißt Bushra Barakat und hat genau wie ihr Mann Tarek Al-Wazir (hessischer Wirtschaftsminister) Wurzeln im Jemen. Sie ist ebenfalls für die Grünen…"

        WO ist sie für die GRÜNEN? Im Jemen?

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        heidi heidegger am

        — Unsere Kandidatinnen und Kandidaten – Grüne Offenbach
        httpssssst:gruene-offenbach.de/…2016/unsere-kandidatinnen-und-kandidaten/
        36 Jahre alt, Sekretärin. #42 Hubert Braun. 62 Jahre alt, Arzt. #43 Bushra Barakat. 45 Jahre alt, Expertin für Entwicklungszusammenarbeit. #44 Kamil Uzum. —

        was zum fick haben wir im Jemen zu entwickeln, häh? Ne Bierbrauerei kömma da eh nicht etablieren usw. achach

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