Requiem für einen Bettler

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Bericht aus einem Land, in dem wir gut und gerne leben…

Erloschene Lampen, vertrocknete Blumen, Graffiti und Dreck: Nein, das ist keine Müllhalde, sondern eine Gedenkstätte. Errichtet unter der U-Bahnstation Frankfurter Allee, Berlin Lichtenberg. Gewidmet einem Bettler, der dort seinen Stammplatz hatte.

Keine Zeitung, kein Lokalteil schrieb über diesen Tod. Und niemand kümmert sich um die Installation, die Unbekannte ihm gewidmet hatten (Foto). Schon nach wenigen Wochen völlig verwahrlost. Bald hat die Stadtreinigung alle Reste beseitigt und nichts wird jemals dort gewesen sein. Kein Lampe, kein Mensch.

Bis vor wenigen Tagen hing am Bettgestell ein Zettel,  durch Plastikfolie geschützt. Nur baumelndes Klebeband weist noch darauf hin. Darauf stand, in vier, fünf Sätze gepresst, die Kurzbiographie des Verstorbenen. Ich zitiere aus dem Gedächtnis.

Der Mann, der hier um milde Gaben bat, hieß Waldemar. Nachname unbekannt. Vor wenigen Wochen starb er, nach schwerer Krankheit, mit 51 Jahren. Sein Krankenbett unter der dunklen, kalten S-Bahnbrücke bestand aus Matsch und Vogelscheiße.

Im frühen Leben war er selbständig, schlug sich durch. Aber irgendwann brach das letzte Standbein weg und der Absturz begann.

„Aber wieso gleich obdachlos? Weshalb ging er nicht zum JobCenter? Niemand muss heute mehr auf der Straße enden“, werden Sozialdemokraten einwenden.

Aber was wissen wir, welche Verzweiflung, welche Depression, welche Ängste, welche Müdigkeit ihn davon abhielten! Kein Mensch ist nur halb so rational, wie wir es von anderen erwarten. Aber eines wissen wir sicher: Kein Mensch lebt freiwillig in solchem Elend. Kein Mensch stirbt freiwillig an einem solchen Ort.

Besucher des anliegenden Shopping-Centers können aufatmen: Nie mehr wird Waldemar ihnen durch ein leises „Bitte“ oder einen traurigen Blick den Einkaufsspaß vermiesen. Auch ich habe ihn früher dort gesehen. Mehrmals. Vielleicht gab ich ihm sogar ein paar Cent. Aber sein Gesicht, das habe ich mir nie gemerkt. Nicht wichtig genug…

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25 Kommentare

  1. dezentrale Anti-Berlin-Bewegung am

    Es bleibt schwierig für Obdachlose;

    Wer obdachlos ist kann nicht

    – wählen
    – kein Hartz4 beziehen
    – kein Wohngeld beantragen
    – kann keine Krankenbeihilfe beantragen
    – usw.

    so irre sind die Gesetze der Kommunen für den obdachlos gewordenen Menschen;

    aber "diese Gesetze" machen für die Kommunen, Gemeinde- oder Stadträte und Bürgermeister Sinn,
    denn so kann man viel Geld für die eigene Gemeindekasse sparen und dann für sich selber ausgeben;

    – für Obdachlose gibt es dafür eine Woche Taschengeld mit
    der Bedingung dann wieder weiterzuziehen

    Dies ist das Sozial-Konzept für deutsche Obdachlose;
    es gibt auch gemeindliche und städtische Praktiken wie man einem Obdachlosen
    das Grundrecht der Wohnsitzwahl streitig machen kann;

    und das ist die eigentliche Lücke !

    Alles andere – was Partei-Angehörige – jeder beliebigen Partei – zu dieser sozialen Grauzone daher-quaken ist – ausweichende Selbstverschönerung;

    selbst die LINKE steht in dieser Frage sozial betrachtet in der Unterhose auf der Matte.

    denn gerade in der Frage dieser Grauzone – muss kein Politiker die Wahrheit sagen,
    ganz einfach aus dem Grund, weil die Obdachlosen keine Lobby haben;

    wo kein Kläger, kein Richter und dann wird auch keine politische Wahrheit mehr aufgewendet;

  2. brokendriver am

    Den beiden Ex-Volksparteien CDU und SPD haben wir es zu verdanken, daß es Armut, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland gibt.

    Sie regieren seit 1949 und haben dieses Land runter gewirtschaftet – moralisch und politisch.

    Diese Berliner Laiendarsteller handeln gegen das deutsch Volk.

    Spätestens seit der muslimischen Masseninvasion sollte es auch der Letzte gemerkt haben…

    Wir sind zu einem Volk ohne Regierung geworden.

    CDU und SPD regieren nicht, sie verwalten lediglich ihre Interessen und Diäten.

    Zum Wohle des deutschen Volkes, wie es im Grundgesetz steht, handeln sie nie….

    • Sehr gut ausgedrückt. Meine volle Zustimmung. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen.

  3. Herbert Weiss am

    Als ein seit paar Minuten 63-jähriger: 51 Jahre sind zum Abkratzen entschieden zu jung!

    Mach’s gut, Waldemar! Ich hoffe doch sehr, dass Dir dort, wo Du jetzt bist, ein besserer Platz beschieden ist, als in diesem von Elend, aber auch von Egoismus und Gleichgültigkeit geprägten Jammertal.

    Und euch Kleingeistern und Ich-Menschen, denen das Los von Waldemar und seinen Leidensgenossen am Achtersteven vorbeigeht, wünsche ich, dass euch das Leben eine kalte Dusche vom Feinsten verpasst, damit ihr endlich zur Besinnung kommt, bevor euch der Böse holt!

      • Marques del Puerto am

        egal, ab 60 gehts wieder rückwärts mit zählen, bin jetzt auch wieder 22 .

        Waldemar, weils nicht im Wald geschah sondern unter uns in Berlin Lichtenberg.
        Wo auch immer Waldemar jetzt ist , der Abgang war nichts was man seinem bösen Nachbarn wünscht.
        Am Ende des Lebens mit 51 Jahren geht es auf die grüne Wiese.
        Eine Bestattung vom Ordnungsamt ist nichts dolles. Keine Feier, keine Trompeten oder Posaunen, auch keine Salutschüsse, kein Gedenken, keine Trauer, keine Ansprache nichts von alledem war für Waldemar über.
        Es gab eine Holzkiste für 197 Euro inkl. Verbrennung und dann holte ein Mitarbeiter von Hartmut Woite den Sammeltransport mit mehreren Urnen und auch eine Waldemar Urne ab.
        Das Loch wurde von der Friedhofsverwaltung schon vorbereitet, da ging es rein und Erde drüber. Einer weniger und viele folgen dem gleichen Trauerspiel in einem so reichen Land was aber für die Menschen am Boden nichts über hat.

  4. Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen, da sind sie alle gleich : Die Funktionärskaste aus dem Osten, die Nazis und die SPD (Müntefering). Tote auf den Straßen, das ist letztendlich das Resultat, ob in Friedrichshain, in Mitte oder in Reinickendorf. Der Staat in dem die Bonzen gut und gerne leben.

  5. Manfred aus München am

    @Michael Höntschel
    tja, diejenigen die es begriffen haben sind leider immer noch in der Unterzahl. Und ich sehe es in meinem eigenen Umfeld … selbst kritische Geister sind mit ihrem eigenen Leben so beschäftigt dass sie keine Energie mehr haben, um sich auch noch eingehend mit unserer desaströsen Politik zu befassen. Bei der malochenden Bevölkerung sind die Akkus einfach leer … sie haben nicht mehr die Kraft diesen Ars******ern die Tür zu zeigen. Sie kommen völlig fertig von der Arbeit nach Hause und gehen diesen Themen aus dem Weg, weil es ihnen, ausgelaugt wie sie sind, den Rest geben würde. Was tun sie also … sie hocken sich vor den Fernseher und lassen sich abschließend noch mit Propaganda-Gülle vollkübeln, dabei müssen sie sich nicht mehr anstrengen … ist alles in kleine verdauliche Häppchen gegliedert und mit schöner Musik, hübschen Menschen, wunderbaren neuen Artikeln, die man sich unbedingt bald besorgen muss, unterlegt. Dekadentes Westfernsehen, jetzt auch im Osten zu haben, schöne neue Welt … nur nachdenken sollte man nicht. Es läuft halt doch auf Lernen durch Schmerzen hinaus, hilft nix. Aber es gibt auch eine gute Seite … wenn die NWO Pläne abgewickelt sind, werden diejenigen die es überlebt haben, reichlich Zeit zum Nachdenken haben, was schiefgelaufen ist …

  6. marlene ott am

    merkel hat es nicht geschafft, sich um die eigenen leute zu kümmern, um davon abzulenken lässt sie sich als engel der flüchtilanten feiern – die arbeit sollen andere machen

  7. Archangela Gabriele am

    Lange Zeit bun ich täglich an Obdachlosen vorbeigekommen, als ich noch in Hamburg über den Jungfernstieg zur Arbeit ging. Obdachlosigkeit muss sehr viel differenzierter betrachtet werden. Ich habe damals viele Obdachlose kennen gelernt.

    Viele halten die Mütze hin oder stellen die Schale auf, während sie ihren Rausch ausschlafen, um Geld für neue Drogen zu sammeln. Wenn man sie anspricht, lallen sie nur noch. Wenn man Ihnen ein Brötchen oder etwas anderes zu essen gibt, schauen sie einen nur ungläubug an. Oft lehnen sie ab, weil sie Geld wollen. Denen ist weder mit Almosen, noch mit Wohnung und "Stütze" zu helfen. Die brauchen eine Therapie.

    Dann gibt es Obdachlose, die entweder aus einer gescheiterten Selbständigkeit oder Beziehung (hauptsächlich Männer) obdachlos geworden sind. Die sind häufig nicht sehr lange obdachlos. Denn die kommen wieder auf die Beine, wenn sie es wollen. Sobald sie selbst Initiative zeigen, werden sie auch staatlicherseits unterstützt, aus dem Kreislauf
    Keine Wohnadresse -> keine Arbeit, keine Arbeit -> keine Wohnung
    herauszukommen.

    Ich habe aber viele gesprochen, die angeben, nur obdachlos völlig frei zu sein. Niemand kann und darf ihnen raten, aus dem Milieu herauszukommen. Das wird als Bevormundung empfunden und – alkoholisiert- auch lautstark und manchmal rabiat kundgetan. Wie denen zu helfen ist, bin ich völlig ratlos.

    • Archangela Gabriele am

      Seit 2015 ist die Zahl der Obdachlosen extrem gestiegen, weil z. T. Wohnungen einfach gekündigt wurden, um mit Asylbewerbern mehr Geld zu machen. Aber auch anerkannte Asylanten finden z. T. keine Wohnung, wenn sie aus den Bewerberheimen entlassen werden.

      Es müsste eine staatliche Stelle für die Unterbringung von Obdachlosen geben, die jeden einzelnen Fall aufspürt und registriert. Es stehen doch inzwischen genügend Asylbewerberunterkünfte leer. Ein solches Programm wäre ein Anfang. Dazu bedarf es erheblicher Planung.

      Zur Krankenversorgung. Niemand, der der Hilfe bedarf, darf von einem deutschen Krankenhaus abgewiesen werden. Allerdings muss er dort auf der Matte stehen, sitzen oder liegen.

  8. Ich bin kein Sozi und hätte doch das gleiche gesagt,zunächst.Denn es gibt nun mal Menschen,die psychisch völlig außerstande sind,sich im Mindesten durchzusetzen. Solche Menschen,die deswegen zum Penner werden,würde ein Sozialstaat,der es ernst meint,einsammeln und zwangsweise im betreuten Wohnen in Lagern unterbringen,wenigstens im Winter. Aber dieser Staat beschäftigt sich lieber mit importierten Obdachlosen.

  9. Kalle Blomquist am

    Jeder Obdachlose lebt freiwillig auf der Straße. Jeder würde eine Unterkunft bekommen wenn er will. Eigene Entscheidung. Fragen sie das Personal welches sich um diese Menschen kümmert.
    Jeder wird ihnen bestätigen das diese Menschen fast immer Hilfe zu einer Unterkunft ablehnen.

  10. Karl Blomquist am

    Merkel: "Ein Land, in dem wir gut und gerne leben":
    Xinhua: „Merkels Ende und Deutschlands traurige Zukunft“

    Gefunden in Sputniknews: Chinesen spotten über Merkel
    Quelle: chinanews.com
    默克尔 组阁陷绝境 德国政局前路堪忧 2017年11月20日 18:51
    In China wird sie „Baizuo“ genannt, naiver weißer Gutmensch. Die chinesische Führung weiß natürlich, dass die FDJ-Agitprop-Sekretärin (Stasi-Spitzel) eine Hochfinanz-Handpuppe ist, die für die Neue Weltordnung und den Großen Austausch agitiert. China findet das was Deutschland bevorsteht traurig, es ist auf unserer Seite. China hat begriffen:

    默克尔 必须 去 !
    Mòkèěr bìxū qù!
    Merkel muss weg!

    • DerSchnitter_Maxx am

      @Blomquist – "Merkel muss weg", sollte man abändern in: "Locht sie ein!" – "Locht Merkel ein!" – "Merkel einlochen!" oder "Merkel muss eingelocht werden!"

    • @Karl B. :Allerhand,chinesisch hätte Ich ihnen,Angesichts der meisten ihrer Beiträge,gar nicht zugetraut. Merkel ist nicht naiv,die Hochfinanz kann naive Prokuristen nicht gebrauchen.

      • Marques del Puerto am

        Tacho SOKRATES, schön Sie wieder am Start zu haben. Jutes Neues noch.

        Da können Sie mal sehen wat Kalle ois druff hat woha ?!
        Mit Merkel das stimmt, die versteht es nur deppert auszusehen und gibt sich große Mühe das zu projizieren, aber in Wirklichkeit hat die gar ihre hellen Momente.

        Mit besten Grüssen

  11. „Aber wieso gleich obdachlos? Weshalb ging er nicht zum JobCenter? Niemand muss heute mehr auf der Straße enden“, werden Sozialdemokraten einwenden.

    Sicher, sicher. Da hätten ihm die Krümelscheißer vom Amt gleich seine paar erbettelten Euros von der Stütze abgezogen und noch einige "erzieherische" Ratschläge gegeben. Warum bekommen solche Kackhaufen eigentlich nie ihre eigene Medizin zu fressen???

  12. DerSchnitter_Maxx am

    Heiko Maaßlos würde jetzt sicher sagen: "Deutsche Bettler, gab es auch vorher schon !"

  13. EX-SPD Mitglied am

    Im Schwarzen Kanal der DDR wurde darüber berichtet.

    Der Schwarze Kanal war für SED Organe Pflichtprogramm.

    Auch die Genossin Dr. Angela Merkel muss davon gewußt haben.

    Die Deutsche Nationalhymne spricht von brüderlich.

    Die sozialistisch erzogenen Genossin Angela Merkel hatte genug Zeit den Waldemars unter uns zu helfen.

    Die Banken und die Flüchtlinge sind ihr offenkundig wichtiger!

    Frau Dr. Angela Merkel ist nach meiner Meinung eine Wendehälsin.

    • Michael Höntschel am

      EX-SPD Mitglied, mich stört der Begriff "Wendehals". Wann stellten sie bitte ein Wenden fest? Als EX-DDRler fühle ich mich schon fast wieder heimisch. Alte DDR-Tugenden, wie Misstrauen, Konspiration und Solidarität veschaffen uns "Ossis" heute einen Vorteil. Wir wissen genau was kommt, allerdings wird es diesmal schlimmer, denn wenn der Sozialstaat zusammenbricht kann man verhungern, erfrieren oder man wird beim Verteilungskampf abgestochen.

      • Manfred aus München am

        @Michael Höntschel
        tja, diejenigen die es begriffen haben sind leider immer noch in der Unterzahl. Und ich sehe es in meinem eigenen Umfeld … selbst kritische Geister sind mit ihrem eigenen Leben so beschäftigt dass sie keine Energie mehr haben, um sich auch noch eingehend mit unserer desaströsen Politik zu befassen. Bei der malochenden Bevölkerung sind die Akkus einfach leer … sie haben nicht mehr die Kraft diesen Ars******ern die Tür zu zeigen. Sie kommen völlig fertig von der Arbeit nach Hause und gehen diesen Themen aus dem Weg, weil es ihnen, ausgelaugt wie sie sind, den Rest geben würde. Was tun sie also … sie hocken sich vor den Fernseher und lassen sich abschließend noch mit Propaganda-Gülle vollkübeln, dabei müssen sie sich nicht mehr anstrengen … ist alles in kleine verdauliche Häppchen gegliedert und mit schöner Musik, hübschen Menschen, wunderbaren neuen Artikeln, die man sich unbedingt bald besorgen muss, unterlegt. Dekadentes Westfernsehen, jetzt auch im Osten zu haben, schöne neue Welt … nur nachdenken sollte man nicht. Es läuft halt doch auf Lernen durch Schmerzen hinaus, hilft nix. Aber es gibt auch eine gute Seite … wenn die NWO Pläne abgewickelt sind, werden diejenigen die es überlebt haben, reichlich Zeit zum Nachdenken haben, was schiefgelaufen ist …

    • Harald Kaufmann am

      EX-SPD Mitglied

      "Frau Dr. Angela Merkel ist nach meiner Meinung eine Wendehälsin."

      Nicht nur das.

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