Rap galt bei uns lange als Musik von Migranten. Seit einiger Zeit haben Patrioten die Musikrichtung mit schwarzen Ursprüngen für sich entdeckt – und sammeln eine wachsende Fan-Gemeinde hinter sich.

    _von Marcus Hansen

    «Europa weint, Europa schreit / nach dem Ende, der Wende. / Es ist an der Zeit / zum Verteidigen des Eigenen, macht Euch bereit / und reicht Euch die Hände in Einigkeit!» – Hört man diese Zeilen durch die Straßen dröhnen, als Sprechgesang unterlegt mit einem epischen Instrumental, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich gerade auf einer Demonstration von Patrioten befindet.

    Das Lied «Europa» des rechten Rappers Komplott, dem diese Passage entstammt, avancierte zu einer inoffiziellen Hymne der Identitären Bewegung (IB) und erfreut sich inzwischen weit über einschlägige Kreise hinaus einer großen Beliebtheit. Ein Indiz: Seit seiner Veröffentlichung bei Youtube Ende Mai 2016 wurde der vierminütige Videoclip zum Song über 500.000 Mal aufgerufen – durchaus beachtlich, da junge Rechte, an die sich Komplott mit seiner Musik vornehmlich wendet, in der Regel als rock- oder zumindest gitarrenaffin gelten.


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    Der Hallenser IB-Aktivist Mario Müller widmete dem Rapper in seinem Buch Kontrakultur einen eigenen Eintrag. «Seine Lieder», heißt es dort, «liefern ein flammendes Bekenntnis zu unserem altehrwürdigen Kontinent». Er scheue sich nicht, «linke Parolen umzudeuten», stelle sich damit «in die Tradition der Studentenrevolte» und greife «auf eine Musikrichtung zurück, die bisher als Vorzeigeobjekt für Multikulti galt». Der Künstler selbst wird mit den Worten zitiert: «Ich bin ein Teil jener, die früher über den Pausenhof geschlagen wurden, von denen, die uns bereichern sollten, ein Teil jener, die die Lügen der Medien satt haben, ein Teil jener, die von ihren Lehrern bekämpft wurden für ihre Meinung, und ein Teil jener, die nun die Wende einleiten.»

    Teutonische Dönermusik?

    Komplott oder auch sein Münchner Kollege Chris Ares, der sich im Zuge der Migrationskrise 2015 politisierte, waren nicht die Ersten, die rechte Rap-Songs in professioneller Qualität veröffentlichten. Die deutsche Szene insgesamt ist sehr heterogen, wobei politischer Sprechgesang – ob nun links, rechts, Öko oder Porno – eher ein Randphänomen darstellt. Zwar werden Hip-Hop-Journalisten wie Marcus Staiger, Oliver Marquart, Nico Hüls und Toxik Kargoll nicht müde, der inhaltsleeren Vulgär- und Verbrechersprache der Migranten-Musiker Sozialkritik an fehlenden Perspektiven und Schwierigkeiten bei der Integration anzudichten. Tatsächlich gibt es aber nur Wenige unter ihnen, die man intellektuell ernst nehmen kann und deren musikalischer Protest über ein bloßes «Alles is‘ scheiße» hinausgeht. Exemplarisch stehen dafür etwa Sookee, Neonschwarz, Fard mit Snaga auf den Talion-Alben, Prinz Pi, Cr7z oder auch Raggabund.

    Patriotischer Rap wiederum entwickelte sich in Deutschland verhältnismäßig spät. Prominentester und einziger seriöser Vertreter war über viele Jahre hinweg Dissziplin aus Cottbus, der mit Liedern wie «Patriot» und «Ostdeutschland» mit viel Herzblut aufgeladene Bekenntnisse zu Heimatstadt und -region verarbeitete. Sieht man von der sich mittlerweile totgelaufenen Kampagne «Stabiler Deutscher» des in die Jahre gekommenen Berliners Fler ab, blieb dies auch eine ganze Weile so. Halbgare Versuche, dezidiert rechten Rap mit konzeptioneller Planung «herzustellen» – zu nennen sind hier Dissau Crime, SZU, Natürlich, n’socialist soundsystem (Enesess) und Mic Revolt – sollen nur der Vollständigkeit halber Erwähnung finden. Sie sind hinsichtlich der Qualität defizitär.

    Eine wirkliche Professionalisierung erfuhr rechter Deutsch-Rap 2011 mit der Veröffentlichung der später indizierten EP Sturmzeichen des vormals linksradikalen MaKss Damage. Dieser schießt sich seitdem als bekennender Hitlerist ins Abseits. Er veröffentlichte neben schwülstigen Zeilen wie: «Du kamst aus einer Zeit, dunkel und voller Nebel, / und Regen und Blitze zogen mit Donnerschlag durch die Gegend. / Götter saßen im Warmen, solang bis Ragnarök kam. / Sie waren hart und gigantisch, die Menschen, die in Dir lebten. / Deutschland! Du warst noch nicht geboren / und doch stürmtest du stärker als ein Tornado, wie Wirbelstürme nach vorne» auch sexuell aufgeladene Gewaltfantasien gegen linke Politiker und einen Drohungs- und Beleidigungstrack gegen einen Angehörigen des eigenen Lagers. Obwohl inhaltlich also oft mehr als fragwürdig, verfügt MaKss Damage unbenommen über ausgeprägten Flow und fortgeschrittene Reimtechnik, die manchen Mainstream-Act um Längen überragen.

    Unter Patrioten hat die Akzeptanz von Hip-Hop und Rap in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wenngleich es immer noch kritische Stimmen gibt. Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung darum, dass diese Musik als Ausfluss von schwarzen oder multiethnischen Kulturelementen als unvereinbar mit der Vermittlung einer dezidiert auf die europäische beziehungsweise deutsche Identität bezogenen politischen Agenda erachtet wird. Doch kann man patriotischen Rappern wirklich nachsagen, sie würden lediglich einen skurrilen, auf Deutsch getrimmten «musikalischen Döner» produzieren?


    Das war ein Textauszug. Den Artikel finden Sie in COMPACT 03/2018: „Patriot Putin – Partner für Europa?“ – jetzt am guten Kiosk und im COMPACT-Shop.

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