Prima Klima zwischen Trump und Putin – die US-Kriegsmafia schäumt und spricht von „Hochverrat“

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Das Treffen war von höchster Symbolkraft, auch wenn es nichts Konkretes gebracht hat. Im Grunde war es das Endspiel nach dem WM-Endspiel: Wie das Fußballfest als Fiesta der Nationen in einer Zeit des Kalten Krieges zwischen NATO und Russland eine Entspannungspause brachte, so auch das herzliche Männergespräch zwischen den Staatsführern der Supermächte. Für Moskau waren beide Ereignisse Höhepunkte einer Charmeoffensive in Richtung Weltöffentlichkeit: Während die globalistische Lügenpresse Putin in grellsten Farben als Doping-Drahtzieher, Nowitschok-Giftmischer und Mörder syrischer Kinder zeichnete, blieb bei jedem, der sich nur die Bilder der Spiele oder jetzt des Helsinki-Gipfels anschaute, der Eindruck zurück: Die Russen sind eigentlich ganz nett. Gute Gastgeber, feiern gerne, sind trinkfest – und wenn Trump mit Putin auskommt, kann der Kreml-Typ nicht so böse sein. Trumps Bilanz nach dem Helsinki-Gespräch: „Unsere Beziehungen waren nie schlechter, als sie es jetzt sind. Das hat sich vor vier Stunden geändert.“

Darauf kam es Trump an, der unter heftigem Druck der Kriegsmafia steht und bisweilen diesem auch nachgeben musste – siehe die Raketen auf Syrien im April 2017 und April 2018. Aber dass er jetzt für Entspannung mit Kim und Putin gesorgt hat, hilft ihm standzuhalten, weil es seine Partei- und Wählerbasis beeindruckt. Jeder vierte Republikaner fand Putin schon vor dem Gipfel „toll“…

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Natürlich schäumt die Kriegsmafia beziehungsweise der „Tiefe Staat“ – die Schattenstruktur aus Hochfinanz und Geheimdiensten, die traditionell die US-Politik dominiert, aber von Trump ordentlich zurückgeschnitten wurde.

Republikaner-Falke John McCain – er war einer der Drahtzieher hinter dem regime-Change in der Ukraine im Fewbruar 2014 – sprach am Montag von einem „Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft“. Es sei „einer der beschämendsten Auftritte“ eines US-Präsidenten gewesen, Trump habe sich „vor einem Tyrannen selbst erniedrigt“.

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William Burns, Botschafter unter George W. Bush – der nach 9/11 Krieg gegen Afghanistan geführt und den Irak besetzt hat – ätzte: „Ich denke, diese Pressekonferenz war die allerpeinlichste Vorstellung eines amerikanischen Präsidenten auf der Weltbühne, die ich je gesehen habe.“

Die New York Times, die seit Jahren für den Sturz von Assad trommelt:“Herr Trump scheint einzigartig naiv oder vorsätzlich ignorant darüber zu sein, warum seine leitenden Berater zu nationaler Sicherheit Russland neben China als einen von Amerikas obersten Gegner identifiziert haben.“ Tatsächlich war eine entsprechende Studie unmittelbar vor dem Helsinki-Gipfel an die Öffentlichkeit lanciert worden…

John Brennan, CIA-Chefunter Obama, sprach sogar von „Hochverrat“ – ebenso wie Burns ein neokonservativer Außenpolitiker der Bush-Regierung. „Das Wort Verrat ist ein starkes, und wir müssen es vorsichtig verwenden (…) Aber diese Pressekonferenz hat den Präsidenten der Vereinigten Staaten bis hin zu diesen dunklen, dunklen Ufern getragen.“

Gegen den Tiefen Staat und für Trump sprach der republikanische Senator Rand Paul, einer der libertären Freigeister. Er sagte CNN, der US-Geheimdienst, der immer wieder gegen Trump stänkert und ihm eine Moskau-Connection andichten will, sei „voll von voreingenommenen Leuten“. Hier sei er mit Trump einer Meinung.

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Eine solche Schärfe – den US-Präsidenten des „Hochverrats“ zu bezichtigen – von Seiten der Geheimdienste gab es zuletzt gegen John F. Kennedy, nachdem er zusammen mit dem sowjetischen KPdSU-Generalsekretär Nikita Chruschtschow die Kubakrise entschärft und damit einen Dritten Weltkrieg verhindert hatte. Das war 1962. Ein Jahr später wurde Kennedy ermordet… Trump muss auf sich aufpassen!

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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