Am 3. Mai startet in den deutschen Kinos die Gesellschaftssatire HERRliche Zeiten. Autor der Romanvorlage Subs ist Thor Kunkel. Der wurde von der Produktionsfirma auf der gestrigen Premierenfeier in Köln zur unerwünschten Person erklärt. Der vorläufige Höhepunkt der Ausgrenzung eines unliebsamen Schriftstellers.

    Regisseur Oskar Roehler hat für seinen neuen Film ein Staraufgebot ans Set gebracht. In den Hauptrollen: Katja Riemann und Oliver Masucci, bekannt auch als Hitler-Wiedergänger in der Timur-Vermes-Verfilmung Er ist wieder da. Sie spielen das wohlhabende Ehepaar Todt, das sich ein zweifelhaftes Verdienst auf die Fahnen schreiben kann: die Wiedereinführung der Sklaverei! Eine bissige Satire, die angesichts Lohndumpings, der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und des Imports von Billiglöhnern durchaus einen ernsthaften Hintergrund hat.

    Genau das hat Thor Kunkel schon 2011 mit seinem Roman Subs angeprangert – und wurde jetzt, beinahe 1:1, von Oskar Roehler verfilmt. Doch auf der Internetseite der Produktionsfirma ist lediglich davon die Rede, dass es sich um einen Film „frei nach Motiven des Romans Subs von Thor Kunkel“ handeln soll. Auch sonst taucht der Name des Schriftstellers, der vor allem durch seinen sogenannten Skandalroman Endstufe (2004) bekannt wurde, in der Promo kaum auf. Kunkel warf der Produzentin Jutta Müller daher vor, ihn bewusst zu verschweigen – aus politischen Gründen!

    Der 1963 in Frankfurt am Main geborene Literat passt nämlich überhaupt nicht in die Latte-Macchiato-linke Kulturschickeria der Republik. Schon seit geraumer Zeit veröffentlicht Kunkel auf seiner Facebook-Seite kritische Texte zur Asyl- und Zuwanderungspolitik der Merkel-Regierung. Das Fass zum Überlaufen brachte für die Kulturfuzzys jedoch der Umstand, dass Kunkel, der seit über 30 Jahren auch in der Werbung tätig ist, mit seiner Agentur KunkelBakker im Bundestagswahlkampf 2017 die Plakatlinie der AfD gestaltete.

    Aus seiner politischen Sympathie mit der Partei machte er dabei keinen Hehl. Im Interview mit COMPACT (Ausgabe 10/2017) erklärte er:

    „Die AfD zeichnet eine positive Intention aus – nämlich bestimmten Sichtweisen und Meinungen, die in Deutschland unterdrückt werden, eine Stimme zu geben. Was ist so schlimm an einer Partei, die offen ausspricht, wer am Ende der Masseneinwanderung die Zeche zu zahlen hat und die auch konstatiert, dass der Islam sich eben nicht integriert, sondern bereits eine wahrnehmbare Gegenöffentlichkeit aufgebaut hat?“

    Das geht natürlich gar nicht in der staatlich hochsubventionierten deutschen Filmszene. Kunkel wurde fortan vom juste mulieu gedisst – die Produktionsfirma hielt seinen Namen überall raus. Weil man „Rechten nicht auch noch den roten Teppich ausrollen“ wollte, wie es hieß. Regisseur Oskar Roehler zeigte durchaus Verständnis dafür, dass sich der Bestsellerautor zurückgesetzt fühlt. „Dass Thor Kunkel sich ausgegrenzt fühlt, kann ich schon verstehen. Seitdem er diese AfD-Wahlkampagne gemacht hat, wollte die Produktion nichts mehr mit ihm zu tun haben“, so der Roehler, der sich übrigens nicht an der Totschweigekampagne beteiligte, gegenüber der Zeit.

    Gestern bei der Weltpremiere von „HERRliche Zeiten“ mit anschließender Feier in Köln dann der vorläufige Umgang des haarsträubenden Umgangs mit Kunkel: Sie fand ohne ihn statt, da er, wie man auf seinem Blog erfährt, zuvor von der Produktionsfirma zur unerwünschten Person erklärt wurde!

    In einem Text auf dem Blog heißt es, der Autor sei zwar „unendlich traurig“ über diese Entscheidung, würde sie jedoch respektieren. „Es herrscht im deutschen, von Subventionen abhängigen Kulturbetrieb insgesamt eine Ausgrenzeritis von Rechts“. Nichtsdestotrotz fühle er „erstmals so etwas wie eine existenzielle Bedrohung“.

    Für den, der sich jetzt verwundert die Augen reibt und fragt: „Wo hat es sowas schon mal gegeben?“, ein kleiner Tipp: Ein Erich Kästner musste auch inkognito Drehbücher schreiben, weil er den Machthabern nicht genehm war. Sind wir auf dem Weg zurück zu solchen Zuständen? Die Vorgänge um HERRliche Zeiten und Thor Kunkel lassen dies beinahe befürchten…

    Das vollständige Interview mit Thor Kunkel lesen Sie in COMPACT 10/2017. Die Ausgabe kann man hier nachbestellen.

    Mehr über den Film HERRliche Zeiten finden Sie in der Rubrik „Kultur des Monats“ in COMPACT 5/2018. Ab Samstag am guten Kiosk – oder einfach auf das Bild unten klicken und bestellen.

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