Peter Sloterdijk: Gegen staatliche Selbstzerstörung und „Lügenäther“

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_von Federico Bischof

Der 68jährige Philosoph Peter Sloterdijk ist seit über drei Jahrzehnten bundesdeutscher Zeitgeist-Experte. Seine Stellungnahmen zum politischen Geschehen glänzen stets durch Treff- und Begriffsicherheit. Jetzt hat das Magazin Cicero (Februar-Ausgabe) ihn zum Thema Merkel und Flüchtlingskrise befragt: „Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben“, sagte Sloterdijk, „diese Abdankung geht Tag und Nacht weiter“.

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Eine Politik restlos geöffneter Grenzen könne nur scheitern: „Merkel wird zurückrudern“ Wie schon vor Jahrzehnten der Filmemacher Jean-Marie Straub, konstatiert Sloterdijk :„Wir haben das Lob der Grenze nicht gelernt“, In Deutschland glaube man weiterhin, „eine Grenze sei nur dazu da, um sie zu überschreiten“. Damit übernehme Deutschland eine Einzelposition in Europa. Aber: „Die Europäer werden früher oder später eine effiziente gemeinsame Grenzpolitik entwickeln. Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“ Dagegen prognostiziert Sloterdijk dem lange totgesagten Nationalstaat „ein langes Leben“. Als politische Konstruktion funktioniere er zumindest noch halbwegs noch. Und die EU? „Als lockerer Bund hat die EU mehr Zukunft, als wenn sie auf Verdichtung setzt.“

Völlig versagt haben für Sloterdijk auch die Medien: „Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr.“ Der Journalismus zeichne sich durch „Verwahrlosung“ und „zügellose Parteinahme“ aus. Es mangele an Neutralität. Die derzeitige Situation: „die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“

Mit subtilem Unbehagen kommentierte der Tagesspiegel das Interview: „Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik wurden bereits von nationalkonservativen Intellektuellen wie Reinhard Jirgl, Botho Strauß und Rüdiger Safranski kritisiert. Peter Sloterdijk übertrifft ihre Äußerungen nun noch an Schärfe – und singt ein ,Lob der Grenze‘.“

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