Pentagon rüstet sich für Zweifronten-Krieg gegen China und Russland

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Dass Washingtons Konflikt mit der eurasischen Achse Moskau-Peking heiß wird, ist für gewisse Kräfte in den USA keine Frage des „ob“, sondern des „wann“ und „wie“. Einer der ranghöchsten Militärs der USA stellt nun fest: Massive Militäreinsätze gegen zwei aufstrebende Supermächte gleichzeitig zu führen, ist selbst für Uncle Sam keine leichte Herausforderung.

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA identifiziert „Konkurrenz zwischen Großmächten“ als größte Bedrohung, vor dem Terrorismus. Das Pentagon befinde sich daher in den ersten Phasen einer „Neuentwerfung der Streitkräfte“, die sich aus den Herausforderungen der Länder China und Russland ergeben würde. Das erläuterte General Paul Selva, stellvertretender Vorsitzender des Generalstabs der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, auf einer Veranstaltung der Defense Writers Group am Dienstag, wie Defense News berichtet.


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USA gegen China – Endkampf um die Neue Weltordnung

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So viele Kriege zu führen, nicht genug Ressourcen…

Pläne, China und Russland gleichzeitig militärisch entgegenzutreten, stünden jedoch in einem „gegenseitigen Spannungsverhältnis“, was die notwendigen Ressourcen betrifft, so Selva. „Es gibt zwei einzigartige Wettbewerbe, mit denen wir umgehen müssen, die Bestandteile überschneiden sich, doch gleich sind sie nicht.“

Selva: „Jedweder Konflikt mit China, wenn es zum Schlagabtausch käme, wäre überwiegend ein Kampf zu Wasser und in der Luft. Das bedeutet nicht, Army und Marines würden keinerlei Rolle spielen. Doch wenn Sie darüber nachdenken, wie sich ein potentieller Konflikt mit China entwickeln würde, dann enthält dieser sehr wahrscheinlich eine wesentliche Mitwirkung der See- und Luftstreitkräfte, welche Army und Marine Corps unterstützen würden.“

Hingegen sei „die globale Russland-Übung größtenteils ein Kampf in der Luft und zu Boden, unterstützt von Marine-Einheiten, da man an Russland nicht rankommt, an Europa nicht in hohem Maße rankommt, ohne den Nordatlantik zu passieren“, sagte Selva. „Das bedeutet, es wird einen Kampf zu Wasser geben, um zum Kontinent zu gelangen, doch der Kampf an sich, wird sich wahrscheinlich als Luft- und Bodenkampf entwickeln.“

Selva, rechts, neben Verteidigungsminister James B. Mattis. Foto: Kathryn E. Holm /jcs.mil

Für einen Konflikt mit Nordkorea ließe sich einfacher planen, so der 59-Jährige, da Pjöngjang „fast sein gesamtes militärisches Leistungsvermögen aus dem Erwerb von Hardware von entweder Russland oder China erlangt“. Das bedeute, indem man sich auf die zwei Hauptkonkurrenten vorbereite, erledige man quasi auch den sogenannten Schurkenstaat.

Der ranghöchste Offizier der US-Airforce wies auch darauf hin, dass Russlands Bezeichnung in der Nationalen Sicherheitsstrategie als eine „globale“ Herausforderung kein Zufall sei. Durch diese Kennzeichnung wolle man von der Idee abzurücken, Moskau sei in erster Linie Europas Angelegenheit!

Pentagon spielt Gerichtsvollzieher für Hochfinanz

Zu immer neuen militärischen Abenteuern treibt die USA die Krise des Dollarsystems. Die USA sind mit 40 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung im Ausland verschuldet. Die zwei größten Gläubiger der USA sind Japan (Forderungen von 1.100 Milliarden Dollar) und China (Forderungen von 1.049 Milliarden Dollar).

„Die Nettoauslandsverschuldung der USA – also ihre Schulden gegenüber dem Ausland minus eigener Forderungen an das Ausland – liegt aktuell bei 8.000 Milliarden Dollar (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.3.2017), was etwa 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Im neuen COMPACT-Spezial „USA gegen China“ heißt es dazu:

1989 galt die DDR als bankrott, weil ihre Westverschuldung 16 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung betrug. Tatsächlich wollte kein verantwortungsbewusster Anleger dem Arbeiter- und Bauernstaat mehr etwas leihen. Aber im Falle der USA sind Staatsverschuldung und Außenhandelsdefizit für Milliardäre und Fonds auf der ganzen Welt kein Grund, ihr gutes Geld nicht mehr in den USA anzulegen… Was verrückt scheint, hat einen plausiblen Grund: Die US-Regierung kann, anders als die Regierung jedes anderen Schuldnerstaates, den Käufern ihrer Staatspapiere versprechen, jedermann jederzeit und an jedem Ort mit militärischer Gewalt zu zwingen, die an sich wertlosen dollarnominierten Papierschnipsel in Waren einzutauschen. Länder wie der Irak unter Saddam Hussein oder Libyen unter Gaddafi, die damit drohten, ihre Öl- und Gasverkäufe nicht mehr in Dollar, sondern in Konkurrenzwährungen zu fakturieren, wurden zu Schurkenstaaten erklärt und militärisch liquidiert.

Der Greenback ist nicht mehr durch Gold oder reale Wirtschaftsleistung gedeckt, sondern nur noch durch nackte militärische Gewalt. Die inflationäre Geldblase wird nur solange nicht platzen, wie die US-Armeen siegreich bleiben. Je tiefer die US-Ökonomie in die roten Zahlen rutscht, um so aggressiver muss die US-Außenpolitik auftreten, bei Schuldnern kassieren und Gläubiger zum Schweigen bringen.

„Zeit für Nordkorea-Entscheidung rückt näher“

Der Direktor aller US-Inlandsgeheimdienste Dan Coats sagte am Dienstag, die Zeit für eine endgültige Entscheidung über Washingtons Reaktion auf Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm komme „immer näher“. Das berichtet Asia Times unter Berufung auf Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap.

Coats Bemerkung sei während einer Anhörung des Geheimdienstausschusses des Senats am Dienstag gefallen, bei der er Nordkoreas Regime als „wesentliche“ Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet hätte. „Ich stimme Ihrer Ansicht bei“, so Coats auf eine Frage eines Senators, „dass die Zeit, sich bezüglich unserer Reaktion zu entscheiden, immer näher rückt“.


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Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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