Paris: „Gelbe-Westen“-Demonstranten verprügelt – Das war Krieg gegen das Volk

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Frankreich im Ausnahmezustand: Das war Krieg gestern in Paris – Krieg gegen das eigene Volk. Die Protestler der Bewegung „gilets jaune“, „Gelbe Westen“, wurden von der Polizei aus dem Weg geknüppelt, mit Wasserwerfern und Rauchbomben beschossen.

Der Arc de Triomphe ist in gelben Nebel gehüllt. Polizisten in gepanzerter Schutzkleidung steigen über auf den Straßen liegendes Gerümpel, das den Demonstranten wohl als Barrikade gedient hat, rühren martialisch ihre Knüppel, von denen sie durchaus Gebrauch machen. Videos zeigen, wie sie sich den Weg durch die gelbe Menge prügeln. Wie sie einen Mann, der nicht rechtzeitig zur Seite springt, mit ihren Schutzschilden zu Boden stoßen. Andere treiben sie mit Wasserwerfern vor sich her. Wie stark der Strahl ist, der sehr schmerzhaft sein muss, zeigt sich an Gegenständen, die er durch die Luft wirbelt.

Auf den Champs Élysées vor dem Arc de Triomphe | Foto: Screenshot Youtube

Eine andere Szene zeigt einen alten Mann mit schlohweißem Haar unter einer bunten Pudelmütze, weit über 70 dürfte er sein, den die „Gesetzes“-Hüter zu Boden knüppeln. Er legt schützend seine Arme um sich, an denen er hochgerissen und aus dem Weg geräumt wird. Andere werden ebenfalls von der Straße in ein Parkstück gescheucht. Die Straße wird „gesäubert“. Schwarze Rauchsäulen steigen auf zwischen den Häuserzeilen auf den Champs Élysées; dazwischen hacken Bürger Steine aus dem Pflaster, um sich gegen die Willkür der Polizei zur Wehr zu setzen. Die Franzosen, die ursprünglich friedlich ihren Widerstand gegen die Benzinpreis- und Dieselsteuererhöhung und mehr noch gegen die generelle Politik von Emmanuel Macron auf die Straße getragen haben, verlieren die Geduld. Ihre Wut richtet sich jetzt gegen den Staatschef.

guillotine | Foto: cineuno, shutterstock.com

Und das ist gefährlich bei diesem Volk, das nicht zuletzt 1789 gezeigt hat, wie es mit Obrigkeit verfährt, die ihm zunehmend zuwiderregiert. Es wollte Brot damals, und keinen Kuchen, wie angeblich von Königin Marie Antoinette empfohlen… Es wollte die Abschaffung des absolutistischen, feudalistischen Staates, der es bis aufs Blut ausgesaugt hat und drüben wie hüben erneut tut, also längst seine Renaissance erlebt. Das dürfte erst der Anfang sein. Man hört schon fast das „Liberté, Égalité, Fraternité“ – den Schlachtruf seinerzeit – durch die Gassen schallen, das „Vive la révolution“. Weit entfernt davon scheinen die Franzosen nicht mehr zu sein, wenn man sich die heutigen Bilder anschaut. Eine Antwort auf ihren Präsidenten, der sich ebenso absolutistisch gebärdet wie seinerzeit Louis XVI. Zu ihm passt zu rufen: „Wenn sie sich kein Benzin leisten können, sollen sie doch Taxi fahren!“ …

„Macron dehors“ – „Macron raus“ – steht auf Plakaten, wird allerorten skandiert. Darüber wehen französische Fahnen. Alles, was sich finden lässt, ob Fahrräder, Absperrgitter, Bistrostühle oder Mülltonnen, muss als Barrikade, als Schutz vor der wie eine Armee anrückenden Polizei herhalten, die immer wieder die Wälle beiseite räumt. 3000 sollen im Einsatz sein, um das Vorhaben der Demonstranten zu verhindern, die Sperrzone auf den Champs Élysées zu durchdringen, um zum Élyséepalast vorzudringen. Verkehrsschilder und Ampeln werden aus ihrer Verankerung gerissen – eine Revolte, wie man sie zuletzt nur von den Migranten aus den Banlieues kennt, die Terror in den Städten verbreiten.

Krieg in Zeiten des christlichen Friedensfestes | Foto: Screenshot Youtube

Die Polizei schmeißt mit Rauch- und Tränengasbomben, die Demonstranten mit allem, dessen sie habhaft werden können. Mehrere Menschen werden verletzt, wie blutverschmierte Gesichter zeigen. Allerdings fällt mit „nur“ 81.000 Demonstranten – rund 35.000 hatten sich allein via Facebook angekündigt, um den Verkehr in Paris vollends lahmzulegen – der Protest wesentlich geringer aus als noch vor einer Woche, als rund 300.000 Bürger ihren Unmut in die Öffentlichkeit getragen hatten. Dabei waren zwei Menschen ums Leben gekommen; mehr als 750 Menschen, darunter 136 Polizisten, verletzt worden.

Eine ALTE Frau wird von einer Horde Polizisten zu Boden gerissen, auf den Bauch gedreht, um ihr Handschellen anzulegen | Foto: Screenshot Youtube

Innenminister Christophe Castaner macht „Mitglieder der Ultarechten“ für die Angriffe auf Polizisten verantwortlich. Er wirft „Rechtspopulistin“ Marine Le Pen vor, die „Aufrührer“ zu den Attacken angestachelt zu haben, wie Die Welt schreibt. Le Pen weist die Vorwürfe zurück. Sie habe niemals zu irgendeiner Form von Gewalt aufgerufen. Der Chef der radikalen Linken, Jean-Luc Mélenchon, erklärt auf Twitter, die Regierung wolle die Tatsache verbergen, dass es sich „um eine massive Volksbewegung“ handle.

Laut Le Figaro halten 77 Prozent der Bürger die Proteste für „gerechtfertigt“. Zwar habe Premierminister Édouard Philippe zufolge die Regierung sowohl „die Wut“ als auch „das Leid, die Perspektivlosigkeit“ vernommen, die bei den Protestaktionen der Bewegung „Gelbe Warnwesten“ zum Ausdruck gebracht worden seien. Der „Kurs“ jedoch sei „gut, und wir werden ihn halten“, betont er gegenüber TV France 2.

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Und le roi de soleil, Macron, der „Président des riches“, wie er bezeichnet wird, findet die Proteste „beschämend“. Nein, Emmanuel, eine Schande sind einzig Sie, der offensichtlich von seiner Busenfreundin Angie gelernt hat, wie man mit Kritik umgeht: Einfach den Spieß umdrehen, den Bock zum Gärtner machen. Vive la France. Der königliche Anspruch, „L´état c‘ est moi“, ist vorbei. Es wird Zeit, dass auch die Deutschen aus ihrem Dämmerschlaf erwachen und die vorgebliche „Reform- und Migrationspolitik“ als das entlarven, was sie ist: Ausbeutungs- und Verdummungspolitik. Vive l´Allemagne!

 

Über den Autor

Iris N. Masson

 

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