Panama-Papers: Erste Opfer, zweifelhafte Analysten

36

Rekapitulieren wir: Unbekannte haben der Süddeutschen Zeitung ein 2,6 TeraByte-schweres Dokument zugesendet, die sogenannten Panama-Papers. Die enthalten Informationen über ca. 214.000 Briefkastenfirmen und Personennamen, die in illegale Geschäfte verwickelt sind. Darunter Politiker, Milliardäre, Sportler oder Waffenhändler.

Belohnen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge und unterstützen Sie das Nachrichtenmagazin COMPACT mit einem Abonnement der monatlichen Heftausgabe!

COMPACT Abo-2016-02

von Federico Bischoff

Freilich bedarf dieser Datenwust zuerst der Interpretation. Das gehen 400 internationale Journalisten in Washington an. Das Problem ist nur: wer finanziert diese Leak-Analyse bisher und weiterhin? Börsen-Experte Dirk Müller verwies in Cashkurs auf die von George Soros gegründete Open Society Foundation. Aber nicht nur die. Auch  Ford Foundation,  Rockefeller Family Fund, W.K. Kellogg-Foundation und Carnegie Endowment sollen dabei sein. Könnte deren großzügige Unterstützung das Ergebnis ein wenig prädestinieren? Tatsächlich berichtet Müller, dass die „investigativen“ Journalisten zur Strukturierung jener Unmenge an Namen die UN-Sanktionslisten als „Suchfilter“ verwenden, also nur nach diesen suchen!

Aber selbst bis zu dieser – leicht befangenen – Auswertung will unsere Konformistenpresse gar nicht erst warten. Direkt schrie man über Verwicklungen Putins und Chinas. Das Problem ist nur: Putin taucht namentlich gar nicht in den Dokumenten auf. Ebenso wenig amerikanische Namen.

Aber man muss noch weiter rückfragen: Das Dokument hat keinen Absender: Wer hat es gesendet? Und zu welchem Zweck? Mit welcher Absicht? Hat bereits der Absender Manipulationen vorgenommen? Namen weggelassen? Oder gar welche hinzugefügt? Und warum hat er es der Süddeutschen Zeitung zugesendet? Aus persönlicher Sympathie? Oder gab es einen strategischen Grund? Wollte der Unbekannte tatsächlich Skandale aufdecken? Oder ist das ganze ein gigantischer Propaganda-Coup? Eine politische Erpressung? Auffallend: Das erste Opfer, dass durch die Panama-Papers zum Rücktritt gezwungen wurde, ist Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson. Dessen Fortschrittspartei fiel in den letzten Jahren durch ihre Ablehnung einer NATO-Mitgliedschaft auf. Außerdem äußerte sie sich EU-kritisch und begrüßte die Klimaerwärmung. Im letzten Jahr wollte  Finanzminister Bjarni Benediktsson die Bürger Islands sogar für die Bankenrettung entschädigen. Hat sich da ein Land zu wenig angepasst?

All diese Fragen legen den Schluss nahe: Eine rein immanente Interpretation der Panama-Papers, ohne Hinweise auf Absender und dessen Absicht ist allenfalls für Anwälte interessant. Denn allein die Tatsache, dass Reiche und Mächtige schmutzige Geldgeschäfte machen und dafür Briefkastenfirmen gründen, dürfte kaum jemanden vom Stuhl hauen.

Belohnen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge und unterstützen Sie das Nachrichtenmagazin COMPACT mit einem Abonnement der monatlichen Heftausgabe!

Über den Autor

Avatar

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel