Die Christin Asia Bibi wurde vom obersten Gerichtshof in Pakistan von Blasphemievorwürfen freigesprochen. Daraufhin tobte der Islamisten-Mob auf den Straßen, schrie nach ihrem Blut. Jetzt hat die Regierung Revision gegen den Freispruch zugelassen. Ein Bankrott des Rechtsstaats.

    Nach achtjährigem Aufenthalt in der Todeszelle (wer kann die Ängste eines Menschen in dieser langen Zeit ermessen?) wurde die Christin Asia Bibi von drei Richtern des obersten Gerichtshof in Islamabad (Pakistan) von allen Vorwürfen der Blasphemie freigesprochen. Muslimische Frauen hatten sie angezeigt, weil Bibi ihnen gesagt haben soll: „Jesus Christus ist für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben. Was hat Mohammed für die Menschen getan?“ Die Christin hat diese Aussage stets bestritten. Zwei pakistanische Politiker, die sich 2011 für sie einsetzten, wurden ermordet.

    Nach dem Freispruch gab es ein Internationales Aufatmen. In Pakistan hatte der Rechtsstaat über religiöse Hysterie gesiegt. Aber die Freude währte nicht lange. Schon vorab hatten islamistische Radikale angekündigt, dass sie im Falle eines Freispruchs das Land ins Chaos stürzen wollten. Deshalb wurden in Islamabad vor Bekanntgabe des Urteils Hunderte von Polizisten und Paramilitärs stationiert.

    Nach wilden Protesten und Barrikadenkämpfen, bei denen die Exekution von Asia Bibi und die Tötung der drei Richter gefordert wurden, einigten sich die Islamistenpartei Tehreek-e-Labaik und Pakistans Regierung, dass die Islamisten die Option erhielten, gegen den Freispruch Revision einzulegen. Bibi dürfe bis dahin das Land nicht verlassen.

    Pakistanische Medien und Menschenrechtsorganisationen kritisierten diese Einigung aufs Schärfste: Das sei ein Bankrott des Rechtsstaats: „Eine weitere Regierung hat vor den gewalttätigen religiösen Extremisten kapituliert, die weder an die Demokratie noch an die Verfassung glauben“, schrieb die Zeitung Dawn. Asia Bibis Anwalt, obwohl er und seine Familie bereits mit Drohungen überkübelt wurden, will dennoch weiter für seine Mandantin vor Gericht kämpfen.

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