Die Wiener Verkehrsbetriebe haben ihre Aufforderung, in der Bahn nicht zu essen, mit einem schwarzen Schaf namens Rudi (!) illustriert. „Rassismus!”, schreien Linke und Grüne.

    Jeder kennt die Metaphorik des „schwarzen Schafes“. In Redewendungen wie „Er ist das schwarze Schaf der Familie“ kommt es traditionell in der Alltagsprache zur Anwendung. Es meint: Jemand fällt im negativen Sinne aus dem Rahmen (der ansonsten weißen Herde). Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis linksgrüne Inquisitoren dort Rassismus hinein assoziierten.

    Name des Täters:  „Wiener Linien”,  also die städtischen Verkehrbetriebe in Österreichs Hauptstadt. In deren Bahnen finden sich derzeit Aufkleber einer „Fahr fair“-Kampagne. Um den Reinigungsaufwand kleiner zu halten (und damit womöglich Personal zu sparen?), fordern sie die Gäste auf,  während der Fahrt nicht zu essen. In Deutschland kennt man diese Aufforderung als Aufkleber mit durchgestrichener Pommes-Tüte.

    Der aktuelle pädagogische Aufruf zeigt ein schwarzes Schaf namens Rudi, das inmitten von weißen Schafen in der Bahn einen Döner futtert, wobei Tomaten und Salatblätter auf dem Boden landen (Foto). Schon kochte der Gutmenschen-Wahn in den sozialen Netzwerken hoch.

    Die Inquisitoren verglichen die Verwendung des schwarzen Schaf  mit einer schweizer Kampagne von 2016, in der es kriminelle Ausländer symbolisierte. Außerdem: Weshalb isst das Schaf einen Döner und keine Leberkässemmel? Hier würden „rassistische Klischees“ bedient. David Ellensohn von den Grünen beurteilte das Plakat als „komplett daneben“.

    Die Wiener Linien verteidigten sich in sachlicher Rhetorik: „Für die Wiener Linien ist es ganz egal, wer mit uns fährt, unabhängig von Hautfarbe, sexueller Orientierung, Religion und Co. – bei uns sind alle willkommen. Im Gegenzug gelten aber auch für alle dieselben Regeln: Respekt und Rücksichtnahme.“

    Zum Schaf: Es trägt den Namen „Rudi“, eindeutig ein deutscher Name! Nochmal: Es heißt weder Hassan noch Sami, sondern Rudi, okay? Es ist also ein deutsch-österreichisches Schwarzschaf. Übrigens: Ende der 1970er starteten die Bonner Verkehrsbetriebe bereits eine Kampagne gegen das Schwarzfahren. Die Schwarzfahrer fanden ihre symbolische Darstellung in – richtig! – einem schwarzen Schaf.

    Aufkleber mit Karikaturen von schwarzen Schafen und blöd-naiven Aufforderungen wie „Wird ein schwarzes Schaf gestellt, strafend blicken – weil’s Euch prellt“ klebten damals an Fensterscheiben der öffentlichen Transportmittel. Niemand kam auf die Idee, dass damit speziell ausländische Fahrgäste gemeint seien.

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    Auch Dönerverzehr ist längst international und dürfte die Leberkässemmel an Popularität weit überrundet haben. Aber, liebe Inquisitoren, nicht traurig sein. Kennt Ihr den libanesischen Philosophen Nissam Nicholas Taleb? Der hat Geschehnisse, die nach allem Wissen nicht hätten auftreten dürfen, es aber trotzdem tun, mit der Metaphorik des „schwarzen Schwans“ belegt.

    Sein Buch „Der schwarze Schwan“ ist ein Weltbestseller. Schwarzer Schwan? Da lässt sich doch bestimmt ein rassistischer Subtext reinlesen… Auf, auf, ans Werk!

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