Schon seit geraumer Zeit ist das Valle de los Caídos, das „Tal der Gefallenen”, das sich in Zentralspanien unweit der Hauptstadt Madrid befindet, ein Streitpunkt der spanischen Innenpolitik. Hier ruhen die Gebeine von mehr als 30.000 Gefallenen beider Seiten des Spanischen Bürgerkriegs, außerdem befinden sich hier die Gräber des 1975 verstorbenen Diktators Francisco Franco sowie von José Antonio Primo de Rivera, des Gründers der faschistischen Partei Falange.

    Der Konflikt verschärfte sich, als im Juni vergangenen Jahres Sozialistenchef Pedro Sánchez durch das erste erfolgreiche konstruktive Misstrauensvotum in der Geschichte des spanischen Parlaments überraschend in den Palacio de la Moncloa, den Amtssitz des Ministerpräsidenten in der Hauptstadt Madrid, rutschte. Als Anführer eines buntscheckigen Parteienbündnisses, das neben seiner PSOE noch die radikal linke Partei Podemos sowie einige sezessionistische baskische und katalanische Parteien umfasste und von vielen im Land als „Frankensteinkoalition“ bezeichnet wurde, verfügte der Sozialist zwar nie über eine stabile Mehrheit, schuf aber dennoch Fakten.

    Basilika und Kreuz sollen erhalten bleiben

    Das spanische Kabinett beschloss im Juni vergangenen Jahres ein Dekret, das die Exhumierung und Umbettung der sterblichen Überreste Francos und Primo de Riveras vorsah. Wie anders die geschichtspolitischen Uhren in Spanien noch ticken, zeigte sich dann anhand der Reaktionen der bürgerlichen Parteien. Als erste Reaktion drohte die Volkspartei PP mit einer Verfassungsbeschwerde, da der Beschluss per Dekret durchgedrückt wurde, und auch die liberalen Ciudadanos, die im Europaparlament in der gleichen Fraktion wie die deutsche FDP sitzen, äußerten ihre Ablehnung.

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    Im September vergangenen Jahres gab es dann eine relative Parlamentsmehrheit von 172 Stimmen (für die absolute Mehrheit wären 176 Stimmen notwendig gewesen) für die Exhumierung und Umbettung Francos. Sie war das Ergebnis eines Kompromisses. Viele Parlamentarier der PP und der Ciudadanos enthielten sich, aber auch Sánchez hatte seine Pläne mittlerweile geändert. Es sollte nun nur noch Franco umgebettet werden und das Bauwerk selbst – eine große Basilika samt einem 152 Meter hohen Steinkreuz – sollte erhalten bleiben.

    Franco-Familie will vor EGMR ziehen

    Die Exhumierung hätte eigentlich am Pfingstmontag dieses Jahres stattfinden sollen, dann gab der Oberste Gerichtshof Spaniens aber einer von der Familie Francos beantragten einstweiligen Verfügung statt. Gestern hat das Gericht in Madrid nun einstimmig entschieden, dass eine Umbettung der Gebeine Francos rechtmäßig ist.

    Luis Felipe Ultrera Molina, der Anwalt der Familie Franco, kündigte schon an, bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen zu wollen, um die Umbettung auf den Friedhof Mingorrubio bei Madrid zu verhindern.

    Auch nach der Exhumierung und Umbettung Francos dürfte das Valle de los Caídos mit fast 300.000 Besuchern im Jahr aber eines der meistbesuchten Denkmäler des Landes bleiben.

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