Seit den Demonstrationen von Chemnitz ergießt sich ein Schwall von Schmähungen und Hetze über die widerständigen Sachsen. Die haben die Nase von der Merkel-Republik voll und erinnern sich an einen Ausspruch ihres letzten Königs.

    Eine Ausstellung auf Schloss Pillnitz widmet sich derzeit Sachsens letztem König Friedrich August III., seinen Schlössern und der Revolution von 1918. Der Titel der sehenswerten Schau: „Macht euern Dreck alleene!“ Das bezieht sich auf den wohl berühmtesten Ausspruch des legendären Monarchen.

    Als im November 1918 die revolutionären Unruhen auf Dresden, Leipzig und Chemnitz übergriffen, untersagte dieser die Niederschlagung der Aufstände mit Gewalt und verzichtete freiwillig auf den Thron. Bei seiner Abdankung soll er gesagt haben: „Nu, dann macht doch Euern Dreck alleene.“ Als ihn nur zwei Jahre später wieder eine jubelnde Menschenmenge am Neustädter Bahnhof in Dresden empfing, konnte er sich die schelmische Bemerkung „Ihr seid mer ja scheene Demogradn!“ nicht verkneifen.

    „Scheene Demogradn“ – das sind auch Merkel und ihre Entourage in Berlin, die nichts Besseres zu tun haben, als immer und immer wieder auf Sachsen und seine Bürger einzudreschen. Und das im Gleichklang mit jenen sogenannten Leitmedien, die den Freistaat als einen Hort von fremdenfeindlichen Hinterwäldlern und Rechtsextremen darstellen. Das fordert natürlich Gegenreaktionen geradezu heraus. Und deshalb finden immer mehr sächsische Bürger die Idee eines „Säxits“ – also eines Ausstiegs Sachsens aus der Merkel-Republik – durchaus attraktiv.

    Das brachte auch der Chef von Pro Chemnitz und einer der Demo-Organisatoren, Rechtsanwalt Martin Kohlmann, in seiner Rede auf einer Kundgebung zur Sprache, als er sagte: „Wenn es aus dem EU-Wahnsinn die Möglichkeit eines Brexits gibt, dann muss es aus dem BRD-Wahnsinn die Möglichkeit eines Säxits geben. Wenn der Westen sich aufgibt, wir geben uns nicht auf!“

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    Sachsen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker

    _ von Bert Wawrzinek

    Nicht erst seit der Bundestagswahl prügeln Politik und Medien auf die unbotmäßigen Sachsen ein. Das erzeugt Gegenwind: Getreu dem Motto ihres letzten Königs Friedrich August III. – «Dann macht doch Euern Dreck alleene» – gewinnt, gerade vor dem Hintergrund der Vorgänge in Katalonien, die Idee eines «Säxits» an Zuspruch.

    Seit dem katalanischen Referendum vom 1. Oktober, bei dem 90 Prozent aller Teilnehmer für eine Trennung von Spanien votierten, erreichen uns aus Barcelona überwältigende Bilder und Berichte einer schier unaufhaltsamen Volksbewegung des «Independentismo». Während die Zentralregierung mit Polizeigewalt und Drohungen reagiert, befürchtet Brüssel einen Präzedenzfall für weitere Separationsbewegungen nicht nur in Schottland, Nordirland oder Südtirol. Ebenso könnten sich Basken, Korsen und Flamen in ihrem Eigensinn ermutigt fühlen.

    Auch hierzulande ist die Diskussion über Katalonien entbrannt. Einige Beobachter sehen einen «Triumph der Volkssouveränität» über die «Supranationalität des Westens», andere wittern dunkle islamistische und marxistische Umtriebe, die den spanischen Nationalstaat zu destabilisieren suchen. Auch George Soros wird als Finanzier der Unabhängigkeitsbewegung genannt. Ganz sicher aber haben wir es mit einer Entwicklung zu tun, die mittelfristig auch bei uns eine inspirierende Wirkung auslösen könnte.

    Freistaat Bayern

    Seit Urgedenken kämpft die Bayernpartei (BP) für einen unabhängigen Staat. 1946 gegründet, zog sie drei Jahre später mit 17 Abgeordneten in den ersten Deutschen Bundestag ein. In ihrem Stammland holten die Traditionalisten damals 20,9 Prozent der Stimmen. Seither geht es bergab. Bei den Landtagswahlen 2013 erhielt die Partei noch 2,1 Prozent und ist derzeit mit einigen Dutzend Abgeordneten in Kommunalparlamenten vertreten.

    Im Jahr 2009 kündigte die BP ein Volksbegehren an – Motto: «Freiheit für Bayern»: Bis 2020 sollte die weiß-blaue Eigenstaatlichkeit erreicht sein. Doch im Dezember 2016 wies das Bundesverfassungsgericht einen Kläger ab, der wegen «Nichtzulassung einer Volksabstimmung über den Austritt Bayerns aus der BRD» mit einer Verfassungsbeschwerde nach Karlsruhe gezogen war. «Für Sezessionsbestrebungen einzelner Länder ist unter dem Grundgesetz (…) kein Raum. Sie verstoßen gegen die verfassungsmäßige Ordnung», urteilten die Richter. Nicht anders argumentierte das spanische Verfassungsgericht, als es das katalonische Referendum für illegal erklärte.

    Die Bayernpartei argumentiert nun, dass in genannter Urteilsbegründung die von der Bundesrepublik Deutschland anerkannte KSZE-Akte von Helsinki unberücksichtigt geblieben sei. Die aber sehe ausdrücklich ein «Selbstbestimmungsrecht der Völker» vor, wonach ein Volk das Recht habe, frei über seine politische Verfassung, seine Staats- und Regierungsform zu entscheiden. Dass die gegenwärtig 13 Millionen Bayern ein eigenes Volk sind und Bayern ein Staat und keine Berliner Provinz, steht für die BP außer Frage und wird der politischen Debatte auch weiterhin belebende Impulse liefern.

    Doch die Sehnsucht nach mehr Eigenständigkeit beschränkt sich keineswegs auf die Bewohner des Bayernlandes. Auch anderswo wächst das Unbehagen, immer neuen Vorgaben aus Berlin und Brüssel hilflos ausgesetzt zu sein. Laut einer Umfrage des internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov vom Juli dieses Jahres wünscht sich in sechs deutschen Bundesländern schon jeder Fünfte, dass das eigene Bundesland die BRD verlässt. Nach Bayern, wo sogar jeder Dritte eine Unabhängigkeit befürwortet, folgen das Saarland und Thüringen mit 22 Prozent der Befragten. In Sachsen-Anhalt sind es noch 20, dazwischen liegen, mit 21 Prozent Zustimmung, Mecklenburg-Vorpommern – und der Freistaat Sachsen.

    Freistaat Sachsen

    Ein bisschen schrill klang das schon im Oktober 2015, jener Ruf nach einem «Säxit» anlässlich einer Pegida-Kundgebung in Dresden. Tatjana Festerling, damals noch Gallionsfigur der Islamkritiker, forderte unter tosendem Beifall, Sachsens Unabhängigkeit von Deutschland und der Europäischen Union mittels Volkentscheid herbeizuführen. Als Begründung nannte die Rednerin das aus ihrer Sicht gesetzwidrige Verhalten der Bundesregierung in der Asylfrage.

    Obgleich mehr rhetorische Provokation, wurde damit deutlich, dass die Sachsen, die 1989 mit dem Schlachtruf «Wir sind das Volk» Mauer und Diktatur zum Einsturz gebracht hatten, 26 Jahre später selbstbewusst genug waren, jene Mauer symbolisch zurückzufordern, um sich gegen eine als Bedrohung empfundene illegale Migration und deren Befürworter zu wappnen. Auch die radikale Linke, die Antifa, forderte damals den «Säxit» – freilich andersherum: Die widerspenstigen Sachsen müssten aus der multikulturell gedachten BRD herausgeworfen werden.

    Seitdem vergeht keine Woche, in der sich nicht ein Wust von Schmähungen in Politik und Medien über den Freistaat ergießt. Was zählen da schon ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und der aktuelle Spitzenplatz im Ländervergleich der Bildungssysteme? Doch die Sachsen ließen sich den Schneid nicht abkaufen, blieben eigensinnig – und machten bei der Bundestagswahl im September ausgerechnet die AfD mit 27 Prozent zur stärksten politischen Kraft im Freistaat.

    Tradition contra Zentralismus

    Im Mai 1992 war in Dresden eine neue sächsische Landesverfassung beschlossen worden, welche in Artikel 5 ein «Volk des Freistaates Sachsen» benennt und dessen sorbischer Minderheit in Artikel 6 als «gleichberechtigtem Teil des Staatsvolkes» den Schutz von Identität, Sprache und Kultur garantiert. Niemand wird bezweifeln, dass die Sachsen – nicht weniger als ihre bayerischen Nachbarn – über eine unverwechselbare Eigenart verfügen, eine mehr als tausendjährige Geschichte und Kultur, deren Zeugnisse weltweit höchste Anerkennung finden.

    Aus einer umkämpften Grenzmark entstand durch Innovationskraft und Leistungswillen von Generationen die einst höchstindustrialisierte Region der Erde. Dem obersächsischen Kulturkreis entstammen Bach, Händel, Schumann, Wagner, Lessing, Novalis und Nietzsche, von hier aus ging der Protestantismus in die Welt. Um wieviel ärmer wäre die Bundesrepublik ohne die kulturelle Mitgift Sachsens, die Barockschöpfungen des Augusteischen Zeitalters, die unschätzbaren Kostbarkeiten in Schlössern, Burgen und Sammlungen, die Musikstätten in Leipzig und Dresden, das Meißner Porzellan?

    Nicht zuletzt bleibt die mitteldeutsche Erfolgsgeschichte untrennbar mit Sachsens vormaligem Königshaus, den Wettinern, verbunden. Über einen Zeitraum von mehr als 800 Jahren stellte die «erste Familie des Landes» (Claus Laske), eines der ältesten Fürstengeschlechter des Reiches, mit Markgrafen, Kurfürsten und Königen im Gebiet des heutigen Sachsens, in Teilen Thüringens und der Lausitz, die politischen Weichen. Demgegenüber macht der Zeitraum eingeschränkter staatlicher Souveränität – 1871 bis in unsere Tage – nur eine kurze Spanne aus.

    Man muss es nicht auf die Spitze treiben, aber die Idee mit dem Selbstbestimmungsrecht könnte vor dem Hintergrund dieser stolzen Vergangenheit auch sächsische Politiker ermuntern, den Sirenenklängen des Berliner Zentralismus selbstbewusst zu widerstehen. Das Sachsenvolk würde es zu honorieren wissen.


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