NSU: Geheimdienste am Tatort

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Immer klarer wird, dass der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund nicht an der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter beteiligt war. Vielmehr wurden in Tatortnähe über ein Dutzend Geheimagenten registriert – darunter auch US-Amerikaner.

_von Jürgen Elsässer

Hat der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) am 25. April 2007 in Heilbronn einen Mord begangen, der sich von allen anderen ihm zugeschriebenen Tötungsdelikten unterscheidet? Hat er, nach angeblich neun Morden an Migranten, eine deutsche Polizistin umgebracht? Hat er dabei, nach neunmaliger Verwendung einer tschechischen Ceska-83, eine russischen Tokarev und eine polnische Radom Vis eingesetzt?

Die stärkste Entlastung für das NSU-Trio kommt von dem Polizisten Martin Arnold, der das Verbrechen nach Schüssen in den Kopf schwerverletzt überlebt hat. Schon 2008 wurde er im Zuge der Ermittlungen durch eine Psychologin unter Hypnose befragt. Er schilderte, wie die Geschehnisse vor der Tat waren, und wie er und seine Kollegin mitbekamen, dass sich von hinten zwei Männer ihrem Einsatzfahrzeug näherten. Zuerst sei ihm auf seiner Seite ein Mann aufgefallen. Michèle Kiesewetter sagte seiner Erinnerung nach, dass jemand wohl eine Auskunft wolle, da fiel ihm auf, dass auf ihrer Seite auch ein Mann kam, den er von der Armbehaarung her als älteren, dunklen Typ beschreiben würde. Die Person auf seiner Seite sei auch
von dunklem Typ gewesen, etwa 170 bis 180 Zentimeter groß und normal gebaut. Auch eine Täterskizze
wurde in Zusammenarbeit mit Martin Arnold erstellt, aber er «sträubte sich vehement gegen die Veröffentlichung des Phantombildes. Sollte das Bild herausgegeben werden, wolle er Deutschland ”sofort
und für immer” verlassen». Der Staatsanwalt entschied, dass das Bild gegen den Willen der Sonderkommission nicht veröffentlicht werden dürfe. Er ersparte den späteren NSU-Anklägern damit eine
Blamage, denn: «Der Mann auf der Skizze hatte keinerlei Ähnlichkeit mit den mutmaßlichen Mördern Böhnhardt und Mundlos.» (Focus 31/2012) Mittlerweile wurde das Bild freigegeben, es findet sich auf
Seite 42 als letztes in der Sammelleiste. Zu sehen ist ein eher südländischer oder orientalischer Mann.

Der Staatsanwalt blockt

Rätselhaft ist, warum der leitende Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras überhaupt die Veröffentlichung
von Phantombildern unterband. War er nicht an Hinweisen aus der Bevölkerung interessiert? Im Untersuchungsausschuss des Bundestages gab es deutliche Kritik an seiner Amtsführung. Die Rede
war von einer «ungewöhnlich problembeladenen Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Polizei
», Meyer-Manoras wurde «eine vermeidbare Behinderung der Ermittlungsarbeit» vorgeworfen. Höhepunkt der selbstherrlichen Einmischung des Staatsanwaltes war, dass er sich im Mai 2011 mit dem kaum genesenen Arnold traf – zwei Tage, bevor das LKA den Zeugen vernehmen wollte.

Etwas Licht ins Dunkel dieser Tat kam am 1. Dezember 2011, als der Stern ein Aufsehen erregendes Dokument des US-amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA veröffentlichte. Das DIA-Observationsprotokoll wurde vom Special Investigation Team Stuttgart erstellt, das an jenem 25. April 2007
in Heilbronn war. Die Agenten beobachteten einige Zielpersonen, die sich zur Theresienwiese bewegten,
wo die Observation endete, als es zu einer Schießerei kam – dem Mord an Michèle Kiesewettter. Im englischen Original ist die Rede von einem «Shooting incident involving BW OPS Officer with right wing operatives and regular police patrol on the scene». In den Schusswechsel waren demnach drei Parteien involviert: «regular police patrol», also die reguläre Polizeistreife, bestehend aus Michèle Kiesewetter und einem Kollegen; «BW OPS officer», also ein «baden-württembergischer Einsatzbeamter », vermutlich von einer Landesbehörde wie dem Verfassungsschutz oder dem LKA; «right wing operatives », vom Stern als «Rechtsextreme» übersetzt.

Dies war ein Textauszug. Den kompletten Artikel lesen Sie in COMPACT-Edition: „NSU: Die Geheimakten: Warum Beate Zschäpe freigelassen werden muss“. Die erhalten Sie am gut sortierten Kiosk – oder Sie bestellen das Heft gleich hier.

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