Nobelpreisträger: Die freie Marktwirtschaft ist Abzocke

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Lange waren zwei Axiome der Wirtschaftswissenschaften: Der Markt reguliert sich selbst (Adam Smith: „The Invisible Hand“), und die Menschen verhalten sich im Markt rational. Mit diesen Annahmen wurden Theorien entwickelt, Bücher geschrieben und Lehrstühle innegehalten. Jetzt verkünden zwei Nobelpreis-Ökonomen das Ende dieser Mythen.

Ich habe auf vielen Gebieten gearbeitet, meist interdisziplinär. Auf dem Gebiet der Wirtschaft aber war ich wie der kleine Prinz. Ich habe gestaunt und geglaubt, dass ich bei Wirtschaft nicht mitreden könne, weil ich davon nichts verstünde. Ich habe mich jedoch gefragt: Warum werden die Wirtschaftsprofessoren eigentlich nicht reich?

Oft sind mir Fragen gekommen, die ich aber nicht ausgesprochen habe. So habe ich mich bei der Einführung des Euro gefragt: Wie kann das gut gehen, wenn es nicht eine gemeinsame Aufsichtsbehörde gibt? In unterschiedlichen Kulturen gibt es unterschiedliche Haltungen zu Geld und vor allem zu Schulden. Es muss doch Schieflagen geben, wenn Ausgleiche durch Auf- und Abwertung der Währungen nicht mehr möglich sind. Jetzt frage ich mich: Waren die Politiker dumm oder sollte Deutschland die Mittelmeerländer finanzieren?

Ich habe bei Vorträgen gestaunt, wenn als wesentliche Größe das merkwürdige Wesen „rational handelnder Marktteilnehmer“ eingeführt wurde. Ich habe insbesondere gestaunt, wenn ich mir in den USA die wöchentliche Sendung Wall $treet Week with Louis Rukeyser angesehen habe. Dort diskutierten Finanzexperten über die Marktlage. Am Ende jeder Sendung ließ Rukeyser jeden Panelisten eine Voraussage über die Entwicklung des Marktes in der darauffolgenden Woche machen.

In der nächsten Sendung konnte man sehen: Manche hatten richtig gewettet, manche hatten sich nach beiden Seiten abgesichert, wiederum andere lagen völlig falsch. Letztere erklärten dann aber mit langen rabulistischen Erläuterungen, warum sie im Grunde doch eine richtige Voraussage getroffen hätten. Schon damals gab es „alternative facts“.

Den Vogel abgeschossen hat aber Alan Greenspan. Greenspan war lange der Papst der amerikanischen Geldwirtschaft und darüber hinaus. Wenn Senatoren des amerikanischen Kongresses finanzpolitischen Rat für ihre Entscheidungen brauchten, luden sie Greenspan ein, um an seiner Weisheit teilzuhaben. Es gab vor dem Crash 2008 durchaus kritische Stimmen zu der Entwicklung des amerikanischen Finanzmarktes und der zunehmenden Komplexität der „Financial Instruments“. Greenspan dozierte aber vor dem Kongress ex cathedra, dass die neuen Finanzinstrumente für den Markt gut seien, weil sie Risiken auf breitere Schultern verteilten und den Finanzmarkt stabilisierten.

Es war atemberaubend, wie Greenspan nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktes mit derselben Selbstsicherheit wie bei seinen früheren Einschätzungen vor den Kongress trat und verkündete: „Meine Herren, es tut mir leid, ich habe mich geirrt“. Es war, als sage der Papst: „Tut mir leid, Christus ist doch nicht Gottes Sohn.“

Die unglaublichen Abläufe, die 2008 zu dem Finanzcrash geführt haben, sind nicht aufgearbeitet worden, in dem Sinne, dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen und ernstzunehmende Kontrollen in den Finanzsektor eingeführt wurden. Im Gegenteil, der Staat hat den Investment-Bankern seinerzeit Entwarnung signalisiert. Sie wussten nun: Mit der richtigen Lobby werden wir auch beim nächsten Crash gerettet werden; wir dürfen nur nicht noch einmal dieselben Tricks anwenden; das jahrhundertealte Argument wird dann wieder ziehen: „This time it‘s different.“ Die Autoren Carmen Reinhardt und Kenneth Rogoff zeigen in ihrem gleichnamigen Buch, wie über acht Jahrhunderte Finanzcrashs nach demselben Muster abgelaufen sind.

Die theoretischen Ansätze der Wirtschaftswissenschaften mussten grundsätzliche Fehler enthalten. Behavioral Economists verabschiedeten sich von dem Konzept des rationalen Käufers und untersuchten, wo der Käufer vom marktrationalen Verhalten abweicht. Der Homo oeconomicus hat Schwächen, die für den Markt entscheidende Bedeutung haben: z. B. unrealistischen Optimismus, falsche Risikoeinschätzung, Vernachlässigung von Langzeitfolgen, geringere Risikobereitschaft bei einem möglichen Verlust als bei einem möglichen Gewinn.

Jetzt haben die Nobelpreisträger George Akerlof und Robert Shiller ein Buch herausgebracht, das solche Schwächen unter dem Gesichtspunkt beschreibt, wie diese vom Markt raubtierhaft ausnutzt werden (Phishing for Phools: The Economics of Manipulation and Deception, George A. Akerhof und Robert J. Shiller, Princeton University Press). Die unsichtbare Hand des Adam Smith garantiert „Abzocke“. Akerhof und Shiller sagen: Wenn Anbieter von Waren keine Raubtiere sind, dann macht sie der Markt dazu. Ohne „Abzocke“ kann kein Anbieter überleben.

Es geht um die Ausnutzung der Schwächen des Käufers. Der Glaube an Mythen ist eine wesentliche Falle des Marktes. Bei der Finanzkrise 2008 waren die Preise im Immobilienmarkt über Jahrzehnte gestiegen, was suggerierte, dass dieser konstante Anstieg verlässlich sei. Immobilien schienen eine sichere Geldanlage zu sein. Es war nur eine Handvoll Trader an der Börse, die durch geschickte Verpackung der Immobilien-Bonds die Rating Agenturen getäuscht und einen Mythos geschaffen hatten, der alle mitriss. Die Komplexität der Finanzprodukte führte dazu, dass die Mechanismen für lange Zeit nicht sichtbar waren. Das Resultat waren schließlich Konkurse großer Finanzinstitute und die ungeheuren finanziellen Schäden für Millionen von Bürgen, die ihre Häuser verloren, während die wenigen, die den Überblick behalten hatten, sagenumwobene Reichtümer anhäuften. Ein Trader hatte in einem einzigen Jahr eine Milliarde Dollar „verdient“.

Inzwischen steht eine Technologie zur Verfügung, die mit gigantischen Datenbasen automatisiert und blitzschnell individuelle Schwächen von Millionen von Käufern ermittelt und diese dann individuell, jeden für sich, bedient. Auch Präsidenten werden verkauft. Mit dieser Technologie hat Donald Trump die Wahl gewonnen.

Der Zusammenbruch des Sozialismus hat gezeigt, dass der kapitalistische Markt sehr viel leistungsfähiger ist als ein künstlich gestrickter. Er ist leistungsfähiger in Bezug auf die Entwicklung von Produkten und deren Qualität und Verfügbarkeit.

In der freien Marktwirtschaft optimiert sich eine Produktion durch die kleinen Regelkreise: Wenn der Hersteller eines Produktes eine Änderung (im Design, Produktionsablauf, oder Vertrieb) einführt, dann bekommt er (und nicht eine Behörde, nicht ein Betriebsrat) unmittelbar Feedback, wie die Änderung sich auswirkt, und kann sofort den nächsten Optimierungsschritt durchführen oder einleiten. Je größer der Regelkreis: Änderung-Auswirkung-Änderung ist, umso ineffizienter sind die Produktion und umso unklarer der Zusammenhang zwischen Änderung und Auswirkung. Der Prozess muss aber optimiert werden, weil der Hersteller sich auf dem Markt behaupten muss. Er (und niemand anderes) ist so motiviert, dass er auch durch die Nacht hindurch arbeitet, wenn dies notwendig sein sollte.

Der freie Markt hat aber auch gezeigt, dass durch seine Raubtiereigenschaften eine riesige Schere zwischen arm und reich entsteht und sich weiter vergrößert. Sie entsteht zwischen Bürgern, aber auch zwischen Ländern. Es geht nicht anders, als dass ein Markt gepflegt wird, der ein Kompromiss zwischen widerstrebenden Forderungen ist und immer wieder neu austariert werden muss. Man ist nicht fertig, wenn man meint, die richtige Ausprägung von Markt und politischem System gefunden zu haben.

Für die Wirtschaft gilt also tatsächlich: Homo homini lupus: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Oder: Freier Markt und Konkurrenz sind ein ernsthaftes Problem für eine Gesellschaft. Natürlich haben Marxisten dies schon lange gesagt. Doch jetzt gehen Untersuchungen über reine Ideologie hinaus und dringen in die kapitalistische Gesellschaft ein. Wir kommen also nicht drum herum: Der Markt muss in irgendeiner Form reguliert werden.

Es ist ein weiterer Hinweis, dass die Menschheit keinen Gesellschaftsentwurf hat, der stabil ist und Dinge wie Recht und Demokratie garantiert. Wir können eine Balance nur durch eine ständige Neujustierung ohne ideologische Scheuklappen in der Schwebe halten.

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Über den Autor

Dr. Hartmut Grebe hat 20 Jahre lang in den USA gelebt, an Universitäten geforscht und im Silicon Valley gearbeitet. Außerdem betreibt Dr. Grebe die Webseite www.lebensschmiede.com

25 Kommentare

  1. Alex Steuter am

    Ich schätze die Abwesenheit des Kapitalismus ist der Grund,
    warum es Venezuela derzeit so gut läuft.

  2. Sebastian Puett am

    Ist nicht COMPACT ein privates Unternehmen?
    Ist COMPACT etwa in einer Krise?
    Käme COMPACT künftig in eine Krise, wenn es nicht mehr tut, als seine Käufer zufrieden zu stellen?
    Käme der Markt für Schuhe in Gefahr, wenn COMPACT irgendwann vom Markt verschwindet?
    Sollte COMPACT dann mit Steuergeldern gerettet werden?
    Muss COMPACT derzeit von Steuergeldern finanziert werden?
    Ist ein Staat grundsätzlich dafür notwendig, dass COMPACT mit seinen Lesern Informationen gegen Geld tauscht?
    Machen die Staatsmedien etwa bessere Arbeit als COMPACT?
    Nein?
    Was also soll der Quatsch?!

    (Zu der Finanzkrise 2008 werden hier übrigens wichtige Fakten verschwiegen. Etwa dass die Ursache des Immobilienbooms das inflationäre Papiergeldsystem war und ist, welches von einem teilstaatlichen Kartell kontrolliert wird. Etwa dass sich zum Zeitpunkt der Krise 75% aller Hypotheken in der Hand von staatlich gefördertern Unternehmen wie Fannie May und Freddie Marc befanden. Etwa dass Firmenpleiten nicht liquidiert wurden, wie es auf dem freien Markt üblich ist, sondern vom Staat gerettet wurden. Etwa dass es in den USA derzeit 115 staatliche Agenturen gibt, die uns angeblich vor Krisen bewahren….. So gut wie nichts an der Krise hat mit freiem Markt zu tun. Da kann man noch so lange über Adam Smiths Analogie der Unsichtbaren Hand schmunzeln. Übrigens gibt es auch Nobelpreisträger wie Friedrich August von Hayek, die den freien Markt vertreten haben. Ein Nobelpreis ist kein Argument. Aber selbst wenn dann hätte der freie Markt ebenso welche vorzuweisen.)

  3. Nirgends ist so gut beschrieben, wie Wirtschaft tatsächlich läuft, wie in John Perkins Buch "Bekenntnisse eines Economic Hit Man, Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia".
    Perkins war selber ein solcher EHM und beschreibt ausführlich, wie er im Auftrag der amerikanischen Wirtschaft und des IWF in verschiedenen Staaten der Welt unterwegs war und den Regierungsoberhäuptern der Entwicklungsstaaten falsche Kalkulationen und Berechnungen (z.B. für die Erschließung von Rohstoffen, hauptsächlich Erdöl, Ausbau der Infrastruktur wie Strom, Flughäfen usw.) ausarbeitete, um diese zu überzeugen, dass sie für die guten Zukunftsprognosen des Staates vom IWF einen Kredit aufnehmen sollen. Gleichzeitig bekamen sie als Dank für ihre Mitarbeit eine gehörige Portion Geld. Tatsächlich ging es aber nur darum, die Staaten in eine finanzielle Abhängigkeit des IWF zu bringen, damit diese letztendlich ihre Rohstoffe privatisieren mussten (natürlich musste an amerikanische Firmen verkauft werden) um ihre Kredite zurückzahlen zu können. Gleichzeitig mussten in diesen Staaten aufgrund von Forderungen des IWF Sparmaßnahmen eingeleitet werden sowie die Löhne gesenkt und Arbeitskräfte ausgestellt werden.
    Gewinner waren immer die Banken, vor allem der IWF, die amerikanische Wirtschaft, amerikanische Firmen in diesen Staaten und die bestochenen Regierungsoberhäupter.
    Wer dieses Buch lesen will, braucht eine dicke Haut und gute Nerven, um das Buch nicht vor Wut und Hass auf diese Wirtschaftsmafia an die Wand zu knallen. Wenn sie das Buch gelesen haben, wissen sie, wie Wirtschaft geht und werden nun einiges besser verstehen.

  4. Freie und faire Marktwirtschaft hat in der Vergangenheit recht gut funktioniert, wenn sie nicht über das Primat der Politik gestellt wurde und Wirtschaftler in die Lage versetzt hat, die Politik zu erpressen und zu gängeln.

    So hatten die Römer, die durchaus schon industrialisiert waren, aus den Folgen des Sklavenüberschusses und der daraus folgenden Arbeitslosigkeit in Rom, was langfristig zum Bürgerkrieg führte, gelernt und die Beschäftigung über die Einführung technischer Mittel gesetzt. Diese kamen folglich nur zum Einsatz, wo zu wenig Arbeitskräfte vorhanden waren. Auch hat man das Geld Leihen verleiden wollen, weil es trotzdem getan wurde, verhinderten spontane Schuldenerlasse, daß die Geldverleiher zu reich – und damit mächtig werden konnten.
    Im Mittelalter hat man die Zinsnahme dem Christenmenschen ganz verboten – was übrigens (ansich) auch im Islam der Fall ist. Die Templer, die sich nicht daran hielten, wurden aufgelöst, sobald die Kreuzfahrerstaaten – ihr Rückzugsgebiet – verschwanden.
    Geld hat die Funktionen Recheneinheitsmittel, Tauschmittel (Devise) und Wertaufbewahrungsmittel – und produziert (real) eigendlich nichts. Wenn es sich (durch Zinsen) dennoch vermehrt, verliert die Einheit an Wert und die Funktion Wertaufbewahrung geht verloren (inflation); die gilt besonders, sobald es sich nicht (mehr) um ein Kurantgeldsystem handelt. (Rom hat seinen Kurantmünzen deshalb (in der Endphase) Bleikerne verpaßt.)
    Der Unterschied zu dem heutigen Systemen liegt in 2 Fehlern begründet, die beide ihren Ursprung in England nahmen:
    Der 1. Gau war der Abfall von der Kirche unter Heinrich VIII. Damit orientierte sich England in Richtung Calvinismus. Während die Kirche eher die Regel vertrat, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher ins Himmelreich komme – was dazu führte, daß Reiche der Kirche, die die sozialen Aufgaben übernahm, spendete oder selber solche Projekte finanzierte, um doch noch der Hölle zu entgehen – vertrat der Calvinismus die Ansicht, daß derjenige Gottes Gunst besaß, der besonders erfolgreich war, ja so Reichtum ein Zeichen von Gottes Gunst war. Auf die Art war das schlechte Gewissen weg – auch bei Ausbeutung und unfairen Geschäftsmethoden; der Gerissenste Gewinner.
    Damit begründet sich auch, weshalb Raubtierkapitalismus vor allem in protestantischen / calvinistischen Ländern seinen Ursprung nahm. Die erste Umsetzung fand sich in den Staatspiraten Elisabeths I. Später war es die ostindische Handelkompanie, die dadurch das Empire aufbaute. Die Nachfolge des Kolonialismus ist der Freihandel.
    Der 2. Gau war die Übernahme der Geldedition vom Staat weg durch private Banken während der Cromwell-Revolution im 17. Jh. Gleiches erfolgte in Frankreich nach 1789, in den USA 1913 durch die Gründung der Fed, nach der Oktoberrevolution in Rußland …
    Mittlerweile dürfte es kaum noch ein Land geben, daß sein Geld selber und nicht durch eine Bank herausgibt …
    Dadurch ist neben den 3 Statsgewalten eine 4. entstanden, die Kraft Reichtums die Macht hat, die Regierungen zu erpressen und vorzuführen – also Demokratie ad Absurdum zu bringen.

    Richtig übel wurde es schließlich dadurch, daß man zunftähnliche Wirtschaftskontrolle abgeschafft oder erst garnicht eingeführt (England!) hatte, was zur Bildung von Monopolen, monopolähnlichen Oligarchieen und Übernahme ganzer Produktionsketten führte. Verschlimmert wurde das ganze dadurch, daß auch Ausländern gestattet wurde, Land und Produktionsstätten zu erwerben. So entstanden internationale Konzerne, die die Produktion in Billigländer verlagen und ihre Steuern auf den Caymaninseln entrichten. (Aufkaufen als Ersatz für früheres Kolonialisieren bei geringeren Kosten)
    Besonders schlimm ist es daß sich eine von aller Realwirtschaft losgelösten Entwicklung einer Finanzindustrie entwickeln konnte, die auf die Realwirtschaft keinerlei Rücksichten nimmt, wenn es um ihre eigenen Vorteile geht.
    Die Wirtschaftswissenschaftler nehmen aber die beiden Gaus als eine Art Naturgesetze hin, die man nicht verändern könnte.
    Marktwirtschaft ist schon fair möglich, wenn die Freiheit nicht zu weit geht, beflügelt Fleiß und Erfindungsgeist. Sozialismus hingegen neigt dazu alle menschlichen Unzulänglichkeiten zu entschuldigen und richtet sich dann nach dem Faulsten – daran ist er langfristig (immer wieder) gescheitert!

  5. Volker Spielmann am

    Auch bei der mittelbaren Herrschaft traten die VSA in die Fußstapfen Englands

    So wie die VS-Amerikaner von den Engländern die Seeherrschaft und den Vorrang privater Wirtschaftsinteressen übernommen haben, so übernahmen sie von diesen auch die Methode der mittelbaren Herrschaft und haben diese sogar vervollkommnend. Die Engländer wollten oder konnten nämlich niemals den Umstand verbergen, daß der einheimische Herrscher ihr Vasall war. Den VS-Amerikanern ist es dagegen gelungen, die von ihnen beherrschten Völker glauben zu lassen, daß ihre Handpuppen deren gewählte Regierungen seien und sie daher auch aus freien Stücken mit den VSA verbündet wären und mit diesen Freihandelsverträge abgeschlossen hätten, die den VS-amerikanischen Banken und Konzernen die Ausbeutung der Vasallenstaaten erlauben. Die Vorteile dieses Verfahrens für die VSA liegen auf der Hand: Der natürliche Widerstand gegen die fremden Herren bleibt aus und so läßt sich die Herrschaft über andere Völker mit einem Bruchteil der Kosten und Gefahren ausüben und sogar vor dem eigenen Volk verbergen…

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  6. Jürg Rückert am

    Dr. Grebe sprach den Euro an.
    Was fällt einem da so alles ein zur deutschen Befindlichkeit rund um Maastricht:
    – Deutsche Großmannssucht?
    – „Käufliche Liebe“, auch Scheckbuchdiplomatie genannt?
    – Ausleben von Wiedergutmachungskomplexen?
    – Nach mir die Sintflut?
    – Die Zukunft wird sich schon ihren Weg trampeln?
    Aber sicherlich auch die realistische Erkenntnis über Ängste und Neid unserer „Freunde“ ringsum vor einer übermächtigen deutschen Wirtschaft.
    Von Anfang an dachte vor allem Mitterand an ein „Versailles ohne Krieg“, ein „Abschöpfen des deutschem Mehrwerts“, sprich an eine Transferunion.

  7. Als Anhänger der Theorien von Gesell muss ich über solche Artikel immer schmunzeln.
    Es gibt eben nicht nur den Kapitalismus und den Sozialismus.
    Beide Theorien beinhalten richtige Teilaspekte, beinhalten aber auch "blinde Flecken" (Quelle: Die blinden Flecken der Ökonomie, von Prof. Bernd Senf).
    So ist es natürlich richtig, dass der Markt sich im Sinne der Bedürfnisbefriedigung selbst reguliert, als dass dieses planwirtschaftlich durch irgendwelche Leute passiert.

    Aber reden wir doch mal über das eigentliche Problem, dem systemimmanenten Fehler im Zinsgeldsystem.

  8. "Der Markt muss in irgendeiner Form reguliert werden."

    Was für ein unrealistischer Pessimismus. Der Markt reguliert sich von alleine. Boom, Crash, Weltkrieg, Wirtschaftswunder. Man muß die gute neue Zeit nur geduldig abwarten und dann zugreifen, denn man tut (behavioristisch gesehen), was man tut, ja nur aus dem Selbsterhaltungstrieb, also weil man sich nur selber lieb hat:
    http://www.youtube.com/watch?v=4lWVmwFHDqo

    So läuft das Samsara nunmal!

    • Jürg Rückert am

      Der freie Markt ist ein Monopoly, der immer mehr Bürger enteignet. Aber das gleiche gilt für einen Sozialstaat: Die Masse der Transferempfänger schwillt unaufhörlich an.
      Da gibt es eine Stellgröße, die keine Rolle im Streit um den besten Weg im Reich der Wissenden zu spielen scheint, und das ist der Mensch.
      Wenn der Herr zu wenig Gerechte in Sodom findet, fackelt sich Sodom ab. Amen.

  9. Harald Kaufmann am

    @winfried, der freie Mark ist nichts als Ausbeutung von Menschen.

    Arme Menschen arbeiten für Reiche um sich am kacken zu halten.

    Reiche Menschen lassen für sich arbeiten um in Luxus leben zu können. Im Kapitalismus gilt wie in der Natur das Recht des Stärkeren.

    Die Schwachen werden versklavt und ausgenutzt.

    Kein Milliadär ist wirklich durch Hände ehrlicher Arbeit reich geworden.

    In Industriebetrieben zum Beispiel leisten die Arbeiter die Produktion. Dirigieren und kassieren tut aber der Chef und Eigentümer des Betriebes.

    Gäbe es diesen Sachverhalt nicht, dann stellt sich die Frage, weshalb, wird der Produktionsgewinn durch Leistung der Arbeiter nicht gerecht unter allen geteilt oder weshalb lässt man den Arbeiter der die Produktion leistet, nicht am Firmengewinn gerecht teilnehmen?

    Mein lieber @winfried, der Markt ist sehr wohl auch Kapitalismus.

    Und dieser Kapitalismus gegenwärtig, ist der schäbigste und brutalste sowie von der übelsten Sorte den es nur geben kann.

    Ohne Kapitalismus können auch die Märkte nicht bestehen.

    Siehe Arbeitsmarkt. Zu fast 50% nur noch Leih- und Zeitarbeit. Zur Zeit fast nur noch Anstellungen auf 450,- Eurobasis. Einen Mindestlohn, der einem Hungerlohn entspricht.

    Wer gewinnt hierbei, etwa der Arbeiter, der sich seinen Lebensunterhalt durch Aufstockung sichern muss?

    Ich denke Karl Marx hatte mit seinen Ideen sehr wohl recht, nur wurden diese leider durch ein paar Vollidioten, die sich auch nur ein schönes Leben auf Kosten anderer machen wollten, diese Theorie des deutschen Philosophen Karl Marx meist durch Gewalt missbraucht.

    Der Markt sowie das Kapital, muss reguliert sein. Ist er es nicht so sehen wir Verhältnisse, wie sie derzeit in den USA und allen kapitalistischen und meist westlichen Ländern sowie insgesamt in der Weltwirtschaft bestehen.

    Die Gier liegt in den Genen den Menschheit über andere Schwächere herrschen und ausbeuten zu können.

    • Nur ‚paar Anmerkungen, da ich Ihnen in wesentlichen Punkten zustimme:

      "In Industriebetrieben zum Beispiel leisten die Arbeiter die Produktion. Dirigieren und kassieren tut aber der Chef und Eigentümer des Betriebes. "

      Nicht ganz. Dirigiert wird auch ein Gutteil von Gesetzgebern (über die Wichtung und Richtung kann man Abende diskutieren), Geldgebern (das gelegentlich leidige Spiel mit der Bank, gerade für Kleinbetriebe und bei individueller Beauftragung) und der eigenen Dummheit (keine oder unsaubere Vertragsgestaltung). Zu den Kassierern gehören auch Berufsverbände und vor allem der Staat (Finanzamt) und die von ihm betriebenen Zwangsanstalten (Versicherungen, GeZ,…).

      "Und dieser Kapitalismus gegenwärtig, ist der schäbigste und brutalste sowie von der übelsten Sorte den es nur geben kann."

      Dem möchte ich nur hinzufügen, daß ich selbst diesen nicht gegen den "real existierenden (Luxus-)Sozialismus" im Osten Deutschlands, noch weniger gegen den weiter im Osten tauschen würde. Die brutale, US-amerikanische, alle Regeln unterlaufende Marktwirtschaft ist brutal und ruinös, aber ich sehe nicht den Punkt, daß sie zwingend wäre.

      Ich denke, Karl Marx hatte:

      * eine sehr gute Beschreibung der damaligen Ökonomie des Kapitalismus, vorwiegend europäischer Art, geliefert.

      * die Vorstellung einer gesellschaftlichen Utopie entwickelt, die in sehr vielen Punkten kaum angedacht war oder vollständig fehlte.

      * soziale und sozialpsychologische Konsequenzen seiner Utopie in keiner Weise abschätzen und durchdenken können, so daß seine Gesellschaftstheorie in ihrer Gesamtheit unumsetzbar war.

      Und die "Vollidioten" haben nur versucht, die Unmöglichkeit im marxschen Sinne umzusetzen und sind an den zwangsläufigen Problemen gescheitert, die letzten Endes auch mit zunehmender Repression nicht mehr im Zaum zu halten waren.

      Zum Thema Marx empfehle ich die CD "Marx und Engels intim" und die Lektüre gerade auch der "kleineren" Schriften.

      Bzgl. notwendigen Regulativs ist das Dasein der Kartellbehörden ein Drama, andersartige Regulative existieren kaum oder funktionieren ähnlich nicht und bemänteln diese Funktionslosigkeit mit gelegetlich blindem Aktionismus. Andererseits hat die Funktion des Regulativs selbstverständlich ein immenses Mißbrauchspotential.

  10. Es wird von einem "freien Markt" gesprochen in einem politischen Umfeld, in dem definitiv kein freier Markt existiert.
    Was man so liebevoll "Regulierungen" nennt, sind unendliche Vorschriften und knallharte Einschränkungen der Marktfreiheit.
    Ein freier Markt entsteht, wo die Politik, die ihm Geld entzieht und damit Macht gewinnt und damit immer mehr Einfluss, nicht hinkommt.
    Bei uns gibt es das nicht mehr. Sie dürfen noch nicht mal die Äpfel aus ihrem Garten einfach so an der Straßenecke verkaufen.
    Grundsätzlich muss ein Marktteilnehmer bankrott gehen, wenn er bankrott ist, sonst klappt das nicht mit dem Markt.
    Gesellschaftsentwürfe gibt es viele. Der Iran praktiziert z.B. einen, Merkel versucht auch was in der Richtung, beide Entwürfe werden nicht lange Bestand haben. Die Gesellschaft entwirft sich letztendlich lieber selber.
    Es gelingt ihr um so besser, je weniger Minderheiten vom Staat finanziell gefördert und ausgehalten werden, um das zu verhindern.

  11. Ich wäre vorsichtig bei all der Kapitalismuskritik, die man seit einiger Zeit im Mainstream beobachten kann. Hier scheint das Establishment dem Kapitalismus überdrüssig geworden zu sein, um noch mehr Macht bei sich zu konzentrieren. Was die EU macht geht ja jetzt schon in Richtung Corporatismus und vll bald wieder Richtung Sozialismus. Sicher ist der "freie markt" nicht so frei wie man gerne hätte und führt zu diversen Problemen, aber jeder Versuch den Markt wirklich zu kontrollieren führte bisher in den Totalitarismus. Vielmehr sollte man, wie oben jemand schon gesagt hat, das Geld und Zinssystem überdenken.

  12. Ach: Homo homini lupus. Und vielleicht darfs noch’n bisserl Darwin sein? Oder (mit gehobener Stimme:) der Firnis der Zivilisation, worunter es brodelt. Und wenn schon, dann lieber gleich Nietzsche, womit wir beim Übermenschen wären, der frei bejaht, wozu dem Christenmenschen die Eier fehlen. NEIN!
    Das "Raubtier" ist nur Metapher für den Unverstand oder den, der seinesgleichen. Das Geld, das liebe Geld in seiner Form als Zins, messieurs-dames, makes the world go around, jedenfalls, dass das Rad der Verwertung sich schneller dreht. Und die Banken mit ihren Echtzeitanalysewertabschöpfungstechniken und dem allen angdienten leverage. I’m a man of wealth and taste… Grüsse von Mackie Messer.

  13. Volker Spielmann am

    Vom Auftreten der Marktspinner in der VS-Amerikanerzeit

    In der Franzosenzeit gingen deren hiesige Parteigänger ja bekanntlich damit hausieren, daß die Deutschen von den Franzosen befreit worden wären, während jedermann mit Schiller gegen diese ausrief: „Haltet ihr denn den Deutschen so dumm, ihr Freiheitsapostel! Jeglicher sieht: euch ist’s nur um die Herrschaft zu tun.“ In der gegenwärtigen VS-Amerikanerzeit erscheinen ebenfalls deren Mundstücke, die man gemeinhin die Marktspinner nennt, und predigen den Deutschen davon wie ganz furchtbar schlimmböse der Staat doch sei und daß nur der Markt den Menschen wirkliche Freiheit bringen könne; und dabei tun die Marktspinner so als wären sie urchristliche Missionare unter dem blutrünstigen Heidenvolk, obwohl sie den Staat auf jedwede Weise beschimpfen und verunglimpfen dürfen, es ihnen sogar erlaubt ist die Beamten als Schmarotzer zu betitulieren; was dann doch sehr an die lächerliche Darbietung der Anna Rand in den VSA erinnert, die sich als Mundstück der Herrschenden ebenso gebärdete.

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  14. Andy Poppenberg am

    Woran wollen die das erkannt haben, es gibt doch gar keinen freien Markt, zumal in den USA nicht, wo eine Währung als nationale und Weltleitwährung kursiert, die eine aus Schulden geschaffene Privatbanknote ist, hinter der der größte Militärkomplex der Welt steht?

    Mir scheint, da haben wieder welche den Nobelpreis bekommen, die eine vom Establishment gewollte Entwicklung wissenschaftlich absegnen. Der klassische Kapitalismus ist in der Tat überholt, der Konsument soll genauso unfreier Konsumsklave sein wie er auf der anderen Seite Arbeitssklave ist. Eine neofeudale und transnationale Kaste behandelt alle Menschen global als Kolonie und gestaltet die politische Ordnung nach eigenen Wünschen. Die Menschen und Völker als politische Subjekte sollen überwunden und abgeschafft werden und mit ihnen die Mittel ihrer politischen Selbstverwirklichung, die Nationalstaaten.

  15. Ich denke man sollte sich doch mal den Plan-B der Wissensmanufaktur ansehen. In der Gesamtheit (4 Bereiche), und nur so ist der Plan-B gedacht, kann man m. E. keine Fehler erkennen.
    Auf jeden Fall ist er besser als das jetzige System.
    Und noch was: Kapitalismus und Nachhaltigkeit widersprechen sich schon vom Grundsatz her.
    Plan-B der Wissensmanufaktur.net

  16. Andreas Walter am

    Man muss lediglich den Waffenmarkt und das Gewaltmonopol deregulieren.

    Dann klappt es auch wieder mit den Bankern und auch der Herr Zuckerberg überlegt sich dann zwei mal, was er mit meinen Daten macht, womit und wie er sein Geld verdient.

    Ob es dann immer noch zu Marktversagen kommt, darauf hat es glaube ich noch nie jemand ankommen lassen.

    http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/marktversagen.html

    Das "Recht des Stärkeren" ist doch auch nur eine Ableitung aus der Tierwelt, die es unter Menschen gar nicht gibt.

    Doch auch der Gerissenere, Hinterlistigere findet auf Dauer kein Glück, auch das reguliert sich also von selbst.

    Oder eine Revolution. Das ist doch letztendlich auch nichts anderes als ein Regulativ.

    Bei einem guten, umsichtigen, weitsichtigen, gerechten Monarch gibt es keine Revolution.

    • Harald Kaufmann am

      @Andreas Walter,

      das wird aber allein nicht ausreichen. Der Finanzmarkt müsste dringend reguliert werden, sonst bricht er wieder zusammen.

      Marktversagen hat es schon immer gegeben, Beispiel DDR oder Sowjetunion, beide Staaten gingen wegen Fehlwirtschaft und Marktversagen unter. Sogar das römische Reich ging deshalb unter.

      Nächstes Mitglied der Marktversager, dürfte Griechenland sein, was sich nur mit Hilfe unter einem EU-Diktat über Wasser halten kann.

      Ansonsten wäre Griechenland völlig pleite.

      Da der Mensch auch ein Tier und ein Produkt der Natur ist, gilt auch für ihm das Recht des Stärkeren.

      Insofern kann es keine Ableitung des Tieres sein. Schlimmer noch als das Tier, der Mensch tötet seine Artgenossen, nicht etwa, weil er Hunger hätte, sondern aus Raffgier und Machtgeilheit über andere Menschen, die nicht so stark sind wie er.

      Viele Kriege in der Weltgeschichte beweisen es.

      • Andreas Walter am

        Verbrecher kann man nicht "regulieren".

        Die kann man nur isolieren oder exekutieren.

        Nicht nur Griechenland, die ganze Welt ist pleite (Fiat-Währungen).

        Richtig, der Mensch besitzt Verstand.

        Sich gegen Missbrauch zu wehren ist kein Krieg, sondern Selbstverteidigung.

        Sich wehren gehört darum zum Leben wie die Luft zum atmen.

        Dieses Jahrhundert wird sehr grausam. Noch viel grausamer und brutaler als das Letzte. Darum kümmert mich auch nicht mehr die Vergangenheit. Die hemmt nur, mich auf kommende Ereignisse und Gefahren angemessen vorzubereiten. Manchmal ist ein ehrlicher, offener Krieg eben besser als ein trügerischer, betrügerischer Frieden.

  17. "Der Zusammenbruch des Sozialismus hat gezeigt, dass der kapitalistische Markt sehr viel leistungsfähiger ist als ein künstlich gestrickter."

    Ach der Sozialismus ist zusammengebrochen, weil sein "künstlich gestrickte Markt" nicht "leistungsfähig" genug war. AUFHÖREN!!! – Was ein Schwachsinn.

  18. "Der Markt" ist nicht der "Kapitalismus" – der würde auch ohne Wachstumszwang funktionieren, wenn man keliene Ändereungen vornehmen würde – mehr Silvio Gesell und weniger Marx, das ist die Zukunft!

    • Albrecht Michael am

      Würde sich denn Silvio Gesells Schwundgeld auf einem freien Markt durchsetzen? Wohl eher nicht als Wertaufbewahrungsmittel. Zumindest darf das Angebot von Schwundgeld nicht von Zwang begleitet sein.

    • Das sehe ich auch so!
      Mir fällt da ein Zitat ein: "Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nur entfernte Verwandte"….weiß aber nicht mehr von wem das ist.
      Ich empfehle auch das Buch "Der Profitwahn" von Prof. Christian Kreiss.
      Er äussert sich in die gleiche Richtung.

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