Stehende Ovationen für Merkel auf dem CDU-Parteitag am Montag. Teils barsche Kritik an ihrem Verhandlunggsstil ist längst vergessen. Die am Sonntag vorgestellte angebliche Frischzellenkur für den neuen, alten Hofstaat, scheint den Kurzzeit-Aufmuckern gefallen zu haben.

    Sie klatschen wieder, die Klatschhasen. Hurra – wir schaffen das! Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben. Skepsis: wie weggewischt! Kritik: haben 60 Minuten Merkel-Gefasel aus dem Hirn amputiert.

    Und so sieht sie aus, die CDU-Seite des geplanten Gruselkabinetts Merkel IV:

    • Jens Spahn (37), Gesundheitsminister
    • Julia Klöckner (45), Landwirtschaftsministerin
    • Anja Karliczek (46), Bildungsministerin
    • Ursula von der Leyen (59), Verteidigungsministerin
    • Peter Altmaier (59), Wirtschaftsminister
    • Horst Seehofer (68), Innenminister

    Aufbruch und Veränderung buchstabieren sich anders… Dennoch, Merkel hat für Ruhe im Karton gesorgt.

    „Es ist gelungen, ein überzeugendes Team aus erfahrenen Köpfen und neuen Impulsgebern zu präsentieren und damit zugleich die Breite der Volkspartei CDU darzustellen“, sagte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, Carsten Linnemann, dem Handelsblatt. In der Ressortverteilung hatte er vor kurzem noch den „Anfang vom Ende der Volkspartei CDU“, prophezeit.

    Junge Union-Chef Paul Ziemiak, der von Merkel „ein Zeichen der Erneuerung“ gefordert hatte, twittert am Montag, eine „Erneuerung der CDU ist auch mit Merkel möglich“. Der Frankfurter Allgemeinen Woche sagte Ziemiak, die Debatte um Merkels Nachfolge nerve ihn. Braves Klatschhäschen!

    Paul Ziemiak Twitter

    Und auf Welt-Online, dessen Chefredakteur Ulf Poschardt dort noch soeben deutlich zu machen versuchte, die CDU brauche „dringend eine neue Führung“, bilanziert man nun: „Merkels neue Mannschaft – ein guter Anfang“. Das sehen die Leser allerdings anders:

    welt umfrage
    Screenshot: welt.de

    Interne Fundamentalkritik an der Kanzlerin gibt es weiterhin nur aus der sogenannten Werte Union. Der „freiheitlich-konservative Aufbruch“ hatte Merkels Kopf schon nach der Bundestagswahl gefordert. Am Montag campierten Vertreter vor dem CDU-Parteitag, wo rund 1.000 Delegierte über den Koalitionsvertrag mit der SPD abstimmen, mit dem Schriftzug „Keine Selbstaufgabe der CDU“.

    werte union groko

    Keine Frage: die Delegierten werden dem Koalitionsvertrag zustimmen. Spannend bleibt das Mitgliedervotum der SPD-Basis. Das Ergebnis soll am Wochenende bekannt gemacht werden. So oder so: Wir werden der Merkel-Regierung auch weiterhin Paroli bieten – fester, zorniger denn je!

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