Nichts übrig für das Ghostbusters-Remake? Frauenhasser!

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Die neuen Geisterjäger sind weiblich und mögen Hillary Clinton. Wer das nicht toll findet, wird in den US-Medien als Macho diffamiert.

_von Tino Perlick

1984 avancierte „Ghostbusters – Die Geisterjäger“ in den USA zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres. Die Geschichte über Wissenschaftler des Paranormalen, die gezwungen sind, ein privates Geisterjägerunternehmen zu gründen (Ronald Reagans neoliberale Bildungspolitik lässt grüßen) und New York schließlich vor einer Invasion von Dämonen und Gespenstern retten, war für Millionen junge Zuschauer eine prägende Kinoerinnerung. Mit Ivan Reitman  auf dem Regiestuhl, liefen Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson gemeinsam zu Höchstleistungen auf. Der Soundtrack von Ray Parker, jr. fing die Stimmung der leichtfüßigen Gruselcomedy perfekt ein.

Nach einer fünf Jahre später produzierten, von Fans lauwarm aufgenommenen, Fortsetzung wurde es still um die Geisterjäger. Gerüchte eines dritten Teils materialisierten sich nie. 2014 zündete Rechteinhaber Sony Pictures schließlich die grüne Schleimbombe ins Gesicht der Fangemeinde: Ein Remake mit weiblicher Besetzung sei in Arbeit – die Geisterjäger würden zu Geisterjägerinnen.

Dass die Helden ihrer Kindheit gegendert werden sollten, fanden die Fans bescheiden. Donald Trump sprach den meisten aus der Seele, als er kommentierte: „Sie machen ein Remake von Indiana Jones ohne Harrison Ford. Das geht nicht. Und jetzt machen sie „Ghostbusters“ nur mit Frauen. Was ist los?” (1) Regisseur Paul Feig („Brautalarm“) hatte für die miese Stimmung nur eine Erklärung: Die Kritiker müssen Frauenhasser sein. „Viele Reaktionen waren so frauenverachtend“, klagte er im November letzten Jahres. „Einer der abfälligsten Begriffe war ‚Girlbusters‘. Da dachte ich nur: ‘Ist das Euer Ernst, Jungs?’” (2)

Sony wurde nervös. Erst im März 2016 – für einen Sommerfilm sehr spät – veröffentlichte das Studio den ersten Trailer des Films. In dem zwei Minuten und 37 Sekunden langen Werk gibt es keinen Mangel an Kotze und Schleim, was man jedoch über gute Gags nicht sagen kann. Mehr als eine Million Mal wurde der Trailer auf YouTube mit nach unten gerichtetem Daumen bewertet. Rekord!

Spätestens jetzt schrillten bei Sony alle Alarmglocken. Das für 150 Millionen Dollar produzierte Remake musste irgendwie gerettet werden. Der Konzern, der der Presse in der Vergangenheit selbstgeschriebene Filmbewertungen untergejubelt hatte (3), entschied sich, Fans des Originals endgültig zu verprellen. Ghostbusters 2016 sollte zu einem Eventfilm der Feministen werden, zum Pflichtprogramm für alle liberalen Denker.

Während Fanseiten darüber berichteten, dass Sony massenhaft kritische Beiträge in den Kommentarspalten löschen ließ (3), trat eine Medienkampagne in Gang, die Kritiker als ewig gestrige Machos diffamierte. „Die Leute hassen den ‚Ghostbusters‘ Trailer, und, ja, es liegt an den Frauenrollen“, titelte die Washington Post. (5) Yahoo Finance, New York Times, Vanity Fair – alle bliesen sie in den Folgewochen ins selbe Horn. Am 25. Mai erreichte die Kampagne ihren Höhepunkt. Die von einer Homosexuellen moderierte Talkshow „Ellen“ empfing die Schauspielerinnen in derselben Sendung, in der auch Hillary Clinton auftrat. Mehr Frauenpower geht nicht.

Die Clinton-Connection wurde zwei Monate später aufgewärmt. Am 26. Juli twitterte die offizielle Seite des Films einen Filmclip an Hillarys Wahlkampf-Hashtag „I’m with her“ (Ich steh auf ihrer Seite). Nachdem Sony den Beitrag wenig später wieder gelöscht hatte, kommentierte ein konservativer Journalist: „Ich frage mich, welcher Teil des Tweets sie wohl dazu bewogen hat: Zu behaupten, eine Decke durchbrochen zu haben, die schon vor Jahrzehnten zerschmettert wurde, oder sich mit einer Kandidatin verbündet zu haben, die das halbe Land verachtet?“ (6) Sonys Filmmarketing und Clinton hatten beansprucht, die sogenannte gläserne Decke durchstoßen zu haben, also, in für Frauen angeblich unerreichbare Positionen aufgerückt zu sein.

Unabhängig vom Geschlecht der Protagonisten ist der Film künstlerisch gesehen Murks – typisches Produktkino, konzipiert für die blöde Masse. Mutmaßlich, um nicht als frauenhassend dazustehen, haben US-Kritiker dem Streifen dennoch ein recht gutes Zeugnis ausgestellt. Obwohl die Damen in ihren Rollen als Wissenschaftlerinnen so überzeugend rüberkommen, wie Käpt’n Blaubär als Grizzly in „The Revenant“, deuten Feministinnen den Streifen zu einer Art Urknall des Frauenkinos um. (7) Während sie loben, dass die Mädels nicht in High Heels oder Bikinis rumlaufen müssen, entgeht ihnen die Ironie, dass die Figur des nun männlichen Rezeptionisten eine von Chris Hemsworth verkörperte hohle Ken-Puppe ist.

Sechs Wochen nach der Premiere gelten die weiblichen „Ghostbusters“ mit einem weltweiten Einspielergebnis von nur 208 Millionen Dollar auch als finanzieller Reinfall. Wer glaubt, Hollywood habe vom Gendern liebgewonnener Filmhelden also vorerst die Schnauze voll, wird jedoch enttäuscht. Schon produziert Warner Bros. eine Frauenversion des George Clooney/Brad Pitt-Vehikels „Ocean’s Eleven“, seinerseits ein Remake des Frank-Sinatra-Klassikers „Frankie und seine Spießgesellen“ von 1960. Der Neoliberalismus braucht Minderheiten. Durch sie kaschiert er seine Verachtung gegenüber der Mehrheit, also auch weißer Männer. Nostalgikern bleibt der Gang zur Videothek. Liegt ihnen die Anregung der Träume und Fantasie ihrer Kinder am Herzen, bringen sie vielleicht einmal „Ghostbusters“ mit – das Original von 1984.

(1) http://jezebel.com/donald-trump-upset-and-confused-by-lady-ghostbusters-mo-1682998632
(2) http://www.themarysue.com/paul-feig-interview/
(3) http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/films/news/flatter-to-deceive-sony-pays-out-for-fake-film-reviews-551072.html
(4) http://www.manlymovie.net/2016/03/sony-rigging-ghostbusters-comments.html
(5) https://www.washingtonpost.com/news/arts-and-entertainment/wp/2016/03/04/people-are-hating-the-ghostbusters-trailer-guess-why/
(6) http://www.thewrap.com/ghostbusters-hillary-clinton-tweet/
(7) http://www.oregonlive.com/movies/2016/07/7_reasons_why_ghostbusters_is.html

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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