Neues von Spahn: Das Ich zählt – Gay Pride 4.0

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Passend zur queeren Jahreszeit – in der ganzen Republik finden in den Sommermonaten CSD-Paraden statt – lässt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die PrEP-Sau raus. PrEP steht für HIV-Präexpositionsprophylaxe: der medikamentösen Vorbeugung einer Infektion mit dem HIV-Virus. Safer Sex war gestern (genauer gesagt: vorgestern). Diese Prophylaxe nun soll in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden, sprich: künftig von der Solidargemeinschaft bezahlt werden.

_ von Christel Klier

Spahns Vorschlag, so das Deutsche Ärzteblatt, „stößt bei den Parteien im Bundestag auf Zustimmung. Union, SPD, Grüne, FDP und Linke stützten die Forderung des CDU-Ministers. Die AfD äußerte sich bisher nicht. Rückendeckung gab es auch von der Deutschen Aidshilfe. (…) Der Vorschlag zeige auch, dass der Druck aus den Organisationen und Verbänden im Bereich Aids/HIV und der LGBT-Community wirke. Die SPD wolle den Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums ‚umgehend prüfen und so bald wie möglich beschließen‘.“

Foto: Eric Molina ǀ CC BY 2.0 (Quelle: Flickr via Wikimedia Commons)

Was bei aller pseudotoleranten Lobhudelei allerdings nicht thematisiert wird: Das Medikament ist exklusiv für jene schwulen und bisexuellen Männer, neudeutsch: MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), gedacht, die ein hochriskantes Sexualverhalten an den Tag – oder besser: in die drogengeschwängerte Nacht – legen. Wurden zu Beginn des Jahrtausends noch sogenannte Bareback-Parties mit ungeschütztem Verkehr offen kritisiert, so ist Gummi jetzt nur noch als Fetisch im Einsatz. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes allerorten ungeschützt reingehalten. Egal, was es kostet.

Seit Jahren finden zahllose Symposien und Kongresse statt, auf denen von Experten und Ärzten vergeblich der Anstieg von Infektionen sexuell übertragbarer Krankheiten beklagt wird. Seit Mitte der 90er Jahre die sogenannte Kombinationstherapie im Einsatz ist, stirbt in den Industrienationen (anders als beispielsweise in Afrika) fast niemand mehr an AIDS. Höchstens an den Nebenwirkungen dieser sehr teuren antiretroviralen Medikamente, die lebenslang eingenommen werden müssen. Und die, Sie ahnen es schon, natürlich von den gesetzlichen Krankenkassen, also der Solidargemeinschaft finanziert werden.

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Der entgrenzte Satyr zieht sich nun aber weitere unappetitliche Seuchen zu, da er nun ja meist ohne Gummi Gas gibt. Hierzulande längst verdrängt geglaubte Plagen erheben ihre hässlichen Häupter: Syphilis (harter Schanker oder Franzosenkrankheit), Gonorrhoe (Tripper), Herpes genitalis und HPV (das u.a. Feigwarzen und Krebs hervorruft), das Hepatitis-Alphabet (Hep B, Hep C usw. bis hin zu Hep E) und Chlamydien, um nur einige zu nennen. Gern auch in Kombination, als Superinfektion. Laut Robert Koch-Institut entfielen bereits 2013 auf homosexuelle Männer „zwei Drittel der in Deutschland gemeldeten HIV-Infektionen und bis zu vier Fünftel der Syphilis-Infektionen.“ Um es noch zu toppen: Viele Erreger dieser Malaisen sind inzwischen multiresistent! MRSA war gestern…

Albrecht Dürer: Darstellung eines Syphilitikers (1496), public domain via Wikimedia

Egal. Die Kerle rammeln weiterhin ohne Überzieher in Sauna, Klappe, Clubs. Sollte sich einer auf seiner Odyssee etwas eingefangen haben, teilt er es. Mit dem nächsten Kerl im Park oder daheim mit dem Partner, der Freundin oder Ehefrau. Und die dann beim Knuddeln mit dem Nachwuchs. Das gibt dann Infektionen, gegen die inzwischen kein mehr Antibiotikum gewachsen ist.

Statt Verantwortung und Gemeinschaftsdenken steht der eigene Spaß im Vordergrund. Alles muss gesteigert werden: Lust, Potenz, Rausch. Sollte was passieren, gibt es ja eine Pille. Und jetzt sogar eine, die schon im Vorfeld alle Besonnenheit und Vernunft überflüssig macht. Egal, was es kostet.

Prophylaxe wird in wichtigen, teils lebensnotwendigen Bereichen immer häufiger auf den Versicherten abgewälzt. Effektive Untersuchungen bei der Krebsvorsorge müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden, für viele unerschwinglich. Aber wenn Mann sich nach allen Regeln der Kunst durch die Nächte vögeln (lassen) will, dann, bitteschön, müssen wir doch alle zusammenlegen! Zum Dank ernten wir die Früchte dieser so falsch verstandenen Freiheit: Neben steigenden Gesundheitskosten noch als Sahnehäubchen die Ausbreitung mannigfacher nicht behandelbarer Lustseuchen mit allen Konsequenzen.

Dass Jens Spahn selbst homosexuell ist, ist in Bezug auf seinen Vorstoß sicher kein Zufall. Jeder ist sich selbst der Nächste. Pikant, dass ihm dabei seine einstmals als christlich-konservativ bekannte Partei – ich kanns mir nicht verkneifen – die Stange hält. Egal, was es kostet.

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