Vor 12 Tagen machte der Schriftsteller Uwe Tellkamp (Der Turm) bei einer Veranstaltung im Dresdner Kulturpalast von einem Recht Gebrauch, das inzwischen als höchst subversiv, antidemokratisch und faschistisch gilt: Das Recht der freien Rede. Dabei äußerte er nicht einmal eigene Forderungen oder Interpretationen, sondern zitierte lediglich.

    Diese vorgetragenen Sätze stammen aus den unterschiedlichsten Quellen: von Kollegen, Mainstreammedien, Universitätsleitungen, Politikern und Leserzuschriften. Auch ein paar Alternativmedien wie die Achse oder Guten oder Epoch Times sind vertreten. Jeder dieser Sätze löst für sich genommen nur noch ratloses Schulterzucken aus. Aber in solcher Quantität aneinandergereiht, wirken sie (wieder) alarmistisch, zeigen sie vor allem eins:

    Die bunte Toleranzgesellschaft hat sich von der Demokratie verabschiedet. Die hysterischen Reaktionen auf Tellkamps Aufzählung bestätigten dies. Besonders dessen Verlag, Suhrkamp, stellte sich durch unverlangte Distanzierung, rein aus vorauseilendem Gehorsam, ein leztztes Armutszeugnis aus: Tiefer geht nicht mehr. Suhrkamp, der sich an Tellkamp bereits dumm und dämlich verdient hat, versuchte ein Remake der Akif Pirincci-Skandalisierung. Das ist trendverdächtig: Verlage killen künftig ihre Erfolgsautoren…

    COMPACT publiziert diese Eröffnungsrede im Wortlaut und ohne Kürzung. Möge der Leser selbst entscheiden, wo und bei wem hier der eigentliche Skandal liegt:


    Guten Abend.
    „Das Land, in dem wir gut und gerne leben, dieses Land hat ein Problem mit dem Islam: Merkel is lahm, die GroKo is lahm, Seehofer is lahm.“ Leserkommentar, Die Achse des Guten

    In Sachsen hat die AFD 27 Prozent erreicht. Der hiesige CDU-Generalsekretär Kretschmer rief vor der Wahl dazu auf, besser nicht als AFD zu wählen. Landtagswahl in NRW: Sieger Laschet, CDU, verkündet im TV, adressiert an die AFD und die Linke, er rede nur mit Demokraten. Talkshow Plasberg

    Laschet: Das SED-Regime habe die Gehirne der Ostdeutschen nachhaltig beschädigt. Kommentar: „Schön zu erfahren, wie Laschet über seine Chefin spricht.“

    Erfolgsautor Daniel Kehlmann: „Aber es ist sicher keine Lösung, Romane mit Fallschirmen über Dresden abzuwerfen.“ Er halte es für unnötig, Menschen mit rechtsradikalen Positionen ein Rederecht an Universitäten einzuräumen. Eine Universität sei wie eine Zeitung ein kuratierter Ort. Die Welt, 5. Februar 2018

    Josef Joffe, Herausgeber der Zeit, antwortet auf die Frage einer Zuschauerin in einer Talkshow, wie man Trump wieder loswerden könne: „Mord im Weißen Haus zum Beispiel.“

    Robert Misik in der Taz: Es wäre doch, was Trump angehe, an der Zeit für die CIA, „den Allende“ zu machen.
    In einem Artikel, erschienen in der §Taz§ am elften und 12. Februar 2017, schlagen die Autorinnen Mithu Sanyal und Marie Albrecht vor, Opfer von Vergewaltigungen künftig als „Erlebende“ zu bezeichnen.

    Compact-Magazin Februar 2018 Stasi 2.0

    Der Polizist und CDUler Rainer Wendt hat seit Beginn der Flüchtlingskrise kein Blatt vor den Mund genommen und vor den importierten Problemen immer wieder gewarnt, statt sie schönzureden. An der Goethe-Universität Frankfurt sollte er über Polizeialltag in der Zuwanderergesellschaft sprechen. Kritiker warfen ihm daraufhin Rassismus und Racial Profiling vor. Linke Krawallmacher und rund 60 Dozenten schafften es damals, seinen Auftritt zu verhindern. Aus Angst vor den Protesten sagte die Professorin, die Wendt eingeladen hatte, die Veranstaltung ab. Epoch Times, 5. Februar 2018

    Vortrag des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow im Restaurant Trompeter: Es seien etwa 10.000 sogenannten Hauptsache-Verfahren, die das Asylrecht betreffen, bei den Verwaltungsgerichten anhängig. Im Durchschnitt dauere die Bearbeitung eines Hauptsache-Verfahrens 7,1 Monate. Die Abarbeitung aller Hauptsache-Verfahren würde also bei derzeitigem Stand 71.000 Monate dauern, durch zwölf macht 5916 Jahre. Pharao Ramses II regierte von 1279 bis 1213 v. Chr.

    Obwohl Bigamie in Deutschland und weiteren EU Ländern verboten ist, hier relevant Paragraph 1306 BGB und Paragraph 172 StGB, wird über Einzelfallentscheidungen im Sinne des Kindeswohls der Nachzug von Zweitfrauen hier lebender Zuwanderer erlaubt. §RP online§ – An deutschen Grenzen würden zwischen 500 und 1000 illegale Einreisende pro Tag gezählt. Viele Grenzübergänge werden eben nicht kontrolliert. BZ, 30. Januar 2018.

    Ein Erziehungswissenschaftler der Humboldt-Universität wurde 2014 zum Rassisten gestempelt, weil er seine Studenten in der Vorlesung „Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Handelns und Denkens“ Texte von Kant lesen ließ. Kant verbreitet – nach Ansicht der Anonymen – aus einer eurozentristischen, weißen Perspektive rassistische Ansichten. FAZ, 17. Mai 2015

    Nur wenige Wochen ist es her, dass an der Universität Göttingen die Ausstellung einer Künstlergruppe als diskriminierend und sexistisch verurteilt wurde. Der Allgemeine Studierendenausschuss AStA hatte sich an idealisierenden und normschönenden Frauenkörpern auf den Bildern gestört. Die Ausstellung wurde beendet.
    An einer Hochschule im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf beklagte der AStA ein Gedicht des Bolivien-Deutschen Eugen Gomringer. Der Text stehe in einer patriarchalischen Kunsttradition, das Gedicht auf der Fassade eines Universitätsgebäudes wurde entfernt. FAZ 29. Dezember 2017.

    Die Universität Greifswald wird den Namen Ernst Moritz Arndt ablegen. Die Antragsteller begründen ihren Antrag damit, dass das Festhalten am umstrittenen Namenspatron Arendt die Gewinnung internationaler Studierender und Wissenschaftler sowie die Darstellung der Universität als ein Ort fortschrittlicher Wissenschaft erschwert. uni-greifswald.de

    „Vielleicht ist der schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat. Allein eine Neudefinition des Begriffs Linker Aktivismus kann den Schwachsinn des Hasses und der Menschenverachtung stoppen.“ Sibylle Berg, Spiegel Online, 21. Oktober 2017 in Bezug auf die Charta 2017

    Ich fände es ganz gut, wenn man sich hinsetzen würde, um konkreter zu werden. Wo ist denn jetzt hier ein Gesinnungskorridor? Wo fürchtet man eine Gesinnungsdiktatur? Ingo Schulze, Mdr Kultur, 5. Dezember 2017.
    Vielen Dank.

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