Nationalisten bei korsischer Regionalwahl in Führung

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Jubelstimmung bei den Patrioten – lange Gesichter beim Establishment: Bei der ersten Runde der korsischen Parlamentswahl ist das Bündnis Pè a Corsica (Für Korsika) regelrecht durchmarschiert. Der neue Stern am Himmel des Globalismus, die Liste Republik in Bewegung von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron musste hingegen eine schwere Schlappe hinnehmen.

Zwar steht die Sitzverteilung der Korsischen Versammlung erst nach der zweiten Wahlrunde fest, der Sieg von Pè a Corsica gilt jedoch als sicher. Im ersten Durchgang erhielt das Bündnis bereits 45,36 Prozent der Stimmen. In der Hauptstadt Ajaccio ließ sich Spitzenkandidat Gilles Simeoni als Gewinner feiern – Korsikas Flagge mit einem Mohrenkopf auf weißem Grund in der Hand.

Weit abgeschlagen beendeten die übrigen Parteien den Wahltag. Die Regionalistische Rechte kam auf 14,97 Prozent, die Republikaner (ehemals UMP) auf 12,77 Prozent. Die Machron-Bewegung musste sich mit 11,26 Prozent und damit Platz vier zufrieden geben. Die linke Liste La France insoumise (LFI) fuhr 5,68 Prozent ein. LFI ist der korsische Ableger der gleichnamigen Bewegung des linkspopulistischen Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon und der Kommunisten – sie war gegen den Willen Mélenchon auf der Insel angetreten.

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Für den ehemaligen Rothschild-Bankier und jetzigen Hoffnungsträger der EU-Eliten Macron bedeutet der Urnengang die erste große Niederlage seit seinem triumphalen Doppelsieg bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Frühjahr. Zwar hatten sowohl Macron, als auch Republik in Bewegung auch damals auf Korsika unterdurchschnittlich abgeschnitten – beim Kampf um den Elysee lag Macron in der ersten Runde hinter der Front-National-Kandidatin Marine Le Pen, beim zweiten Durchgang siegte er mit 51,5 Prozent knapp. Doch auch im Vergleich zu diesen Ergebnissen ist des jetzige Abschneiden ein Erdrutschverlust.

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Unklar ist, welche Politik Pè a Corsica im gesamtkorsischen Parlament vertritt, das erstmals die bisherigen zwei Departements-Vertretungen ablöst. Pè a Corsica ist ein Bündnis aus den Autonomisten um Simeoni und den Unabhängigkeitsbefürwortern um Jean-Guy Talamoni. Letzterer strebt einen eigenständigen Staat auf der Mittelmeerinsel an, während ersterer innerhalb von zehn Jahren einen Status mit eigener Gesetzgebung auf dem Verhandlungsweg erreichen will. Bei den Wahlen 2015, als beide Flügel getrennt antraten, schnitten die Autonomisten mit 17,62 Prozent deutlich stärker ab als die Unabhängigkeitsbefürworter mit 7,73. Dabei finden die Vertreter einer Selbstregierung innerhalb Frankreichs vor allem in den ärmeren Bevölkerungsschichten Anklang, während Talamonie stärker auf die junge Generation bauen kann.

Überraschend kommt der Sieg von Pè a Corsica derweil nicht. Seit dem Ende des bewaffneten Unabhängigkeitskampfes durch die allerdings weiterhin bestehende Untergrundbewegung FLNC 2014 konnten die legalen Nationalisten an den Wahlurnen beständig zulegen. Simeoni wurde 2014 Bürgermeister von Bastia und durchbrach damit auch die in Korsika bis dato allgegenwärtige Herrschaft weniger Familienclans. „Wir wollen Frieden, wir wollen Demokratie und wir wollen eine emanzipierte Insel“, sagte er nach dem Urnengang – eine „emanzipierte Insel“ war die Formal, auf die sich Autonomisten und Unabhängigkeitsbefürworter für die Bildung der Einheitsliste verständigt hatten.

Das 8.600 Quadratkilometer große Korsika hat etwa 324.000 Einwohner und gehört zu den ärmsten Regionen Frankreich.


3 Kommentare

  1. Wahrscheinlich haben sich einige Franzosen mehr von Marcon vor der Wahl versprochen als sie hinterher bekommen haben! Frankreich ist seit Ludwig XIV. zentralistisch, da kommt nach Paris lange erst einmal nichts. Und Korsika ist erst im 18Jh. von Italien nach Frankreich gekommen. Korsika braucht keine eigene, exportierende Industrie, aber man muß es vor der globalistischen schützen! Und ggf. vor Zivilokkupanten.
    Damit der Tourismus weiter blühen kann und sich die Touristen weiterhin Korsika leisten können.

    Bei uns werden die Politiker die Quittung für ihr Hickhack wohl als Erste in Bayern abbekommen! Mit stark reduzierter CSU! Wenn das FJS wüßte.

  2. Dietrich Jahnke am

    Korsika ist zu einer reinen Ferieninsel geworden, hauptsächlich für Individualtouristen, und hat alles zu bieten, was sich ein Sommerurlauber so wünscht: herrliche Sandstrände, eindrucksvolle Berglandschaften, pittoreske Bergdörfer, sehenswerte Städte. Aber ist nicht billig und macht überhaupt keinen ärmlichen Eindruck, ganz im Gegenteil, alles gepflegt, restauriert, Straßen in Top Zustand. Korsika hat aber praktisch keine Industrie, keine Bodenschätze, nur wenig Landwirtschaft (Weinanbau), lebt (fast) ausschließlich vom Tourismus und – von finanziellen Zuwendungen vom Festland. Diese Bedingungen machen eine völlige Selbstständigkeit praktisch unmöglich, aber vielleicht erreichen die eigenwilligen Korsen eine weitgehende Autonomie.

    • Wichtigster Exportartikel sind "Kaiser"! Vielleicht ist da irgendwo ein kleiner Artillerieleutnant, der einen schönen Makronenkuchen backen kann? 😉

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