Morrissey: Ist der frühere The-Smiths-Sänger jetzt ein Rechts-Rocker?

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Weil er bei einem Auftritt im TV das Emblem einer zuwanderungskritischen Gruppierung am Revers trug, ist Morrissey erneut in die Kritik geraten. Nun wurde das Enfant terrible der Popmusik vom britischen Spectator verteidigt.

Steven Patrick Morrissey, den man nur bei seinem Nachnamen nennt, hat die politisch korrekte Pseudo-Toleranzgesellschaft in den letzten Jahren ganz schön aufgemischt. Schon 2007 sorgte der frühere Kopf der Kult-Band The Smiths – der aus Manchester stammt, aber schon seit einiger Zeit in Kalifornien lebt – für einen Eklat, als er in einem Interview mit dem New Musical Express auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, wieder in seine alte Heimat zu ziehen, antwortete: „Schwer zu sagen, denn England ist ein wirklich furchtbarer Platz, was Einwanderung betrifft. Ich habe beileibe nichts gegen Ausländer, aber je größer die Einwanderungswelle ist, desto mehr verschwindet die britische Identität.“

Zehn Jahre später, am 22. Mai 2017 – und damit genau an seinem Geburtstag –, verübte ein islamistischer Selbstmordattentäter bei einem Konzert von US-Popsternchen Ariana Grande in seiner Heimatstadt einen Nagelbombenanschlag, der über 20 Menschen das Leben kostete. Da platzte Morrissey erneut der Kragen. Dem – pakistanischstämmigen und muslimischen – Labour-Bürgermeister von London, Sadiq Khan, warf der Musiker in einem Beitrag auf Facebook vor, sich zwar mit Manchester solidarisiert, aber den Islamischen Staat, der sich zu dem Anschlag bekannt hatte, nicht verurteilt zu haben. Seine Kritik richtete sich auch gegen den Bürgermeister von Manchester, ebenfalls ein Labour-Politiker, dem er vorwarf, den Täter zwar einen „Extremisten“ genannt zu haben, ohne jedoch dessen religiösen Hintergrund zu erwähnen („Der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, sagt, der Anschlag ist die Tat eines Extremisten. Was für ein Extremist? Ein extremes Kaninchen?“).

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Der nächste vermeintliche Skandal folgte im November 2017. In einem Interview mit dem Spiegel zeigte Morrissey Verständnis für das Brexit-Votum seiner Landsleute und kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, der er vorwarf, mit ihrer Politik die EU dominieren zu wollen. Auf die Frage „Also denken Sie, Angela Merkel ist die Mutter Europas?“ antwortete Morrissey: „Nun, sie ist klug genug, nicht viel zu sagen. Sie bleibt still, was sehr interessant ist. Aber ich bin traurig, dass Berlin die Vergewaltigungshauptstadt geworden ist.“

Zu einer solchen sei die deutsche Hauptstadt „wegen der offenen Grenzen“ geworden. Der heute 60-jährige Brite sagte weiter: „Okay, reden wir über den Multikulturalismus. Ich will, dass Deutschland deutsch ist. Ich will, dass Frankreich französisch ist. Wenn man versucht, alles multikulturell zu machen, hat man am Ende gar keine Kultur mehr. Alle europäischen Länder haben viele, viele Jahre für ihre Identität gekämpft. Und jetzt werfen sie sie einfach weg. Ich finde das traurig.“

Und nun auch noch Button-Gate: Bei einem Auftritt in der Tonight Show des US-Komikers Jimmy Fallon auf NBC am 13. Mai sah man ihn mit einem Abzeichen des zuwanderungs- und islamkritischen „For Britain Movement“, einer Abspaltung der Unabhängigkeitspartei UKIP. Den Button hatte er Medienberichten zufolge auch schon bei Konzerten getragen. Wieder brach eine Welle der Empörung über den Sänger herein, der gerade sein neues Album California veröffentlicht hat. Angeblich würden sich alte Fans reihenweise von ihm abwenden und Plattenläden seine Scheiben verbannen. Vor allem der Guardian nahm den Musiker unter Beschuss.

Hier ein Video vom Auftritt mit dem bösen Button:

Dem Sänger zur Seite gesprungen ist jetzt der britische Spectator. In einem Beitrag vom 2. Juni stellt Redakteur Charlie Nash fest: „Morrissey hasn’t turned right: our establishment has turned insane.“ Auf Deutsch: „Morrissey ist nicht nach rechts abgebogen, das Establishment ist verrückt geworden. Der Autor verweist auf frühere Provokateure wie Drogenpapst Timothy Leary oder Beatnik-Literat William S. Burroughs und schreibt: „Im Gegensatz zu diesen anderen wichtigen Persönlichkeiten der Gegenkultur lebt Morrissey – zum Glück – noch. Das bedeutet aber auch, dass der Autodidakt der Arbeiterklasse aus Manchester die Hitze einer großstädtischen Nanny-Kultur ertragen muss, obwohl er in die Staaten gezogen ist, um Londons notorisch giftiger Presse auszuweichen. Die Verurteilung von Morrissey durch den Guardian beweist, dass die kulturelle Atmosphäre im Westen so restriktiv und autoritär geworden ist, dass selbst ein ganz gewöhnlicher Patriotismus ein No-Go geworden ist.“

Nash zieht im Spectator abschließend das Fazit: „Für unser Kultur-Establishment ist Morrissey ein Schwerverbrecher, aber er ist immer noch derselbe, der er 1982 war. Es sind seine Kritiker und Zensoren, die sich verändert haben und die fordern, dass wir alle nach ihrer Nase tanzen.“

COMPACT veröffentlichte bereits in seiner Ausgabe 8/2017 einen Beitrag über Morrissey und andere Dissidenten des Rock-Business wie Punk-Legende John Lydon alias Johnny Rotten. Dort heißt es:

Es fällt auf, dass gerade jene Urgesteine die konservative Kurve gekriegt haben, die, um es mit den Ramones zu sagen, einen Abschluss von der Rock’n’Roll High School vorweisen können, statt nur ein paar Schnellkurse an der Klippschule des seichten Pops absolviert zu haben. Dazu gehört auch Hippie-Veteran Neil Young («Rockin’ in the Free World»), der mit Crosby, Stills and Nash 1969 beim Woodstock-Festival dabei war, und später, wenngleich Kanadier, Ronald Reagan (1980) und Ross Perot (1992) bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen unterstützte. Der frühere Flower-Power- und Freie-Liebe-Prophet heiratete, bekam drei Kinder, lebt heute auf einer Farm in Kalifornien und ist, so die WAZ in einem Porträt, ein «Wertkonservativer», der «die Werte des guten Amerika vertritt: Familie, Nachbarschaft, Redlichkeit».

Gene Simmons, züngelnder Frontmann von Kiss, sprach sich bei den vergangenen US-Wahlen – wie sein Südstaaten-Kollege Kid Rock – für Donald Trump aus. Und über den einstigen Schock-Rocker Alice Cooper («Poison»), der keine illegalen Einwanderer mag, berichtete Die Welt schon 2008: «Seit 32 Jahren lebt der Entertainer fromm in Arizona als Familienvater. Er hält Bibelstunden, wählt republikanisch oder gar nicht und erzieht seine drei Kinder streng.» Statt «School’s out» abzufeiern, finanziert er zudem «als Ehrendoktor an der Universität ein konsequent christliches Jugendzentrum namens Solid Rock». Seine größte Leidenschaft ist heute das Golfspielen.

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Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

5 Kommentare

  1. Avatar
    Irgendwehr am

    Ja was ist denn los in England. Verstehen die es nicht, ihre Künstler nach deutschem Muster zu dressieren? Die sollen sich mal ein Beispiel an Sara Konnor nehmen. Die ist schon so auf Linie, dass es selbst den Staatssendern zu peinlich ist, ihr neuestes Lied auf die Allgemeinheit loszulassen. Wir haben es verstanden, die gesamte Medienlandschaft umzukrempeln. Es wird bei uns so weit getrieben, dass wir nur noch Gebühren für etwas zahlen, was man nicht mehr nutzen kann. Weil nur noch multikulti in unsere Hirne eingetrichtert werden soll. Systematisch, gründlich Deutsch. So weit darf unsere Kultur noch gehen.

  2. Avatar
    Glück Auf! am

    Morrissey sang schon 2004:

    “I’ve been dreaming of a time when
    The English are sick to death of labour and Tories” (Irish Heart, English Blood)

    Hier das Lied mit Untertitel:

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      Lila Luxemburg am

      Davon wird er wohl weiter träumen müssen – bis er tot ist. Denn ‚das Volk‘ … ist hier wie dort das eigentliche Problem. Wie ‚der Führer‘ schon sagte: Die Politiker haben es leicht … das Volk … denkt nicht! Und das Schlimmste steht ihnen erst noch bevor, wenn sie eines Tages werden erkennen müssen, daß sie sich selbst nicht nur verraten, sondern ABSOLUT verraten haben – und daß sie nicht mehr zurück können … VOR diesen absoluten Verrat…

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        Glück Auf! am

        Ganz so duster ist es nicht: Viele Briten haben augenscheinlich die Schnauze voll von den Altparteiein, das zeigt ja die EU-Wahl bei der Farages Partei abgeräumt hat. Ob die europäischen Völker überhaupt als solche sich noch kennen – oder sich vielleicht noch wiedererkennen – kann noch nicht als ausgemacht gelten.

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        Lila Luxemburg am

        Ja, Farage hat gut ‚gepuncht‘ – bei den EU-Wahlen. Aber das worauf es ankommt … sind eben die Wahlen zum britischen Parlament. Und da muß ich dir wohl nicht erzählen, welche Chancen bei dem diesbezüglich elenden britischen Wahlrecht, Außenseiter/Newcomer/andere Parteien im allgemeinen … haben – oder? Solange dieses Wahlrecht so ist wie es ist … läuft es am Ende doch immer nur wieder auf einen Wechsel zw. Labour und Tories hinaus – mithin zwei Parteien, die dezidiert antienglisch sind … aber in der Konsequenz eben doch immer wieder an die Macht kommen.

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