MIT-Professor nimmt offizielle US-Version des Giftgasanschlags auseinander

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Der US-Physiker Theodore Postol widerlegt die Behauptungen des Weißen Hauses zum mutmaßlichen Giftgasanschlag vom 4. April aus wissenschaftlicher Perspektive.

Am Dienstag veröffentlichte die Trump-Administration einen Geheimdienstbericht, der Moskau unter Druck setzen sollte, den syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad fallenzulassen. Den Angaben zufolge, wiesen die Beweise darauf hin, dass ein russisches Flugzeug SU-22, von einem syrischen Piloten gesteuert, am 4. April mit dem tödlichen Nervengas Sarin versehenen Sprengstoff auf das syrische Chan Scheichun abgeworfen habe.

Der emeritierte Professor der Wissenschaften, Technologie und Nationalen Sicherheitspolitik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Theodore Postol, hat das Dokument studiert. O-Ton Postol:

(Zitat Anfang) Ich habe das Dokument sorgfältig betrachtet und glaube, dass ohne jeden Zweifel dargestellt werden kann, dass das Dokument keine Beweise jeglicher Art enthält, die das Weiße Haus konkrete Kenntnis darüber verleihen, dass die syrische Regierung für den Chemieangriff im syrischen Chan Scheichun vom 4. April 2017, zwischen 6 und 7 Uhr, verantwortlich ist. Tatsächlich deutet ein im Dokument zitiertes Hauptbeweisstück auf einen durch Personen am Boden ausgeführten Angriff am Morgen des 4. April hin, nicht auf ein Flugzeug. (…)

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Die Behauptung, an jenem Morgen habe ein Chemieangriff mit einem Nervengas in Chan Scheichun stattgefunden, ist der einzig unumstrittene Fakt im Bericht des Weißen Hauses. Obwohl das Weiße Haus diesen Punkt im Bericht an vielen Stellen wiederholt, beinhaltet dieser absolut null Beweise dafür, dass dieser Angriff das Ergebnis von aus einem Flugzeug geworfenem Sprengstoff ist. Tatsächlich beinhaltet der Bericht keinerlei Beweise, die auf den Verursacher dieser abscheulichen Tat hinweisen. (…)

Der einzige im Bericht vorgebrachte Beweis dafür, dass die syrische Regierung hinter dem Angriff stünde, ist der Krater, der auf einer Straße im Norden von Chan Scheichun identifiziert worden sein soll. Ich habe diesen Krater mithilfe von Google Earth lokalisiert. Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass er entstand, weil von einem Flugzeug ein Sprengsatz geworfen wurde, der hinterher Sarin zerstreuen sollte.

Abbildung 1 [Bild oben] zeigt den von Google Earth dargestellten Krater (…), wie er vom Weißen Haus beschrieben wird. Die vom Weißen Haus zitierten Daten stimmen aber eher mit der Möglichkeit überein, dass der Sprengsatz am Boden platziert worden war und nicht aus einem Flugzeug geworfen wurde. (…)

Die Analyse der Trümmer, wie sie in den vom Weißen Haus genannten Bildern gezeigt werden, weisen eindeutig darauf hin, dass die Ladung mit an Gewissheit grenzender Sicherheit am Boden platziert worden ist, und zwar mit einem oben angebrachten externen Sprengsatz, der den Container zerbarst, damit die mutmaßliche Ladung Sarin zerstreut werden konnte. (Zitat Ende)

Dem Weißen Haus zufolge, beweist diese Nahaufnahme des Kraters die Schuld der Regierung Assad.

Laut Postol widerspricht die Deformation des mutmaßlichen Sarin-Behälters der Version eines Luftangriffs.

Die noch am Mittwoch von Spiegel Online unter Verweis auf andere „Verschwörungstheorien im Netz“ kolportierte Version des Weißen Hauses ist somit futsch. (1) Allerdings stellt Postols Darstellung auch die russische Position infrage, der zufolge das Gas zwischen 11.30 und 12.30 Uhr bei einem Luftangriff auf eine Lagerhalle, in der sich das Sarin befunden haben soll, freigesetzt wurde.

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Postol: „Ich habe mit den Geheimdiensten in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Die Politisierung von Informationen, die in jüngster Zeit anscheinend immer öfter stattfindet, bereitet mir ernsthafte Sorgen – doch weiß ich, dass die Geheimdienste über hochgradig begabte Analytiker verfügen. Wenn diese Analytiker über die Behauptungen im Dokument des Weißen Hauses vernünftig informiert gewesen wären, dann hätten sie ihrer Verbreitung nicht zugestimmt. (…)

Ich stehe dem Land für jedwede in meiner Macht stehenden Auswertungen und Hilfe zur Verfügung. Was ich mit Sicherheit bis hierhin sagen kann, ist, dass die vom Weißen Haus jetzt ans Land weitergetragenen Informationen nicht wahr sein können und die Tatsache, dass diese Informationen in diesem Format angeboten worden sind, ernsthafteste Fragen über die Handhabung unserer Nationalen Sicherheit aufwirft.“

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Die komplette Auswertung von Prof. Postol in englischer Sprache finden sie hier:
https://www.dropbox.com/s/s4djf4jq2fnearx/Postal%20Report%20on%20Alleged%20Syrian%20Nerve%20Gas%20Atk%20-%20April%202017.pdf?dl=0

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(1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-die-indizien-die-verschwoerungstheorien-die-fakten-zum-giftgasangriff-a-1143009.html

 

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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