Merkels Propaganda-Freundin

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Liz Mohn ist die mächtigste Medienfrau der Nation. Die Chefin des Bertelsmann-Konzerns dirigiert ein riesiges Propagandanetz – und ist eine enge Freundin der Bundeskanzlerin. Nun sind Briefe aufgetaucht, die ihre fast grenzenlose Begeisterung für Angela Merkel belegen – und ihre Einflussnahme auf die Regierungspolitik. Es folgen Auszüge aus einem Artikel, den Sie ungekürzt in COMPACT 11/2016 lesen können. Sie erhalten COMPACT 11/2016 entweder im Zeitschriftenhandelüber Online-Bestellung oder im Abo

_ von Hans-Hermann Gockel

«Zum Regieren brauche ich nur Bild, BamS und Glotze», hatte Kanzler Gerhard Schröder einst getönt. Seiner Nachfolgerin reicht zum Machterhalt ein Kaffee-Kränzchen. Ob es nur reine Freundschaft ist oder schon längst Kumpanei, lässt sich von außen nicht sagen. Aber solange Liz Mohn (Bertelsmann) und Friede Springer (Springer Verlag) die Hände schützend über Angela Merkel halten, hat die Frau im Kanzleramt nichts zu befürchten. Elisabeth «Liz» Mohn ist unbestritten Europas mächtigste Medienfrau. Die 75-Jährige hat immer einen Koffer in Berlin – in der Kommandantur, der Bertelsmann-Repräsentanz mit der klangvollen Adresse Unter den Linden 1. Doch ihr Schreibtisch steht in der deutschen Provinz, in der Konzernzentrale in Gütersloh. Von dort aus zieht sie die Strippen, dirigiert den Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsgiganten und vor allem ihre Stiftung.

Zum Konzern gehören unter anderem die RTLGroup, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern) sowie das Musikunternehmen BMG. 117.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von zuletzt fast 18 Milliarden Euro. Die Bertelsmann-Stiftung gilt als das einflussreichste Meinungsinstrument Deutschlands. Seit Gründung wurden ihr immer wieder politische Einflussnahme und die Vermischung gemeinnütziger und privater Interessen vorgeworfen. Davon unbeeindruckt, greifen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gerne und regelmäßig auf die Studien der Denkfabrik zurück.

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Spätestens seit dem Tod ihres Gatten (2009) dirigiert Liz Mohn den Konzern und gehört zu den höchst dekorierten Frauen Europas. Sie trägt den Orden der französischen Ehrenlegion und das Große Bundesverdienstkreuz. Sie bekam den Europäischen Stifter-Preis für Kultur-Mäzene und wurde als erstes weibliches Mitglied aus Deutschland in den Club of Rome aufgenommen. (…) Und sie ist «Merkels Groupie aus dem Heidewald». Angeblich erfand ein CDU-Bundestagsabgeordneter aus Westfalen den Titel. Auf jeden Fall wurde der Spruch an einem bierseligen Abend in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung geboren. Wer auch immer das Copyright auf den Schmäh hat – er ist heute ein fester Begriff. Egal, wo er fällt – ob im Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU, ob im Reichstag oder abends in den Kneipen des Regierungsviertels, jeder weiß, wer gemeint ist – denn für Liz Mohn ist Merkel ein Idol. Schon nach ihrem ersten Treffen war die Bertelsmann- Chefin «nachhaltig» von Merkel beeindruckt. Später pries sie die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende als «Leitfigur» und «Vorbild in unserer Gesellschaft».

Gerade erst sind Privatbriefe aufgetaucht, die belegen, wie innig beider Verhältnis ist. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Spiegel – der große Konkurrent des Bertelsmann- Flaggschiffs Stern – sich diese Dokumente besorgt hat. Bislang zitiert er daraus nur in homöopathischen Dosen. Es handelt sich um vertrauensvoll formulierte Schreiben, die aus Gütersloh an die liebe Angela im Kanzleramt gingen – stets gespickt mit vielen guten Ratschlägen und allerlei aufmunternden Worten. So wurde bekannt, dass die Bertelsmann-Stiftung einmal im Jahr ein Treffen Mohns mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur unter dem Titel Salzburger Trilog organisiert – und Liz Mohn die Ergebnisse dieser Veranstaltung umgehend persönlich an Angela Merkel weiterleitet. Zuletzt sogar mit «Handlungsempfehlungen» angesichts «einer weltweiten Führungskrise». Mohn schlug der Kanzlerin dabei vor, «weniger hierarchisch zu agieren». Pikant ist auch, was die Bertelsmann-Eignerin nach einem Treffen «in kleiner Runde» mit der Kanzlerin zu Papier brachte. Sie lobte zunächst Merkels «kluge Worte», um ihrem Idol dann auch noch an anderer Stelle des Briefes ausgiebig zu huldigen: «Sie führen und gestalten unser Land in einer Zeit spürbarer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche
mit Umsicht, Überzeugungskraft und außerordentlichem Verantwortungsbewusstsein.» Sie
freue sich, so Liz Mohn, schon auf «die nächste Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen!»

Die Vertraulichkeit wirft Fragen auf. Wie stark beeinflusst die Frau aus Gütersloh die Bundesregierung? Hört die notorisch misstrauische Merkel schon längst mehr auf sie als auf ihre engsten politischen Berater? Kanzleramtsminister Peter Altmaier und der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder sollen über den Einfluss aus der westfälischen Provinz jedenfalls alles andere als glücklich sein. Für Liz Mohn habe Merkel immer Zeit, heißt es aus der Fraktion. Altmaier und Kauder müssten sich hinten anstellen.

Eine weitere Frage drängt sich auf: Wie stark nimmt Liz Mohn Einfluss auf die journalistischen Inhalte beim Sender RTL und bei der Illustrierten Stern? Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September präsentierte Chefmoderator Peter Kloeppel in der Hauptnachrichtensendung RTL-Aktuell Ausschnitte aus seinem auffallend handzahm geführten Interview mit der Kanzlerin. Die wirklich kritischen Fragen darin kamen nicht von ihm, sondern von zwei Zuschauern… In der Überleitung zum nächsten Beitrag erklärte Kloeppel schlussendlich: «In dem Gespräch hat die Bundeskanzlerin auch die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, am Sonntag zur Landtagswahl zu gehen und der AfD nicht die Stimme zu geben.» Das Wort «nicht» betonte Kloeppel ausdrücklich. Die Kanzlerin diktiert dem Volk, wie das Volk gefälligst zu wählen hat. Und ein Nachrichten-Moderator macht sich zu ihrem Sprachrohr. Exakt 14 Tage später, am Freitag vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, ein ähnliches Spielchen. «Was denken die Menschen über die AfD? Constantin Schreiber hat für unser Trendbarometer nachgefragt», verkündete der RTL-Aktuell-Moderator.

Wie auf Bestellung kam im nachfolgenden Beitrag eine Frau zu Wort, die ziemlich unverblümt die AfD in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Schließlich verwies Constantin Schreiber als Reporter vor Ort auf eine angeblich repräsentative Forsa-Umfrage: «Nur 23 Prozent der befragten Deutschen halten die AfD für eine normale demokratische Partei. 67 Prozent ordnen sie am rechtsradikalen Rand an.» Was die RTL-Zuschauer in dieser Nachrichtensendung natürlich nicht erfahren haben: Forsa ist jenes Meinungsforschungs-Institut, dessen Geschäftsführer von der AfD und ihren Wählern eine sehr spezielle Meinung hat. Dieser Manfred Güllner äußerte im Deutschlandfunk: «Das ist ein brauner Bodensatz. Das sind keine normalen Menschen. Man muss sie ächten. Man muss sie in die rechte Ecke stellen.
» Kritische Zeitgenossen fragen sich, wie objektiv Forsa- Umfragen angesichts solcher Äußerungen noch sein können. Und der Stern? Je heftiger der Gegenwind für die Kanzlerin bläst, desto breiter baut sich das Blatt vor ihr auf. Chef-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges verkündet, Merkel habe «keinen Grund zu resignieren», denn es sei ja schon «Unglaubliches geschafft».

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