Die CDU scheint die Merkel-Diktatur satt zu haben: Bei der Wahl zum Fraktionschef der Union wurde eine wichtige Säule der Bundeskanzlerin, Volker Kauder, abgewählt und durch Ralph Brinkhaus ersetzt. Natürlich hatten zahlreiche Mainstreammedien ihm vorab kaum eine Chance eingeräumt – und irrten sich wie gewohnt.

    Brinkhaus gewann mit 125:112 Stimmen plus zwei Enthaltungen. Nach 13-jähriger Amtszeit war Merkels Liebling Volker Kauder gestürzt. Ein Paukenschlag. Das ZDF versuchte propagandistische Schadensbegrenzung, indem das heute journal verkündete, zwischen Kauder und Brinkmann gebe es „keinen großen Unterschied“, deshalb „ist das auch kein großes Drama“.

    Das könnte in der Praxis sogar stimmen. Schließlich sagte Brinkhaus: „Ich habe den Willen, sie (Merkel, Anm.) zu unterstützen, die Regierung stark zu machen.“ Auf die Frage, ob er die Bundeskanzlerin durch das Ergebnis beschädigt sehe, sagte Brinkmann: „Nein, überhaupt nicht“, außerdem finde er es „total anständig, freundschaftlich und loyal“, dass Merkel „ihren“ Kauder unterstützt habe. Christian Lindners (FDP) Vorschlag, die Kanzlerin solle jetzt die Vertrauensfrage stellen, sei einfach „Blödsinn“.

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir ist da schon kritischer: Er deutet die Abwahl Kauders als deutliches Zeichen: „Die Union ist nicht mehr regierungsfähig“. Anton Hofreiter (Grüne) hält das Resultat weniger für eine Attacke auf Merkel, sondern für Ausdruck der tiefen Spaltung innerhalb der CDU. Alexander Gauland (AfD) interpretiert das Abstimmungsergebnis konträr dazu als klaren Angriff auf Merkel: „Man schlägt den Sack und meint ganz jemand anderen.“ Alice Weidel (AfD) machte aus ihrer Freude keinen Hehl: „Bei uns knallen die Korken.“ Kauder sei „Steigbügelhalter und Mehrheitsbeschaffer der Kanzlerin“ gewesen. „Dass er jetzt gehen muss, ist ein deutliches Zeichen, dass Merkels Abgang eingeleitet wird.“

    Auch manch medialem Mainstreamer wird’s mulmig: Die Nachrichtenseite Web.de spricht von einer „Merkel-Dämmerung“. Spiegel-Kolumnist Jakob Augstein fordert gar Neuwahlen, weiß aber auch um die Angst der Politiker vor den Wählern.

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