Vom gefeierten Bestseller-Autor zum Enfant terrible des Kulturbetriebs: Als Schriftsteller durchlebte Akif Pirinçci Höhen und Tiefen – und ließ sich nie verbiegen. Ein Gespräch über Literatur, Filme, Sex, Liebe, deutsche Lebensart und die Versuche, eine kritische Stimme mundtot zu machen.

    Aus COMPACT-Pirinçci – ab Samstag, 10. März am guten Kiosk – und im COMPACT-Shop.

    COMPACT: Lieber Akif, Du hast große Erfolge als Romanschriftsteller gefeiert. Wer war eigentlich Dein Entdecker?

    Pirinçci: Mein Entdecker – der ist eigentlich eine kleine Legende bei Random House beziehungsweise Bertelsmann gewesen. Das war Klaus Eck, damals Chef-Lektor beim Goldmann-Verlag, der 1981 meinen ersten Roman Tränen sind immer das Ende verlegt hat.

    COMPACT: Hast Du Dein Manuskript einfach eingeschickt?

    Pirinçci: Nein, ich habe das Endskript an 60 Verlage geschickt. Und alle 60 haben abgelehnt – auch Goldmann. Da ich aber ein größenwahnsinniger Mensch bin, dachte ich mir: Scheiß drauf! Dann verlege ich
    das selber. Ich habe den Text dann auf einer elektronischen Schreibmaschine abgetippt, habe ihn fotokopiert und 500 Mal als Buch binden lassen. Dann habe ich Flugblätter verteilt…

    COMPACT: Wo hast Du die verteilt?

    Pirinçci: An der Kölner Uni, im Rheingebiet, in Kneipen, überall. Und es war ein großer Erfolg, weil sich tatsächlich 40 Bücher verkauft haben. Dann saß ich frustriert zu Hause, und damals gab es eine Literatursendung mit Reinhart Hoffmeister, die hieß Litera-Tour. Da ging es um die erste Liebe, wovon ja auch mein Buch handelte. Ich hab mich aufgeregt und dachte: Warum haben die mich nicht eingeladen? Daraufhin habe ich mich beim ZDF beschwert, und man sagte mir, der Herr Hoffmeister sei nicht da, er habe sich bei einem Skiunfall das Bein gebrochen. Deswegen habe er jetzt viel Zeit zum Lesen, ich solle ihm das Buch doch einfach mal schicken. Also habe ich es hingeschickt. Ein paar Tage später rief mich sein Assistent an und sagte: «Wissen Sie was? Wir wollen Sie für die nächste Sendung haben.» Dann bin ich zum
    ersten Mal in meinem Leben geflogen, von Köln nach Hamburg, und durfte sogar im Hotel Atlantic übernachten. Die Sendung wurde an einem Sonntag ausgestrahlt, und schon am Montag machte es Boom! Ab acht Uhr haben sie bei meinen Eltern angeklingelt.

    COMPACT: Bei Deinen Eltern? Echt jetzt? Du hast damals wirklich noch bei Deinen Eltern gewohnt?

    Pirinçci: Ja, natürlich! Das Telefon stand nicht mehr still. Mich hat dann auch Klaus Eck vom Goldmann-Verlag angerufen und hat gesagt: «Wir wollen Ihr Buch drucken.» Und ich empört: «Aber Sie haben es doch
    abgelehnt!» Ich dachte tatsächlich, der Chef-Lektor liest die Manuskripte selber. Dann sagte er: «Ich habe es nicht gelesen, wir wollen es aber trotzdem drucken.» Ich habe dafür dann 20.000 Mark bekommen – das war für mich eine Menge Schotter.

    COMPACT: War Dein Debüt-Roman schon ein Erfolg?

    Pirinçci: Kann man sagen. Ich mache das an einer Sache fest: Meine Freunde und ich gingen in der Nähe von Andernach immer in ein Café. Wir waren etwas komische Jungs. Wir gingen immer zu Kaffee und Kuchen wie die Omas. Wir gingen natürlich abends noch saufen, aber nachmittags gingen wir immer Kaffee trinken. In dem Café gab es eine Bedienung, die sah aus wie aus einem amerikanischen Film. Sie war auch Halbamerikanerin. Angela, hieß sie – blond, drall, mit einem mächtigen Vorbau, ganz jung, und sie hat eine Brille getragen. Wir haben dann immer Anspielungen gemacht, so nach dem Motto: «Ach Angela, gib uns ein bisschen mehr Sahne auf den Kuchen!» Also das, was Frauen bestimmt hören wollen. Als mein Roman herausgekommen war, ging ich mittags einmal alleine in das Café. Nachdem ich bezahlt hatte und schon rausgehen wollte, steht auf einmal Angela hinter mir und überreicht mir einen Brief. Ich fragte: «Was ist das?» Und sie antwortete: «Lies es zu Hause.» Ich sagte okay, aber nachdem sie weg war, habe ich den Brief natürlich sofort geöffnet und gelesen.

    Da stand sinngemäß drin: «Akif, ich habe Dein Buch gelesen. Ich habe so geweint. Ich habe noch nie so eine schöne Liebesgeschichte in meinem Leben gelesen. Es ist das beste Buch, das ich jemals gelesen habe!» Dann bin ich sofort wieder ins Café und habe zu ihr gesagt: «Ach, lass uns doch mal ausgehen, wenn Du das Buch so gut findest. Dann können wir das mal vertiefen und so…» Ja, es war eine schöne Episode mit Angela. Aber auch finanziell war das Buch ein Erfolg. Nur war ich bereits 1982, also ein Jahr nach Veröffentlichung, schon wieder pleite – und der Horror für mich war, als ich dann einen Umschlag von einer Behörde bekam, wo Finanzamt draufstand. Ich habe nur gedacht: Finanzamt? Was ist das? Ich machte den Umschlag auf, und da stand, dass ich 30.000 Mark Steuern zahlen müsse. Ich hatte aber nur noch 100 Mark.

    Das ganze Interview finden Sie in COMPACT-Pirinçci – ab Samstag, 10. März am guten Kiosk – und im COMPACT-Shop.

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