„Mandat abstauben und tschüss…“: So reagiert das Umfeld auf Petry & Pretzells Abgang

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P&P verlassen die AfD, aber behalten ihre lukrativen Mandate. Im Netz vergleicht man das ehrgeizige Pärchen daher schon mit dem legendären Gangsterpaar Bonnie und Clyde. Viele Parteimitglieder sind ebenfalls entrüstet.

Der für die AfD frisch in den Bundestag eingezogene Richter Jens Maier kommentiert am Mittwoch auf Facebook: „Ich meine, dass diese Leute jetzt natürlich traurig sind. Sie haben einer Direktkandidatin eine Stimme gegeben, die dieses Vertrauen missbraucht hat und dem nicht gerecht geworden ist.“

„Vielfach wurde ich auf den Austritt Frauke Petrys angesprochen“, so Maier. „Ich sehe in ihrem Verhalten Wählertäuschung und fordere sie zur Rückgabe ihrer Mandate auf.“

Maier erinnere Petry „gern an ihre eigenen Worte“ nach dem Abgang Bernd Luckes. Nach dem Bruch mit dem Parteigründer hatte Petry einen Mandatsverzicht aller Lucke-Anhänger gefordert. Maier teilt ein Zitat aus der Rheinischen Post vom 10. Juli 2015:

„Ich gehe nicht davon aus, dass Bernd Lucke und diejenigen, die ihm folgen, die Größe besitzen, ihre mit der AfD errungenen Mandate zurückzugeben“, sagt Petry der „Bild“-Zeitung (Freitagsausgabe) mit Blick auf Luckes Entscheidung, aus der Partei auszutreten. Sie erwarte aber, „dass sie mit ihren Versuchen aufhören, die AfD nach dem Prinzip ‚verbrannte Erde‘ weiter zu beschädigen.“

Sachsen-Anhalts AfD-Landes- und Fraktionschef André Poggenburg erwarte, dass Petry den Austritt nun zügig umsetze. Dies sagte er am Dienstag der Mitteldeutschen Zeitung. Via Twitter kritisierte er anschließend das Beuteverhalten von P&P:

Screenshot: Twitter @PoggenburgAndre

Petrys parteiloser Ex-Berater Michael Klonovsky kommentierte bereits kurz nach Petrys Stunt in der Pressekonferenz am Montag:

Dass Frauke Petry heute mit einer gewissen trotzigen Theatralik aus der Bundespressekonferenz desertierte, ist wenig überraschend für jemanden, der das ambivalente Vergnügen hatte, für sie zu arbeiten. Ihr Verhalten gleicht dem eines Kindes, das den anderen das Spielzeug vor die Füße schmeißt, weil die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen. (…)

Das fidele Duo Petry-Pretzell wird, da es einzig aus Eigennutz handelt, ohne mit der Wimper zu zucken, die Spaltung der AfD vorantreiben, und zwar frei nach Adenauer: Lieber die Viertelpartei ganz als die ganze Partei zu einem Viertel! Lieber reißen sie sich einen Bruchteil unter den Nagel und ruinieren das Ganze, als sich in die Rolle als Teil eines Ganzen zu fügen.

Jürgen Jost von der Lucke-Partei Liberal-Konservative Reformer (früher ALFA) hat für die heutige AfD nicht viel übrig. Über P&P hat er dennoch nichts Gutes zu verlieren. Dieses Mal hätten beide ihre „Selbstbedienungsmentalität auf die Spitze getrieben“, schreibt er auf Facebook.

„Sie haben sich in der AfD von Anfang an charakterlos verhalten, politisch prinzipienlos, getrieben von Machtgier und Geldgier. (…)

Ohne die Machtgeilheit der beiden Polit-Desperados hätte der Coup von Essen nicht funktioniert, wäre die AfD heute eine politik- und koalitionsfähige Mitte-Rechts-Partei mit der Chance, Politik verantwortlich mitzugestalten, Fehlentscheidungen zu verhindern und Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.

Das jetzige Verhalten des Pärchens passt in das Charakterprofil. Der spektakuläre Abgang unmittelbar nach der Bundestagswahl hat nichts mit inhaltlichen Fragen zu tun, da waren beide schon immer höchst geschmeidig.

Es geht eher darum, dass das Ende des Geschäftsmodells Petry/Pretzell in der Partei absehbar war. Jetzt geht es darum, sich für eine mediale Kronzeugenrolle zu positionieren, um sich selbst von den eigenen Verstrickungen reinzuwaschen. Mal sehen, wie sehr insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien darauf hereinfallen werden.

Das Wort „Geschäftsmodell“ ist übrigens das einzig passende. Beide sind allen Ernstes Inhaber von Doppelmandaten: Petry ist gleichzeitig Abgeordnete des Bundestages und des sächsischen Landtages. Pretzell ist Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtages und weiterhin Mitglied des Europaparlamentes. Da wird also jeder Euro mitgenommen. Mit politischem Anstand hat das nicht das Geringste zu tun.

Die NRW-Landesdelegierte Sonja Schaak (aktuelles Interview siehe hier) befürchtet irreparablen Schaden für den Landesverband, falls AfD-Funktionäre in eine Petry-Partei überliefen. Auf Facebook warnt sie am Mittwoch:

Wir sind daher aufgefordert, Petry- und Pretzell-Anhänger von ihren Posten und Ämtern zu entbinden und ihnen den Zugriff auf Kasse, Bankkonten, parteiinterne Unterlagen und Daten sowie Schlüssel zu verwehren, denn es ist ihnen nun nicht mehr zu trauen! Das gilt insbesondere für den komplett von Pretzellianern unterwanderten Landesverband NRW!

Eine Petry-Partei werde „zum Scheitern verurteilt sein“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in Berlin zu Beginn der zweiten Sitzung der Bundestagsfraktion am Mittwoch. Eine solche Abspaltung habe sich bereits vor einer Weile angedeutet, sagte sie entspannt.

Weiterlesen: Das Blaue Wunder – Wahlsieger AfD: Macht was draus!

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