Für politisch „rechts“ stehende Personen gilt die Sippenhaft inzwischen über Antifa-Kreise hinaus: Als Kind „rechter“ Eltern muss man, unabhängig von der eigenen politischen Haltung, mit Diskrimnierung rechnen. Okay, das ist in Diktaturen üblich, das wundert auch keinen mehr. Jetzt aber zeigt der Fall der Waldorfschule Wien West: Zwei Schüler haben eine politisch rechte Mutter (sehr schlecht), aber zugleich einen politisch sehr linken Vater (sehr gut). Das müsste sich doch ausgleichen, oder? Nein. Tut es nicht. Die rechte Mutter wiegt schwerer. Rechts schlägt links. Also fliegen beide von der Schule. Ein Witz? Leider nicht.

    Der berühmte Kulturwissenschaftler Helmut Lethen (79) ist ein gestandener 68er, der auch heute nicht von linken Idealen lassen will. Vor mehreren Jahren erfüllte er sich einen Professorentraum: Er heiratete eine seiner Studentinnen – Caroline Sommerfeld (43). Zu seinem Leidwesen konvertierte die promovierte Philosophin vor einigen Jahren zu den Neurechten und Identitären. So ist sie beispielsweise Co-Autorin des Antaios-Buchs „Mit Linken leben“. Es spricht für beide, dass die Ehe trotzdem hält- und funktioniert. Respekt. Man könnte das als gelebte Toleranz bezeichnen. Eine Toleranz, über die eine Wiener Walldorfschule leider nicht verfügt.

    Auf ihr waren beider Söhne (8 und 12 Jahre) untergebracht. Und von ihr erhielt Lethen jetzt folgendes Schreiben: „Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lethen, hiermit kündigen wir den Ausbildungsvertrag für Ihre Söhne \ zum nächstmöglichen Termin, sohin am 31.08.2018. Mit der Bitte um Kenntnisnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen \“. Der Grund war schnell ausgemacht: Mama ist zu rechts.

    Aber hat Mamas „rechter“ Aktivismus auf die Jungen abgefärbt? Haben die diverse Parolen losgelassen? Klassenkameraden zum Eintritt in die FPÖ verführt? Gegen Mitschüler mit Migrationshintergrund gehetzt? Nichts von all dem. Im Gegenteil, beide waren bei den Mitschülern derart beliebt, dass viele weinten, als die zwei Jungen jetzt das Gymnasium wechseln mussten. Also dürfte die Direktion in gut rassistischer Weise Nazi-Gene im Nachwuchs einer „rechten“ Publizistin vermutet haben? Und das bei einer Schule, die auf ihrer Website dafür wirbt, dass Kinder bei ihnen „als Individuen respektiert“ würden…

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    Oder aber: Die Waldorfschule hatte Angst um ihren Ruf, falls herauskäme, wessen Kinder dort eine Ausbildung genössen. Gegen dieses Kriecher-Argument ließe sich einwenden: Leider gelten Waldorfschulen ohnehin als „rechts“, weil diverse Medien deren Gründer, Rudolf Steiner, inzwischen als „rassisitisch“ einstufen. Das eine niederländische Historikergruppe dies nach ausführlicher Analyse bestreitet, interessiert keine Sau. Wer also selbst unter Nazi-Verdacht steht, sollte sich nicht dadurch „reinwaschen“ wollen, indem er Kinder von „Rechten“ durch Sippenhaft diskriminiert.

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